Bekannter US-Virologe empört Trump-Wahlkämpfer missbrauchen Fauci-Zitat

Anthony Fauci lobt in einem Wahlclip offenbar Trumps Corona-Strategie. Doch der Virusexperte widerspricht entschieden, ist über diese Manipulation empört.
Donald Trump und Anthony Fauci im März dieses Jahres

Donald Trump und Anthony Fauci im März dieses Jahres

Foto: TOM BRENNER/ REUTERS

Der US-Seuchenexperte Anthony Fauci (79) gilt als einer der prominentesten Experten in der Corona-Krise und geniest trotz wiederkehrender Kritik von US-Präsident Donald Trump (74) in der Bevölkerung einen exzellenten Ruf in den USA. Nun hat er sich verärgert über einen Werbespot des Wahlkampfteams des US-Präsidenten gezeigt.

Der Regierungsberater erhob am Sonntag den Vorwurf, in dem Clip in irreführender Weise zum Kampf gegen die Corona-Pandemie zitiert zu werden. In den fast fünf Jahrzehnten seines Dienstes an der Allgemeinheit habe er noch nie einen politischen Kandidaten "öffentlich unterstützt". Der 30 Sekunden lange Spot enthält eine Aufnahme von Fauci, in der dieser sagt, er könne sich nicht vorstellen, dass "jemand mehr tun könnte". Im Kontext des Werbespots erweckt dies den Eindruck, als würde sich der Mediziner mit seiner Aussage auf Trump beziehen.

Aus dem vollständigen Zitat geht jedoch eindeutig hervor, dass dies nicht der Fall ist. Es lautet: "Ich befinde mich praktisch jeden Tag bei der Taskforce im Weißen Haus. Es ist jeder einzelne Tag. Also kann ich mir nicht vorstellen, dass unter irgendwelchen Umständen jemand mehr tun könnte."

Fauci zeigte sich verärgert, dass seine Aussagen ohne seine Genehmigung von Trumps Kampagnenteam verwendet sowie "aus dem Kontext" gerissen worden seien. Diese mehrere Monate alten Kommentare hätten sich auf die Anstrengungen von Mitarbeitern des öffentlichen Gesundheitswesens bezogen.

Trump weist Kritik des bekannten Virologen zurück

Trump wies die Kritik seines Beraters an dem Spot zurück. Es handle sich "in der Tat um Dr. Faucis eigene Worte", schrieb der Präsident im Internetdienst Twitter. Seine Regierung habe einen "phänomenalen Job" im Kampf gegen die Pandemie geleistet, wie die Gouverneure mehrerer US-Bundesstaaten bestätigten, fügte Trump hinzu.

Fauci und der Präsident haben in den vergangenen Monaten immer wieder über Kreuz gelegen. Der Immunologe hat sich nicht gescheut, irreführende Äußerungen Trumps zu der Pandemie richtigzustellen. Damit zog er sich den Unmut des Präsidenten zu, der die Bedrohung durch das Coronavirus immer wieder kleinzureden versucht hat. In dem jetzt von Fauci beanstandeten Clip geht es unter anderem um Trumps persönliche Erfahrungen mit dem neuartigen Erreger: "Präsident Trump erholt sich von dem Coronavirus, und ebenso tut dies Amerika", heißt es darin.

Nach der Zwangspause wegen seiner Coronavirus-Erkrankung will Trump in den kommenden Tagen seinen Wahlkampf in wichtigen Bundesstaaten fortsetzen. Erstmals seit seiner Corona-Infektion hat US-Präsident Trump am Samstag wieder vor Anhängern gesprochen. Zugleich hatte er seine Entlassung aus dem Krankenhaus regelrecht inszeniert und auch via Twitter verbreitet, er "komplett gesund".

Twitter versieht Trump-Tweet über seine Gesundheit mit Warnhinweis

Twitter selbst versah jetzt einen Eintrag des US-Präsidenten über seine Gesundheit mit einem Warnhinweis. "Gestern vollständige und komplette Entwarnung von den Ärzten des Weißen Hauses", hatte Trump am Sonntag über seine Ansteckung mit dem Coronavirus getwittert. "Das heißt, ich kann es nicht mehr bekommen (immun) und ich kann es nicht weitergeben. Sehr schön, das zu wissen."

Im Warnhinweis von Twitter heißt es, der Tweet verletzte die Regeln über die Verbreitung von irreführender und möglicherweise gefährlicher Informationen in Bezug zu Covid-19. In der Forschung ist unklar, wie lange von einer Ansteckung genesene Menschen Antikörper gegen das Virus haben und ob sie gegen eine zweite Infektion immun sind. 

rei/afp/dpa
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