Dienstag, 17. September 2019

US-Notenbank vor Zinswende Unterwirft sich die Fed Donald Trump?

So, what is next? US-Präsident Trump

Donald Trump gegen die Fed: Amerikas Notenbank wird wohl diese Woche beginnen, die Zügel zu straffen - auch weil der neue Präsident auf Konfrontationskurs schwenkt. Die Auswirkungen werden weltweit spürbar sein.

Amerika mag inzwischen viele Gegner in der Welt haben, aber Amerikas Geld ist nach wie vor außerordentlich beliebt. Der US-Dollar ist nach wie vor die mit Abstand wichtigste Währung der Welt. Auch in Ländern wie der Türkei, die in deutlicher politischer Distanz zu den USA stehen, ist der Dollar in der Wirtschaft präsent.

In den vergangenen Jahren ist er sogar noch populärer geworden.

Die extrem niedrigen amerikanischen Zinsen haben Unternehmen und Staaten rund um den Globus dazu animiert, sich zunehmend in US-Währung zu verschulden. Auf rund 10 Billionen Dollar schätzt die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) die ausstehenden Firmenverbindlichkeiten außerhalb der USA, ein Drittel davon in Schwellenländern wie der Türkei.

Ein gutes Geschäft - so schien es jedenfalls, als die Zinsen niedrig waren und der Dollar vergleichsweise schwach. Aber das ist vorbei. Jetzt sitzen die Dollar-Schuldner rund um den Globus in der Klemme: Die Stärke der US-Währung erschwert die Schuldenlast; Anschlussfinanzierungen werden teurer, weil weltweit die Zinsen steigen. Möglich, dass sich da eine globale Schuldenkrise zusammenbraut.

Am Mittwoch trifft sich der Gouverneursrat der US-Notenbank Fed zur letzten geldpolitischen Sitzung des Jahres. Wie es aussieht, steht eine Zinserhöhung um einen Viertel Prozentpunkt an. Nicht viel, aber es dürfte der Beginn eines Kurswechsels sein, dem eine ganze Reihe weiterer Zinsschritte in den kommenden Jahren folgen werden.

Angekündigt hatte die Fed diese Wende seit langem. Schließlich entwickelt sich die US-Wirtschaft ordentlich: Es herrscht nahezu Vollbeschäftigung; die Löhne steigen wieder kräftiger. Von Deflationsgefahr kann keine Rede mehr sein. Doch die Geldgouverneure haben lange vor einer Straffung der Geldpolitik zurückgeschreckt - insbesondere wegen der befürchteten negativen weltweiten Folgen.

Henrik Müller
manager magazin
Henrik Müller ist Professor für wirtschaftspolitischen Journalismus an der Technischen Universität Dortmund. Zuvor war Müller stellvertretender Chefredakteur des manager magazins.

Derlei Rücksichtnahmen werden nun schwieriger. Die Wahl von Donald Trump zum US-Präsidenten hat die wirtschaftspolitischen Koordinaten verschoben. Die Fed muss zu Hause um ihre Glaubwürdigkeit kämpfen.

Trump hat ein massives schuldenfinanziertes Ausgabenprogramm angekündigt. Das Kapital dafür wird sich Amerika im Rest der Welt borgen müssen. Deshalb sind unmittelbar nach der Wahl die langfristigen Zinsen rund um den Globus gestiegen - mit entsprechend negativen Folgen für Dollar-Schuldner außerhalb der USA.

In Amerika selbst treffen die zusätzlichen Staatsausgaben auf eine gute Konjunktur. Eine Konstellation, die nach aller Erfahrung die Preise in die Höhe treiben wird.

Deshalb kommt die Fed unter Zugzwang. Schließlich ist sie per Gesetz verpflichtet, die Inflation im Griff zu halten. Sollte das nicht gelingen, würde nicht nur die US-Wirtschaft Schaden nehmen, sondern auch die Reputation der Notenbank.

Bereits im Wahlkampf hatte Trump Fed-Chefin Janet Yellen persönlich angegriffen und ihre Ablösung in Aussicht gestellt. Wenn künftig die Inflationsraten als Folge seiner Politik steigen, dürfte der Präsident wenig Skrupel haben, die Fed dafür verantwortlich zu machen - und etwaigen Unmut bei Yellen & Co. abzuladen.

Um sich gegen derlei Übergriffe zu schützen, dürfte die Fed-Führung versuchen vorzubeugen und sich Bewegungsspielraum zu verschaffen, indem sie die Zinsen im Zweifel eher schneller nach oben schleust.

Über Jahre hat die Fed agiert wie eine globale Zentralbank. Sie hat Rücksicht genommen, weil der Dollar nun mal eine globale Währung ist. Als Yellens Vorgänger Ben Bernanke 2013 beginnen wollte, die monatlichen Anleihekäufe herunterzufahren und daraufhin in den Schwellenländern die Börsen auf Talfahrt gingen, hat er den Plan erstmal zurückgestellt. Auch unter Yellen hat die Fed von Zinserhöhungen abgesehen - wegen der hohen Dollar-Verschuldung rund um den Globus, wegen der wackligen chinesischen Börsen oder wegen der Auswirkungen eines EU-Ausstiegs Großbritanniens

Eigentlich ist das gar nicht ihr Job. Wie die anderen großen Notenbanken auch, so hat die Fed den klaren Auftrag, sich zuallerst um eine gute Wirtschaftsentwicklung im eigenen Land zu kümmern, nicht um den Rest der Welt. Aber weil der Dollar gewissermaßen das Welt-Geld ist, sah sich die Fed verpflichtet, behutsam vorzugehen.

Diese Ära geht nun vorbei. Trumps "America first"-Doktrin hält von internationaler Kooperation wenig. Der künftige Präsident, das legen seine Äußerungen zur Wirtschaftspolitik nahe, sieht die Welt als Nullsummenspiel, in dem es darum geht, fürs eigene Land am meisten herauszuholen.

Als erste bekommen die Dollar-Schuldner rund um den Globus den neuen Kurs zu spüren. Die Zeiten werden rauer.

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