Fed-Chef Powell warnt vor Inflation Fed könnte Wertpapierkäufe bereits früher beenden

Die amerikanische Notenbank Federal Reserve könnte ihre Geldpolitik trotz neuer Corona-Ängste rascher straffen als erwartet. Die Fed könnte ihre Wertpapierkäufe schon früher beenden, sagte Notenbankchef Powell am Dienstag. Dow Jones und Nasdaq gaben daraufhin deutlich nach.
Fed-Chef Jerome Powell: Inflation möglicherweise nicht mehr "transitorisch" - also kein Übergangsphänomen

Fed-Chef Jerome Powell: Inflation möglicherweise nicht mehr "transitorisch" - also kein Übergangsphänomen

Foto: Susan Walsh / AP

Vor dem Bankenausschuss des US-Senats brachte der Chef der US-Notenbank Federal Reserve (Fed), Jerome Powell (68), zum einen die Möglichkeit ins Spiel, die immensen Wertpapierkäufe der Fed rascher abzuschmelzen. Zum anderen nährte er Zweifel an der Sichtweise der Fed, dass die derzeit hohe Inflation eine lediglich übergangsweise Angelegenheit sei. Der US-Dollar legte daraufhin deutlich zu, während die Zinsen am US-Kapitalmarkt stiegen.

Nach Worten von Powell peilt die Fed offenbar eine schnellere Rückführung ihrer milliardenschweren Wertpapierkäufe an. Die Wirtschaft entwickle sich sehr robust, und der Inflationsdruck sei hoch, erklärte Powell vor den Parlamentariern. Daher sei es möglicherweise angemessen, die Rückführung der Wertpapierkäufe vielleicht einige Monate früher abzuschließen.

Die Fed war auf ihrer jüngsten Zinssitzung in die Rückführung der zur Konjunkturstützung aufgelegten Wertpapierkäufe von monatlich 120 Milliarden US-Dollar eingestiegen. Für November und Dezember wurde ein Abschmelzen um je 15 Milliarden Dollar avisiert. Würde das Tempo gehalten, würde die Fed etwa Mitte 2022 keine zusätzlichen Anleihen mehr in ihre Bücher nehmen. Die Käufe waren wesentlicher Bestandteil der Fed-Krisenpolitik in der Corona-Pandemie.

Warnung vor dauerhafter Inflation

Powell deutete zudem an, dass die Fed darüber nachdenke, die Inflation nicht mehr als "transitorisch", also übergangsweise Angelegenheit zu bezeichnen. Das Wort steht für die Auffassung der Notenbank, dass die zurzeit hohe Inflation durch Corona-Sondereffekte getrieben und daher nicht von Dauer ist. Die Sichtweise spricht gegen eine nennenswerte Straffung der Geldpolitik, um Inflationsrisiken zu begegnen. Bereits auf der jüngsten Zinssitzung hat sich die Fed mit einer leicht veränderten Wortwahl etwas von dieser Betrachtung gelöst.

Die hohe Inflation werde noch bis weit ins nächste Jahr anhalten, sagte Powell. Zwar dürfte sich die Teuerung im kommenden Jahr verlangsamen, preistreibende Faktoren wie Probleme im Welthandel blieben aber bestehen. "Ich denke, das Risiko höherer Inflation hat zugenommen." Zudem habe sich die Lage am Arbeitsmarkt rapide verbessert "und die Löhne steigen mit großer Geschwindigkeit", erklärte der Fed-Chef.

Die Inflation in den USA ist seit Monaten ungewöhnlich hoch. Im Oktober stiegen die Verbraucherpreise zum Vorjahresmonat um 6,2 Prozent und damit so stark wie seit 31 Jahren nicht mehr. Die Fed ist der Preisstabilität verpflichtet. Das Ziel der Zentralbank ist mittelfristig eine durchschnittliche Inflationsrate von zwei Prozent.

Powell sagte, die Gefahr "einer anhaltend hohen Inflationsrate" sei gestiegen, die Fed gehe aber weiter davon aus, dass die Teuerung 2022 "näher an unser Ziel sinken wird". Falls die Entwicklung anders verlaufen sollte, stehe die Notenbank bereit, ihre Werkzeuge einzusetzen.

Um die Inflation zu bremsen, könnte die Fed den Leitzins von derzeit fast Null schrittweise erhöhen - was allerdings auch die Konjunktur dämpfen würde. Davor könnte die Fed angesichts neuer Wachstumsrisiken infolge der Corona-Omikron-Variante zurückscheuen.

la/Reuters
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