Einsichten aus Trump-Werk "The Art of the Deal" Was das "zweitbeste Buch nach der Bibel" über Trump verrät

US-Präsident Donald Trump: Bereits vor 30 Jahren war er Medienprofi, wie sein Buch "The Art Of The Deal" zeigt

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Einer der größten Business-Bestseller aller Zeiten sei es, tönt der neue US-Präsident Donald Trump gerne über dieses Werk. Überhaupt sei es das zweitbeste Buch nach der Bibel, wie er vor einem Jahr bei einer Wahlkampfveranstaltung  verriet. Die Rede ist natürlich von "The Art Of The Deal", jenem 367-Seiten-Buch, das Trump im Jahr 1987 mit üppiger Ghostwriting-Hilfe des Journalisten Tony Schwartz publizierte. S

chwartz bereut seine Mitwirkung an dem Werk längst . Denn es hat viel dazu beigetragen, das mythische Bild von Trump als charmant-dreisten, erfolgreichen Geschäftsmann zu schaffen.

Dabei, so erklärte Trumps Ghostwriter gegenüber dem Magazin "The New Yorker" , sei Trumps Persönlichkeit sein größtes Handicap. Pathologisch impulsiv und selbstbezogen sei der Immobilienunternehmer, meinte Schwartz vor einem halben Jahr - und damit als US-Präsident nicht unbedingt die Idealbesetzung.

Nun ist Trump als 45. Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika vereidigt. Seit Wochen fragt sich die Welt, was sie politisch erwarten kann von einem 70-jährigen Immobilienunternehmer, der den pompös-pöbeligen Auftritt liebt. Der traditionelle Medien verachtet und sie gleichzeitig perfekt bedient. Der aus reichem Elternhaus kommt, den Abschluss einer Eliteuniversität in der Tasche hat, und dennoch als Gegenkandidat zum Establishment punkten konnte.

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Wie sich diese scheinbaren Gegensätze vereinen lassen, das lässt sich nun 30 Jahre alten Trump-Werk durchaus herauslesen. Die Kunst der Selbstvermarktung beherrscht Trump jedenfalls nicht erst seit kurzem - sondern seit Jahrzehnten. Und er ist seinen Markenzeichen augenscheinlich treu geblieben. Denn der Einband des Werkes ist ganz in schwarz mit goldener Schrift gehalten. Genau diese Farbgebung findet sich auch in vielen Trump-Bauwerken der späteren Jahre wieder.

Binsen-Donald: "Hör auf Dein Bauchgefühl"

Einfach zu lesen ist das Buch, das wir uns in der englischen Originalausgabe besorgt haben, nicht gerade. An den kurzen Sätzen liegt das nicht - sondern am selbstherrlichen Inhalt der ersten Seiten.

Er mache es nicht wegen des Geldes, erklärt Trump gleich zu Anfang. Geld habe er schließlich schon mehr als genug. "Deals sind meine Kunstform", eröffnet Trump auf der ersten Seite. "Ich mag es, Geschäfte zu machen, am liebsten große Deals. Das macht mir so richtig Spaß."

Eine Art Deal-Junkie ist Trump also, wie auch die nächsten Seiten zeigen. Sie sind eine Art Tagebuch einer Trump-Arbeitswoche. Im Detail beschreibt Trump darin, wer aller bei ihm anruft, mit wem er sich trifft, wem er mit welcher Begründung absagt.

Es sind natürlich nur mächtige, wichtige und herausragende Menschen, mit denen sich Trump abgibt. Und er hat auch ein paar Binsen parat: "Manchmal zahlt es sich aus, ein wenig wild zu sein", schreibt er etwa an einer Stelle. "Ich versuche immer die besten Talente anzustellen, wo immer ich sie finden kann".

Reichlich dünn verpackt ist auch sein Selbstlob, als er etwa über seinen Sohn Donny schreibt. "Wahrscheinlich hat er meine Gene. Das Kind kann einfach kein Nein als Antwort akzeptieren".

Doch er lässt gleich zu Anfang auch auf ein paar seiner ehernen Geschäftsprinzipien blicken. "Hör auf Dein Bauchgefühl, egal wie gut etwas auf dem Papier auch aussehen mag", schreibt er an einer Stelle.

Sein Verhältnis zu den Medien beschreibt er so: Anders als oft beschrieben genieße er es zwar nicht, sich mit Presseleuten zusammenzusetzen. Eine Million Mal sei er jetzt die selben Fragen gefragt worden. Auch spreche er nicht allzu gerne über sein Privatleben. Allerdings: "Ich verstehe, dass Presseberichte sehr hilfreich sein können, um Geschäfte zu machen. Und es macht mir nichts aus, über sie zu sprechen."

"Wenn man zu denken anfängt, kann man das gleich groß machen"

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Gleich im zweiten Kapitel widmet sich Trump der Frage nach den grundlegenden Elementen - eines Deals, natürlich. Geschäftemachen sei eine Eigenschaft, mit der man geboren werde, meint Trump. Dafür brauche zwar eine gewisse Intelligenz, aber vor allem Instinkte. Groß denken müsse man dabei. "Für mich ist es ganz einfach: Wenn man ohnedies zu denken anfängt, kann man das gleich groß machen", so Trump.

