Millionengewinne durch Datenlecks Warum die EZB ausgerechnet die USA attackiert

Von Arne Gottschalck
Börse: Informationen sind alles - gerade in Zeiten des computerbasierten Handels

Börse: Informationen sind alles - gerade in Zeiten des computerbasierten Handels

Foto: Divyakant Solanki/ dpa

Datenlecks in den USA sollen nach einer EZB-Studie  Investoren Millionengewinne verschafft haben. Nun ermittelt die New Yorker Staatsanwaltschaft und die Europäische Zentralbank (EZB) erhebt deutliche Vorwürfe: Was war geschehen?

Einzelne Investoren haben der Studie zufolge angeblich vorab von bestimmten US-Konjunkturdaten gewusst und sich vor der breiten Masse der Anleger an der Börse entsprechend positionieren können - ein kaum zu unterschätzender Vorteil. Dieser soll ihnen hochgerechnet pro Jahr 20 Millionen Dollar Gewinn eingebracht haben.

Der EZB-Studie zufolge sollen gleich bei sieben von 21 volkswirtschaftlichen Indikatoren ernstzunehmende Daten-Lecks klaffen. Durch diese Lecks seien Informationen verfrüht an bestimmte Investoren geflossen.

Diesen Schluss legten statistisch auffällige Kursbewegungen von Aktien- und Renten-Futures zumindest nahe: Immer wieder hätten die Kurse vor der offiziellen Bekanntgabe bestimmter volkswirtschaftlicher Daten getanzt. Es gäbe Hinweise auf "substantiell informiertes Handeln", heißt es in der Studie.

Genannt werden zum Beispiel die Zahlen zu abgeschlossenen und offenen Immobilientransaktionen seitens der nationalen Immobilienmakler-Vereinigung.

Aber wie kam die EZB zu diesem Befund?

Alexander Kurov, Alessio Sancetta, Georg Strasser und Marketa Halova Wolfe haben die Preisbewegungen des S&P 500-Index-Futures und der zehnjährigen Treasury-Futures untersucht. Genauer, die Bewegungen jeweils eine halbe Stunde vor Publikation von 21 Daten über den Zeitraum von Januar 2008 bis März 2014.

US-Verbrauchervertrauen: Ist die Uni Michigan selbst das Leck?

Den USA scheinen diese Erkenntnisse nicht gänzlich neu zu sein. Erst vergangene Woche haben interne Aufseher die Verantwortlichen der US-Notenbank für deren Handhabung von marktsensiblen Informationen getadelt, so "fonds professionell". 

New Yorks General-Staatsanwalt Eric Schneiderman macht nun Druck auf die Universität von Michigan, die den Index zum US-Verbrauchervertrauen kalkuliert - und offenbar einzelnen Investoren gegen Geld vorab immer wieder Details über die Umfrage hat zukommen lassen.

Jetzt will man in Übersee wohl Nägel mit Köpfen machen und untersucht die Veröffentlichungsmethoden ganz grundsätzlich. Vorbild könnte das Verfahren zur Bekanntgabe des amerikanischen Bruttoinlandsprodukts (BIP) sein. Diese Daten werden in einem gesicherten Raum verwahrt.

Das lakonische Statement der EZB aus der Studie: "Um die Fairness an den Finanzmärkten zu gewährleisten, müssen strikte Publikationsprozeduren für alle marktbewegenden Ankündigungen genutzt werden." Was auch für jene Ankündigungen gelte, die aus dem Privatsektor kommen.

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