Montag, 17. Februar 2020

Europas Schuldenkrise Das Banken-Länder-Domino

Banken in Frankfurt am Main: Vor allem deutsche Banken sollen die europäische Schuldenkrise mit ausgelöst haben, urteilt eine Studie

Wer ist verantwortlich für Europas Schuldenkrise: gierige Banker oder verschwenderische Regierungen? Eine Studie fällt ein überraschendes Urteil: Vor allem deutsche Banken haben die Krise mit ausgelöst.

Frankfurt am Main - Es ist die klassische Kettenreaktion: Als 2007 in den USA die Blase am Immobilienmarkt platzt, geraten auf der anderen Seite des Atlantiks plötzlich die Banken in Not, allen voran deutsche, aber auch schweizer oder französische Institute. Sie haben massenhaft Wertpapiere gekauft, denen wiederum faule "Subprime"-Darlehen zugrunde liegen, die von ihren Kreditnehmern - Amerikanern aus der Unter- und Mittelschicht - plötzlich nicht mehr bedient werden.

Renditegier und der Mangel an gut verzinsten Anlagen in der Heimat hatte die Europäer einst über den Großen Teich getrieben. Viele deutsche Landesbanken sind dabei, auch die Düsseldorfer Mittelstandsbank IKB Börsen-Chart zeigen. Vor allem die Landesbanken haben sich damals in einer Art Torschlusspanik mit Kapital vollgesogen, weil sie wissen, dass ab Sommer 2005 die Ausfallgarantie des deutschen Staates für diese Papiere wegfällt.

Mit vollen Taschen sind sie ins Kasino gegangen, doch jetzt müssen sie die Zeche für ihre Abenteuer in Übersee zahlen: Die Giftpapiere reißen Milliardenlöcher in ihre Bilanzen und zehren das Eigenkapital auf, das Einspringen des Staates verhindert den Systemzusammenbruch in letzter Minute.

IMK: Kreditgeber der Südstaaten treten auf die Bremse

Doch die eigentlichen Leidtragenden des Desasters sind nicht die deutschen Steuerzahler. Sondern jene Länder, die kurze Zeit später unter der wenig schmeichelhaften Abkürzung "Piigs" für Schlagzeilen sorgen werden: Portugal, Irland, Italien, Griechenland und Spanien. Zu diesem Schluss jedenfalls kommt das Institut für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung. In einer aktuellen Analyse zeichnen die Forscher nach, wie die Immobilienkrise vom Mittleren Westen der USA nach Europa schwappte und hier beinahe den Währungsraum gesprengt hätte.

Der Zusammenhang ist im Prinzip simpel: Bis zum Ausbruch der Krise waren französische und deutsche Banken die wichtigsten Kreditgeber gegenüber Regierungen und Banken der Piigs-Länder, heißt es in der Studie. So hielten Mitte 2008 französische und deutsche Geldhäuser 60 Prozent aller ausländischen Bankforderungen gegenüber Italien. In Spanien betrug ihr Anteil 45 Prozent, in Griechenland 42 Prozent, in Irland 37 Prozent und in Portugal 33 Prozent.

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