Tödliche Explosion Raketeneinschlag in Polen überschattet G20-Gipfel

In dem polnischen Dorf Przewodów nahe der Grenze zur Ukraine ist eine Rakete eingeschlagen. Zwei Menschen starben. Olaf Scholz vermeidet eine Schuldzuweisung etwa Richtung Russland. Die Nato hält am Mittwoch eine Dringlichkeitssitzung ab.
Einschlag einer Rakete nahe der Grenze zur Ukraine: Der polnische Präsident Andrzej Duda spricht von einem einmaligen Vorfall

Einschlag einer Rakete nahe der Grenze zur Ukraine: Der polnische Präsident Andrzej Duda spricht von einem einmaligen Vorfall

Foto: Alik Keplicz/ AP/dpa

Der Einschlag einer Rakete im polnischen Grenzgebiet zur Ukraine am Dienstagnachmittag, bei der zwei Menschen starben, überschattet die Abschlussberatungen auf dem G20-Gipfel in Indonesien. Sowohl US-Präsident Joe Biden (79) als auch Kanzler Olaf Scholz (64) vermieden eine Schuldzuweisung etwa Richtung Russland.

Biden betonte stattdessen, dass es eher "unwahrscheinlich" sei, dass die Rakete aus Russland abgefeuert worden sei. Die Nachrichtenagentur AP meldete am Mittwoch unter Berufung auf US-Vertreter, dass es sich nach ersten Erkenntnissen um eine Rakete handle, die vom ukrainischen Militär offenbar zur Abwehr einer russischen Rakete abgefeuert worden sei.

Die beim G20-Treffen auf Bali versammelten Staats- und Regierungschefs der Nato- und G7-Länder kamen zu Sondertreffen zusammen, um über die Konsequenzen zu beraten. In einer gemeinsamen Erklärung sicherten sie dabei dem Nato-Land Polen volle Unterstützung zu und fordern ein Ende der russischen Angriffe auf die Ukraine.

Die Nato hat für Mittwoch eine Dringlichkeitssitzung auf Ebene der Botschafter einberufen. Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg (63) werde die Beratungen der Nato-Botschafter leiten, "um diesen tragischen Vorfall zu besprechen", sagte Nato-Sprecherin Oana Lungescu am späten Dienstagabend.

Der polnische Präsident Andrzej Duda (50) hatte nach dem Einschlag einer Rakete nahe der Grenze zur Ukraine von einem einmaligen Vorfall gesprochen aus und dazu aufgerufen, Ruhe zu bewahren. "Wir haben im Moment keine schlüssigen Beweise dafür, wer diese Rakete abgefeuert hat", sagte er. "Es war höchstwahrscheinlich eine Rakete aus russischer Produktion", hatte er gesagt. Die Untersuchungen liefen.#

"Wir haben im Moment keine schlüssigen Beweise dafür, wer diese Rakete abgefeuert hat"

Polens Präsident Andrzej Duda

Zuvor hatte das polnische Außenministerium den Einschlag einer Rakete aus russischer Produktion in dem Nato-Land bestätigt. Diese sei am Dienstag um 15:40 Uhr (Ortszeit) in dem Dorf Przewodow niedergegangen, teilte das Ministerium mit. Duda erklärte, dass Polen am Mittwoch an der Sitzung des Nordatlantikrats im Nato-Hauptquartier teilnehmen werde. "Es ist sehr wahrscheinlich, dass der Botschafter die Aktivierung von Artikel 4 oder Konsultationen der Alliierten beantragen wird", sagte er. Artikel 4 sieht Beratungen vor, wenn ein Mitgliedsland sich bedroht sieht.

Scholz vermeidet Schuldzuweisung

Biden sprach davon, dass es vorläufige Informationen gebe, die dagegen sprächen, dass die Rakete von Russland aus abgefeuert worden sei. "Angesichts der Flugbahn ist es unwahrscheinlich, dass sie von Russland abgefeuert wurde, aber wir werden sehen", sagte er. Die USA und die Nato-Länder würden den Vorfall vollständig untersuchen, bevor sie handelten. "Das ist ein schrecklicher Vorfall, und es ist jetzt notwendig, dass sorgfältig aufgeklärt wird, wie es dazu gekommen ist, dass diese Zerstörungen dort angerichtet werden konnten", sagte Scholz. Auch er vermied eine Schuldzuweisung.

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj (44) erklärte, es habe sich um russische Raketen gehandelt. Damit eskaliere die Lage und es müsse eine Reaktion geben. Die Ukraine habe seit Langem davor gewarnt, dass sich die russischen Aktionen nicht auf die Ukraine beschränken würden.

Polen selbst erklärte nach einer Dringlichkeitssitzung seines nationalen Sicherheitsrats, man versetze das Militär in erhöhte Bereitschaft. "Wir haben beschlossen, die Kampfbereitschaft ausgewählter Einheiten der polnischen Streitkräfte zu erhöhen, mit besonderem Schwerpunkt auf der Überwachung des Luftraums", sagte Ministerpräsident Mateusz Morawiecki (54).

mje/ Reuters/ dpa
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