Mittwoch, 11. Dezember 2019

Statt "Grexit" Wie Hellas den Weg aus den Schulden findet

Syriza-Chef Alexis Tsipras: Auf dem Weg zu Verhandlungen?

2. Teil: Brüsseler Denkfabrik schlägt niedrigere Zinsen und längere Laufzeit vor

Zsolt Darvas und Pia Hüttl von der Brüsseler Denkfabrik Bruegel diskutieren gleich sieben Einzelschritte, die den bereits eingeschlagenen Weg fortsetzen: Die Schuldenlast wird erleichtert, indem Griechenland geringere Zinsen zahlen muss oder die Laufzeit der Kredite gestreckt wird, ohne aber den Nennwert der Schulden zu senken. So können die Euro-Staaten Hilfe gewähren, müssen aber keine Verluste verbuchen. Das dürfte in etwa der Verhandlungsposition der EU entsprechen.

Allerdings ist dieses Potenzial schon zum Großteil ausgereizt. Zuletzt machte die Nachricht Schlagzeilen, dass die durchschnittliche Verzinsung der griechischen Staatsschulden - die bereits nahezu komplett restrukturiert wurden - sogar geringer sei als die der deutschen, wozu auch zu deutlich höheren Zinsen als dem aktuellen Marktzins aufgenommene alte Anleihen zählen.

Darvas und Hüttl schätzen, dass die konventionellen Optionen die griechische Schuldenlast um etwa 17 Prozent des Bruttoinlandsprodukts senken könnten - also noch nicht einmal ein Zehntel der bestehenden Verbindlichkeiten. Weder bekäme der Staat bedeutenden Freiraum, um die Konjunktur zu stützen, noch die Investoren Vertrauen, dass Griechenland seine Schulden dauerhaft bedienen kann.

Zumindest ließe sich das Problem damit etwas aufschieben, um den kritischen Punkten Ende Februar (wenn das bisherige Abkommen der EU/EZB/IWF-Troika mit Griechenland ausläuft) und im Sommer (wenn ein Teil der Kredite fällig wird, insgesamt muss das Land in diesem Jahr 20 Milliarden Euro zahlen) den Schrecken zu nehmen.

Nicht beziffert haben Darvas und Hüttl den Nutzen der kreativeren Maßnahmen auf ihrer Liste. Dazu zählt ein Vorgriff auf mögliche zukünftige Privatisierungserlöse mit Hilfe eines europäischen Fonds, was für eine Syriza-Regierung allerdings kaum eine Option wäre. Die übrigen Vorschläge könnten etwas bringen - wenn der Vorbehalt gestrichen wird, dass die Gläubiger keine Verluste erleiden dürfen. Einer davon erhält prominente Unterstützung aus Deutschland ...

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