Sonntag, 22. September 2019

Powell ist Feind, Xi ist Feind Handelsstreit eskaliert, Trump sieht nur noch "Feinde"

Trump, Fed-Chef Powell: Einer der beiden Präsidenten hat die Kontrolle verloren

Trump lässt die Börsen einbrechen: US-Präsident Donald Trump hat nach einer mit Spannung erwarteten Rede von US-Notenbank-Chef Jerome Powell seine Kritik am obersten Währungshüter der USA verschärft. "Meine einzige Frage lautet, wer ist unser größerer Feind, Jay Powel (sic) oder der Vorsitzende Xi?", twitterte Trump am Freitag unter Hinweis Chinas Präsident Xi Jinping, wobei er den Namen von Powell in seinem präsidialen Furor falsch schrieb. "Wie üblich tat die Fed NICHTS!"

Powell hatte kurz zuvor bei seinem Auftritt auf der Notenbank-Konferenz in Jackson Hole nur wenige Hinweise darauf, ob die Fed im September erneut ihre Zinsen senken wird. Er stellte zwar in Aussicht, dass die Notenbank angemessen handeln werde, um den US-Konjunkturaufschwung zu stützen. Trotz mehrerer Risiken sieht er die US-Wirtschaft aber weiterhin in einer "günstigen Position."

Börsen und Dollar tauchen ab

An den Börsen werden Anleger angesichts der immer wilderen Ausbrüche des Präsidenten zunehmend nervös. Dax, Dow Jones und auch der US-Dollar tauchten nach Trumps Tweet ab - die von China verkündeten Strafzölle hatten die Börsen noch vergleichsweise gelassen hingenommen, weil diese erwartet worden waren.

Die US-Wirtschaft habe sich alles in allem weiterhin gut entwickelt, sagte Powell in seiner Rede. Zwar hätten sich die Investitionen und die Industrieaktivitäten abgeschwächt. Eine solides Jobwachstum und steigende Löhne würden jedoch einen robusten Konsum antreiben und ein moderates Wachstum unterstützen. Powell kam auch auf mehrere ökonomische Risiken zu sprechen. Viele davon hingen mit den US-Handelskonflikten mit China und anderen Ländern zusammen, sagte er.

Fed in schwieriger Lage

Die Dollar-Wächter stecken momentan in einer schwierigen Lage. Trump setzt die politisch unabhängige Notenbank schon seit langem unter Druck, die Geldpolitik zu lockern. Der Schritt im Juli ging ihm nicht weit genug. Erst am Montag forderte er eine Zinssenkung um mindestens einen vollen Prozentpunkt. Am Finanzmarkt wird mittlerweile fest erwartet, dass die Fed auf ihrer Zinssitzung Mitte September und mindestens noch ein weiteres Mal in diesem Jahr die Zinsen nach unten setzt. Die Notenbank hatte Ende Juli erstmals seit der Finanzkrise vor mehr als zehn Jahren ihren Leitzins um einen Viertelpunkt auf jetzt 2,00 bis 2,25 Prozent gesenkt. Damit reagierte sie auf den Handelskonflikt mit China, der zusehends auf die Weltkonjunktur und die heimische Wirtschaft durchschlägt.

Uneinigkeit über weiteren Kurs

Noch vor Powells Rede äußerten sich weitere hochrangige US-Notenbanker anlässlich der Konferenz in Jackson Hole in Fernsehinterviews zur Geldpolitik. Nach Einschätzung des Präsidenten des Fed-Ablegers von St. Louis, James Bullard, wird die Fed im kommenden Monat intensiv über eine Zinssenkung um einen halben Prozentpunkt debattieren. "Ich denke, das wird auf den Tisch kommen", sagte Bullard dem Sender Bloomberg TV.

Seine Kollegin Loretta Mester, Chefin der Fed-Filiale von Cleveland, geht nach eigenen Worten ohne Festlegung in das nächste geldpolitische Treffen. "Derzeit, wenn die Wirtschaft sich weiter wie bisher entwickelt, würde ich wahrscheinlich sagen, dass wir die Dinge so lassen sollten wie sie sind." Aus Sicht des Präsidenten des Fed-Ablegers von Dallas, Robert Kaplan, ist es nicht die Geldpolitik, die die Wirtschaft derzeit belastet. "Das ist die Unsicherheit im Handel. Das ist in einem gewissen Ausmaß wahrscheinlich die Immigrationspolitik", sagte er Bloomberg TV. Bereits am Donnerstag hatte sich die Chefin der Notenbank von Kansas City, Esther George, dafür ausgesprochen, momentan nicht weiter an der Zinsschraube zu drehen.

Von Doina Chiacu und Howard Schneider, Reuters

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