Sonntag, 17. November 2019

Proteste bei Anhörungen US-Autoindustrie warnt Trump vor Strafzöllen

Hunderte Beschäftigte aus der Autoindustrie protestierten vor dem Weißen Haus in Washington während einer Anhörung zu geplanten Zöllen auf Autoimporte

Autohersteller, Autohändler, Verbandsvertreter, selbst US-Gewerkschafter haben bei einer Anhörung in Washington vor möglichen Strafzöllen auf importierte Autos gewarnt. Hunderttausende Jobs in den USA stünden dann auf der Kippe. Die US-Regierung versucht zu beruhigen, noch sei nichts entschieden.

20 bis 25 Prozent Zoll auf Autoimporte - damit droht derzeit US-Präsident Donald Trump und verunsichert die Weltwirtschaft. Bei einer Anhörung im US-Handelsministerium warnten am Donnerstag (Ortszeit) Vertreter der US-amerikanischen als auch der europäischen Autoindustrie die US-Regierung davor, den eingeschlagenen Kurs fortzusetzen.

US-Beschäftigte ausländischer Autokonzerne wiesen bei einer Demonstration ebenfalls auf Gefahren einer Abschottung hin. Diplomaten der EU, Kanadas und Mexikos kritisierten die Pläne scharf.

Der Präsident des Verbands der Automobilindustrie (VDA), Bernhard Mattes, betonte die Bedeutung deutscher Firmen für die amerikanische Wirtschaft. "Unsere Mitglieder - Hersteller sowie Zulieferer - betreiben mehr als 300 Werke in den USA", sagte er bei der Anhörung. Die deutschen Autokonzerne produzierten mehr als 800.000 Fahrzeuge "made in the USA" pro Jahr und hätten mehr als 100.000 Jobs im Land geschaffen - allein in der Produktion."

In der Gesamtbetrachtung sind deutsche Firmen der viertgrößte ausländische Arbeitgeber in den USA. Branchenvertreter warnten vor steigenden Produktionskosten und erheblichen Nachteilen für Industrie und Verbraucher.

US-Gewerkschaft und US-Autohändler warnen vor Massenentlassungen

Jennifer Kelly von der US-Automobilgewerkschaft UAW sagte: "Wir warnen vor unvorhergesehenen Folgen, einschließlich Massenentlassungen von amerikanischen Arbeitern." Es müsse zwar etwas für die Branche getan werden. Aber nötig seien "gezielte Maßnahmen".

Eine Lobbygruppe von US-Autohändlern warnte, dass die Zölle den Absatz um zwei Millionen Fahrzeuge jährlich senken würden. Sie legte eine Studie vor, wonach die Zölle mehr als 117.000 Arbeitsplätze bei den Autohändlern und damit etwa 10 Prozent der Stellen kosten könnten.

Darüber hinaus demonstrierten hunderte Mitarbeiter ausländischer Hersteller vor dem Ministerium aus Sorge um ihre Jobs gegen die Pläne. Eine Gruppe von 150 Kongress-Abgeordneten forderte parteiübergreifend in einem Brief einen Verzicht auf die Zölle.

Sollte es wirklich zu dem befürchteten Handelskrieg mit einer Spirale immer neuer Beschränkungen kommen, dürfe die EU nicht klein beigeben, verlangte der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK). Ein geschlossenes Vorgehen Europas sei nötig, sagte DIHK-Präsident Eric Schweitzer verschiedenen Zeitungen. Man müsse die amerikanische Seite sehr deutlich auf die möglichen Risiken auch für Jobs in den Vereinigten Staaten hinweisen: "Klar ist, Zölle und Gegenzölle kosten letztlich Arbeitsplätze und Investitionen auf beiden Seiten des Atlantiks."

EU-Spitzenkommissare reisen zum Krisentreffen in die USA

Die EU-Kommission plant für die kommende Woche ein Krisentreffen mit der US-Regierung, Handelskommissarin Cecilia Malmström und Kommissionschef Jean-Claude Juncker reisen kommenden Mittwoch zu Trump. Nach Angaben aus EU-Kreisen wollen sie dem US-Präsidenten unter anderem Verhandlungen über ein Abkommen zur Liberalisierung des grenzüberschreitenden Autohandels vorschlagen. Bisher erhebt die EU für den Import von Personenwagen noch höhere Zölle als die USA.

US-Handelsminister Wilbur Ross versuchte während der Anhörung die Wogen ein wenig zu glätten: Es sei noch "eindeutig zu früh", um zu sagen, ob die Regierung ihre Zollpläne auch tatsächlich umsetzen werde. Die entsprechende Untersuchung sei noch nicht abgeschlossen.

rei mit Nachrichtenagenturen

© manager magazin 2018
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung