Mittwoch, 21. August 2019

Starke Währung Wie der Trump-Dollar den Handelskrieg anheizt

US-Präsident Donald Trump

2. Teil: Konfliktpotenziale: Schwellenländer, Handel, Fed

Denn die Auswirkungen eines stärkeren Dollar treffen auf eine fragile Weltwirtschaft. Drei Bruchstellen sollten Sie im Blick behalten:

Erstens: In den Schwellenländern haben sich viele Unternehmen und Regierungen in den vergangenen Jahren massiv in Dollar verschuldet, um die niedrigen US-Zinsen zu nutzen. Nun werden die Anleger nervös.

In Argentinien ist diese Woche eine Währungskrise ausgebrochen. Der Peso ist auf ein Rekordtief gefallen. Ähnlich ist die Lage in der Türkei, wo die Lira in den vergangenen Monaten abgeschmiert ist. Auch Ägypten und Südafrika sind anfällig für eine Kapitalflucht, so eine Analyse der Volkswirte vom Bankhaus J. Safra Sarasin.

Selbst schuld, könnte man sagen. Niemand ist niemand gezwungen, sich billig, aber risikoreich in Dollar zu verschulden - niemand ist gezwungen, sein Geld an unsichere Schuldner zu verleihen. Doch die Gefahr eines Übergreifens der Krise auf andere, solidere Schwellenländer ist durchaus gegeben.

Zweitens: Ein starker US-Dollar passt überhaupt nicht zu Trumps handelspolitischen Zielen. Nach seinen Vorstellungen sollen die USA möglichst mit jedem einzelnen Partnerland eine ausgeglichene Handelsbilanz haben. Von Peking hat er diese Woche gefordert, das US-Defizit gegenüber China müsse sich um knapp zwei Drittel verringern. Andernfalls drohen happige Zölle und andere Handelsbeschränkungen.

Auch gegenüber der EU, insbesondere gegenüber dem Überschuss-Weltmeister Deutschland (Dienstag gibt's neue Exportzahlen), ist die Gefahr einer Eskalation keineswegs beigelegt, sondern nur um einen weiteren Monat vertagt. Das Trumpsche Drama darf nie enden - zumal nicht im beginnenden Halbzeit-Wahlkampf zum Kongress. (Achten Sie in diesem Zusammenhang auch auf das Auslaufen des Iran-Abkommens am Samstag.)

Ein stärkerer Dollar jedoch macht aus Sicht der USA Importe billiger und Exporte teurer. Das heißt: Eine aufwertende Währung vergrößert das US-Handelsdefizit noch weiter. Die derzeitigen Wechselkursverschiebungen drohen deshalb den Handelskonflikt weiter anzuheizen.

Es wäre kaum verwunderlich, wenn die US-Administration demnächst Europäern und Chinesen vorwirft, ihre Währungen zu manipulieren - also bewusst zu schwächen. Das wäre eine Umkehr von Ursache und Wirkung; schließlich liegt die Ursache für die derzeitige Dollar-Stärke eindeutig in den USA. Nichtsdestotrotz sollten wir uns auf derlei Attacken einstellen.

Drittens: Falls sich die Fixierung auf schnelle Lösungen beim Handelsdefizit in der US-Regierung durchsetzt, könnte die Unabhängigkeit der Fed in Gefahr geraten. Bislang ist davon wenig zu sehen. Aber wer weiß. Trump ist ja nicht gerade zimperlich, wenn es gilt, anderen Schuld zuzuweisen und sie an den Pranger zu stellen.

Wenn steigende Zinsen von nun an einen noch stärkeren Dollar bedeuten, droht der Fed erheblicher Druck seitens der Politik. Möglich, dass die Trump-Regierung Powell & Co. nötigt, auf den Wechselkurs Rücksicht zu nehmen und dafür höhere Inflationsraten zu riskieren. Den USA würde der nächste Konflikt zwischen tragenden nationalen Institutionen ins Haus stehen, diesmal zwischen dem Präsidenten und der Notenbank. Achten Sie auf Risiken und Nebenwirkungen.

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