Und dann kommen eine ganze Reihe von Trump-Tipps, die aus heutiger Sicht nicht gerade tiefschürfend klingen. Etwa der Tipp, sich immer am schlechtestmöglichen Szenario zu orientieren. "Ich gehe immer in einen Deal, indem ich das Schlechteste antizipiere. Wenn Sie mit dem schlechtesten Resultat leben können, wird sich das bessere Ergebnis immer von selbst einstellen". Werbung müsse man für seine Produkte machen, sonst bekomme es niemand mit. Und zurückschlagen. "Wenn mich Leute schlecht oder unfair behandeln oder versuchen mich auszunutzen, war es mein ganzes Leben lang mein Prinzip, sehr hart zurückzuschlagen."

Exakt 19 Seiten widmet Trump diesen Prinzipien - und dann schreibt der damals 40-Jährige schon seine Memoiren. Von seinem Vater, Fred Trump, habe er eine Menge gelernt. Sein MBA-Abschluss an der Wharton School of Economics, an der laut Trump damals nur "die Besten" gingen, bescherte ihm eine wichtige Erkenntnis: Nicht zu sehr beeindruckt zu sein von akademischen Qualifikationen. Da gab es "nichts besonders Überwältigendes oder Außergewöhnliches an meinen Klassenkollegen, ich konnte mit ihnen bestens mithalten". Kapitelweise widmet sich Trump dann seinen damaligen größten Erfolgen als Immobilienentwickler, mit einer genauen Erzählung der wichtigsten involvierten Personen und Hintergründe.

Mit dem Abstand mehrerer Jahrzehnte liest sich das sturzlangweilig, ziemlich angeberisch und verführt dazu, immer schneller weiterzublättern. Doch da kommt dann auch nichts mehr außer Erzählungen eines von sich selbst sehr eingenommenen Unternehmers. Eine Verdichtung, eine Art Best Of seiner Lebenslektionen am Buchende: Fehlanzeige. Statt dessen folgt eine Art Nachbehandlung seines Tagebuchs am Anfang, wo er verrät, wie die einzelnen Deals ausgingen.

Der bestens vernetzte Anti-Establishment-Kämpfer

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Allgemeingültiges über die Elemente eines guten und jene eines schlechten Deals, Warnzeichen, die er beim Geschäftemachen beachten sollte: Daran versucht sich Donald Trump erst gar nicht. "Die Kunst des Deals", die lässt sich aus dem Trump-Buch jedenfalls kaum herleiten. Doch durch die Lektüre erkennt man immerhin, dass Trump bestens vernetzt ist und schon vor 30 Jahren New Yorks Mächtigen-Elite, hochrangige Wall Street Banker und gewiefte Anwälte persönlich kannte. Anti-Establishment ist das nicht.

Trump schätzt offenbar Familienbande sehr hoch ein. Er ist rücksichtslos, denn ein guter Deal ist für ihn einer, bei dem ein anderer kräftig draufzahlt. Er weiß exakt, wie er mit Medienvertretern umgehen muss, um ihnen eine brauchbare Story zu liefern. Er kann offenbar sehr charmant sein. Er vertraut lieber auf sein Bauchgefühl als auf Marktstudien. Er hält sich nicht mit Details auf, sondern setzt lieber ganz oben an. Ihn interessieren vor allem Dinge, die er mit dem Label "Das Größte" in einem Segment belegen kann. Er hat zwar bei seinen Geschäften ein bestimmtes Ziel vor Augen. Doch er ist flexibel genug, sich den Gegebenheiten anzupassen. Und das Ergebnis am Ende anders zu verpacken, um es doch noch als Trump-Erfolg mit Superlativ zu verkaufen.

Neu sind diese Erkenntnisse nicht, schließlich hat der US-Wahlkampf zahlreiche Schattenseiten von Trump beleuchtet. Dass sie sich bereits vor 30 Jahren so deutlich abzeichneten, erstaunt dann doch etwas. Immerhin gibt es auch Lichtblicke darin. Trump ist zwar selbstgefällig, doch er bei seinen Geschäften ist er auch pragmatisch. Er scheut sich zwar nicht zu provozieren und juristisch zu klagen. Doch er verbeißt sich offenbar nicht in Geschäfte, sondern macht auch mal einen Rückzieher.

Ist "The Art Of The Deal" nun jenes Epochalwerk unter den Wirtschaftsbüchern, das man gelesen haben sollte? Wohl eher nicht. Denn allzu viele allgemeingültige und tiefschürfende Erkenntnisse über die Kunst des erfolgreichen Geschäftemachens hält es nicht parat. Stattdessen ist es stellenweise schaurig in seiner Selbstbezogenheit und Eitelkeit. Ein Zeitdokument ist es allemal - und als Einstimmung auf den neuen US-Präsidenten eignet es sich durchaus.

Verrät es viel darüber, wie der Mensch Donald Trump wirklich tickt? Auch das ist eher zweifelhaft. Denn wenn die Angaben in dem Buch so stimmen, ist Trump sehr gewieft dabei, sich selbst zu inszenieren. Er hat seine Markenzeichen, seinen goldgeränderten Luxus-Lebensstil und seine provozierende Art, früh festgelegt. Er hat daran Jahrzehnte festgehalten. Ob er sich privat so verhält wie bei seinen öffentlichen Auftritten - das lässt sich auch nach der Lektüre seines Buches nicht sagen.