Zinspolitik der EZB Draghi will "geduldig" sein, Euro auf 11-Monats-Tief

EZB-Chef Mario Draghi: Nur nichts überstürzen - die Forward Guidance bis Sommer 2019 lautet null Prozent

EZB-Chef Mario Draghi: Nur nichts überstürzen - die Forward Guidance bis Sommer 2019 lautet null Prozent

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Die Europäische Zentralbank (EZB) wird trotz einer absehbar weniger lockeren Geldpolitik nichts überstürzen, wenn es um die erste Zinsanhebung im Euroraum seit Jahren geht. Die Notenbank werde bei der Bestimmung des Zeitpunkts für die erste Zinsanhebung geduldig vorgehen, sagte EZB-Präsident Mario Draghi am Dienstag in seiner Eröffnungsrede zur EZB-Konferenz im portugiesischen Sintra.

Die daran anschließende geldpolitische Straffung werde graduell erfolgen, ergänzte Draghi. Der Euro (Kurswerte anzeigen) reagierte auf die Äußerungen mit weiteren Verlusten und fiel bis auf 1,1531 US-Dollar. Das ist der tiefste Stand zum Dollar seit 11 Monaten.

Die EZB hatte vergangene Woche ein Ende ihrer billionenschweren Wertpapierkäufe für Ende des Jahres in Aussicht gestellt. Nach der Einstellung der Käufe werde das Hauptinstrument zur Verdeutlichung der geldpolitischen Haltung der EZB der Leitzinspfad, also die absehbare Entwicklung der Leitzinsen sein, sagte Draghi.

Zusammen mit der Entscheidung über das Kaufprogramm hatte die EZB vergangenen Donnerstag versichert, ihre Leitzinsen mindestens bis Ende des Sommers 2019 nicht anzutasten. Solche Zinsversprechen werden als "Forward Guidance" bezeichnet.

Protektionismus als wachsendes Risiko für die Weltwirtschaft

Finnlands Notenbankchef Erkki Liikanen hob unterdessen in Helsinki die hohe Bedeutung der konjunkturellen Entwicklung für die Zinsentwicklung hervor. "Das Timing ist wichtig, aber auch, dass die Zukunft von den Wirtschaftsdaten abhängt", unterstrich Liikanen. Deshalb sei es durchaus denkbar, dass die EZB ihre Leitzinsen auch nach dem Sommer 2019 auf dem aktuellen Niveau belasse, soweit dies zur Stützung der Wirtschaft nötig sein sollte.

Draghi nannte in Sintra drei wesentliche Risiken für die wirtschaftliche Entwicklung: den sich ausbreitenden Handelsprotektionismus, steigende Ölpreise und verstärkte Schwankungen an den internationalen Finanzmärkten. Die Warnung Draghis vor Protektionismus spielt nicht zuletzt auf den eskalierenden Handelskonflikt zwischen den USA und China an.

Unterdessen könnte das Ölkartell Opec an diesem Freitag sein Rohölangebot etwas ausweiten und damit Preisauftrieb aus dem Ölmarkt nehmen. Wegen Meinungsverschiedenheiten innerhalb des Kartells scheint aber allenfalls eine moderate Fördererhöhung möglich

la/dpa-afx