Montag, 9. Dezember 2019

Nach Einschränkungen in den USA Indische Regierung verbietet Verkauf von E-Zigaretten

Raucher mit E-Zigarette: Besonders für junge Menschen ein zunehmendes Gesundheitsrisiko
Robert F. Bukaty / AP
Raucher mit E-Zigarette: Besonders für junge Menschen ein zunehmendes Gesundheitsrisiko

Die indische Regierung hat den Verkauf, die Produktion, den Import und die Bewerbung von E-Zigaretten verboten. E-Zigaretten würden besonders für junge Menschen zunehmend ein Gesundheitsrisiko darstellen, erklärte die indische Finanzministerin Nirmala Sitharaman in Neu Delhi. "Berichten zufolge gibt es einige Leute, die wahrscheinlich damit anfangen, weil E-Zigaretten als cool erscheinen", sagte die Ministerin. Auch würden Daten aus den USA zeigen, dass E-Zigaretten Rauchern nicht generell helfen würden, sich vom Tabak zu entwöhnen, wie dies Hersteller oft versprochen hätten.

Mit ihrer Entscheidung reagiere die Regierung vor allem auf die schädlichen Folgen des Konsums von E-Zigaretten für die Jugend, sagte die Ministerin. Die Regierung erklärte auf Twitter, sie erhoffe sich von dem Verbot eine Verbesserung der "allgemeinen Gesundheit". In Indien sterben jedes Jahr mehr als 900.000 Menschen an durch Tabakkonsum verursachten Krankheiten.

Wer gegen das Verbot verstößt, muss künftig mit einer Buße von umgerechnet rund 1271 Euro oder bis zu einem Jahr Gefängnisstrafe rechnen. Wer mehrfach gegen das Verbot verstößt, kann mit einer Geldstrafe von rund 6351 Euro und bis zu drei Jahren Gefängnis rechnen.

Aktien von Tabakkonzernen reagieren mit Verlusten

Auch mehrere Bauernvereinigungen in Indien hatten ein Verbot von E-Zigaretten gefordert. Allerdings aus einem anderen Grund: Indien ist eines der größten Produktionsländern von Tabak und in E-Zigaretten gibt es keinen Tabak.

Mit 106 Millionen Rauchern ist Indien auch ein wichtiger Absatzmarkt für Tabakkonzerne. Die Aktien der Unternehmen reagierten daher auch mit Kursverlusten auf das Verbot. Papiere von Philip Morris geben ein halbes Prozent nach. Die Titel des Altria-Konzerns, der an der Marke Juul beteiligt ist, fielen um 0,7 Prozent.

Zwei US-Staaten haben E-Zigaretten mit Aromastoffen verboten

Bereits am Dienstag hatte New York als zweiter US-Bundesstaat nach Michigan ein Verbot von E-Zigaretten mit Aromastoffen verhängt, das allerdings solche mit Menthol- oder Tabakgeschmack ausspart. Ein entsprechendes "Notfall"-Gesetz von Gouverneur Andrew Cuomo wurde am Dienstag vom zuständigen Rat für öffentliche Gesundheit und Gesundheitsvorsorge gebilligt. Es tritt damit sofort in Kraft.

Es sei unbestritten, dass Hersteller von E-Zigaretten "bewusst Aromen wie Kaugummi, Zuckerwatte oder Captain Crunch nutzen, um junge Menschen süchtig zu machen", erklärte Cuomo. "Das ist eine Gesundheitskrise, und sie endet heute." Das Verbot schütze "unzählige junge Leute davor, teure, ungesunde und potenziell lebensbedrohende Gewohnheiten zu entwickeln, die ein Leben lang anhalten".

Auch die US-Regierung plant nach eigenen Angaben ein landesweites Verbot von E-Zigaretten mit Aromastoffen. Die US-Gesundheitsbehörden sind alarmiert über eine Welle von schweren Lungenerkrankungen, bei denen ein Zusammenhang mit E-Zigaretten vermutet wird. Mehr als 450 Fälle sind bislang bekannt, sechs der betroffenen Patienten starben. Viele der Erkrankten sind junge Leute.

Die großen Tabakkonzerne haben E-Zigaretten in den vergangenen Jahren auf der Suche nach neuen Kunden aggressiv beworben: Nach ihren Angaben sind diese Produkte deutlich weniger gefährlich als traditionelle Zigaretten und können Rauchern dabei helfen, komplett auf "sicherere" Alternativen umzusteigen.


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Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) bergen die batteriebetriebenen Geräte, bei denen mit Nikotin versehene Flüssigkeiten verdampft werden, aber durchaus Gesundheitsrisiken für die Konsumenten. Sie fordert deshalb deren Regulierung. Kritiker befürchten vor allem, dass sie Jugendliche an den Tabakkonsum heranführen.

mg/AFP, dpa-afx, rtr

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