Drastisch steigende Preise Ukraine nimmt G7 bei Getreidekrise in die Pflicht

Der Krieg in der Ukraine treibt die Getreidepreise so stark nach oben wie seit elf Jahren nicht mehr. Die Ukraine fordert die G7-Industrieländer nun auf, das Land bei der Suche nach alternativen Transportwegen für ukrainisches Getreide zu unterstützen.
Roggenernte: Die Preissteigerungen betreffen alle Getreidearten

Roggenernte: Die Preissteigerungen betreffen alle Getreidearten

Foto: Patrick Pleul / dpa

Die Einfuhrpreise für Getreide legten im März um 53,6 Prozent zum Vorjahresmonat zu, wie das Statistische Bundesamt am Freitag mitteilte. "Eine höhere Veränderungsrate hatte es zuletzt im Mai 2011 gegeben", hieß es dazu. Damals betrug das Plus sogar 74 Prozent, als es unter anderem wetterbedingt Ernteausfälle gab. Die Steigerungen ziehen sich durch alle Getreidearten: Weizen etwa kostete 65,3 Prozent mehr als ein Jahr zuvor, Gerste, Roggen, Hafer ebenfalls. Mais verteuerte sich mit 37,4 Prozent nicht ganz so stark.

"Die Preise für importiertes Getreide haben sich allerdings bereits vor dem Ukraine-Krieg deutlich verteuert", erklärten die Statistiker. Seit Januar 2021 lag der Aufschlag demnach durchweg im zweistelligen Bereich. "Die Gründe für den Preisanstieg sind vielfältig: eine hohe weltweite Nachfrage und ein verknapptes Angebot aufgrund schlechter Wetterbedingungen in wichtigen Anbauländern wie den USA, Kanada, Australien oder Südamerika, hohe Düngemittelpreise und steigende Transport- und Energiekosten", so das Bundesamt. "Der Ukraine-Krieg hat den Preisanstieg noch zusätzlich verstärkt."

So stecken in der Ukraine nach Angaben der UN-Organisation für Ernährung und Landwirtschaft (FAO) knapp 25 Millionen Tonnen Getreide fest. "Es ist eine nahezu groteske Situation, die wir im Moment in der Ukraine sehen", sagte FAO-Experte Josef Schmidhuber. Die Getreidemenge könne eigentlich exportiert werde, "kann aber das Land nicht verlassen, einfach wegen der fehlenden Infrastruktur und der Blockade der Häfen".

2021 wurden mehr als elf Millionen Tonnen Getreide im Wert von 3,2 Milliarden Euro nach Deutschland importiert – davon kamen allerdings nur zwei Prozent aus der Ukraine und Russland. Wichtigstes Importgut beim Getreide ist demnach Weizen: Mit einer Importmenge von 3,9 Millionen Tonnen macht er mehr als ein Drittel der Getreideimporte aus. Tschechien, Polen und Frankreich waren 2021 die Hauptherkunftsländer von Weizen. 70,7 Prozent kamen aus diesen Ländern. Mais ist mit einem Anteil von 26,0 Prozent an den Importen zweitwichtigste Getreideart, gefolgt von Gerste mit 13,4 Prozent.

"Hafen von Odessa muss gesichert werden"

Die kriegserschütterte Ukraine nimmt Deutschland, die USA und die übrigen führenden Industrienationen der G7 derweil bei der strategisch wichtigen Getreideausfuhr dauerhaft in die Pflicht. "Viele Länder müssen sich engagieren", forderte der ukrainische Agrarminister Mykola Solskyj in Stuttgart beim Treffen mit seinen Amtskollegen der G7-Runde. Im Alleingang sei diese Aufgabe unlösbar. Die Lage ist heikel, denn die meisten Seehäfen des Krisenlandes sind blockiert.

Bundeslandwirtschaftsminister Cem Özdemir (Grüne) sicherte als Gastgeber des zweitägigen Treffens Unterstützung der G7-Gruppe zu. Es gehe vor allem darum, alternative Transportwege für ukrainisches Getreide auszuloten. Er nannte den Landweg, die Schiene oder die Donau. "Der Hafen von Odessa muss gesichert werden, er darf nicht fallen."

Auch Außenministerin Annalena Baerbock (Grüne) hat eine konzertierte Antwort der G7-Gruppe auf die weltweiten Folgen des russischen Angriffskriegs in der Ukraine wie die sich abzeichnende Ernährungskrise angekündigt. "Wir haben deutlich gemacht, dass wir nicht nur mit der Ukraine solidarisch sind, sondern auch mit Moldawien", sagte die Politikerin am Freitag nach einem Treffen der G7-Minister mit ihren Amtskollegen aus der Ukraine und Moldau, Dmytro Kuleba und Nico Popescu, nahe dem Weißenhäuser Strand an der Ostsee.

Deutschland hat in der Runde der G7 zurzeit den Vorsitz. Der Gruppe gehören neben der Bundesrepublik die USA, Kanada, Frankreich, Großbritannien, Italien und Japan an.

hr/Reuters, dpa-afx