Nach Zinserhöhung - Trump-Rally als Gefahr für die Weltwirtschaft Dollar auf Steroiden - die große Sorge für 2017

Starker Dollar: Fed und Trump pushen die US-Währung höher

Starker Dollar: Fed und Trump pushen die US-Währung höher

Foto: Arno Burgi/ dpa

Einfache Botschaften sind nicht die Sache von Gary Cohn, dem künftigen Chefökonom von US-Präsident Donald Trump. Auf einer Investmentkonferenz in Florida dozierte der Goldman-Sachs-Banker im November, wie schwierig der Job der Notenbank Fed sei.

"Wir haben die Welt erfolgreich globalisiert, ob wir es mögen oder nicht", erklärte Cohn. Die US-Wirtschaft alleine lasse sich daher gar nicht mehr steuern. "Sie sitzen da, und überlegen wegen der Wirtschaftsdaten, vielleicht sollten wir die Zinsen anheben, aber was passiert dann mit dem Dollar? Und was ist mit all den unbeabsichtigten Folgen?"

Die Fed hat gerade an diesem Mittwoch eine Zinserhöhung vollzogen und drei weitere für 2017 angedeutet. Prompt stieg der Dollar-Index auf ein 14-Jahres-Hoch, der Euro gab gegenüber dem Dollar deutlich nach und war zuletzt nur noch 1,04 US-Dollar wert. So tief notierte der Euro zum Dollar  zuletzt im Jahr 2003.

Reaganomics reloaded - Grund für weltweiten Alarm?

Nachdenklich: Trumps Chefökonom Gary Cohn fürchtet Nebenwirkungen

Nachdenklich: Trumps Chefökonom Gary Cohn fürchtet Nebenwirkungen

Foto: RUBEN SPRICH/ REUTERS

Cohns Nachdenklichkeit ist das Gegenprogramm zum Jubel der Börse nach Trumps Wahl. Gefühlt bedeutet "Make America Great Again" die Rückkehr der Reaganomics der 80er Jahre: ein starker Staat, der starke Schulden macht, begleitet von starken Zinsen, starken Aktien  und einem starken Dollar . Der "Greenback" hat in wenigen Wochen kräftig zugelegt und ist jetzt 40 Prozent mehr wert als vor fünf Jahren.

Die meisten Bankanalysten sind sich sicher, dass der Außenwert der US-Währung noch steigen wird. Und damit verbunden ist in den Worten des Ökonomen David Beckworth  von der George Mason University "eine der großen Fragen für 2017, wie gut die Weltwirtschaft eine weitere Stärkung des Dollar aushält". Sie sei gerade nicht in der besten Verfassung dafür.

Starker Dollar, schwache Weltwirtschaft - diese Gleichung zieht auch der "Economist" in einem Leitartikel (kostenpflichtig) . Und regelrecht Alarm schreit - in feiner, akademischer Sprache - Hyun Song Shin , der Forschungsdirektor der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ), der Zentralbank der Zentralbanken. "Vielleicht gibt es gar keine Gewinner."

Die Trump-Rally zwingt China zum Dumping

Exportnation wider Willen: China ist zu längerem Dasein als Billigstandort verdammt

Exportnation wider Willen: China ist zu längerem Dasein als Billigstandort verdammt

Foto: Lintao Zhang/ Getty Images

Zu den unbeabsichtigten Folgen, die Gary Cohn anspricht, zählt die sinkende Wettbewerbsfähigkeit von Amerikas Exportindustrie. Je stärker der Dollar, desto teurer werden in Dollar-Kosten gefertigte Produkte im Ausland. Der Kostenvorteil für beispielsweise chinesische Fabrikate steigt hingegen.

Die USA haben schon ein gewaltiges Handelsdefizit, und das dürfte erneut steigen. Für sein Versprechen, Industriejobs zurückzuholen, müsste Trump den Unternehmen schon gewaltige Steuergeschenke machen - und käme wohl doch kaum gegen die ungleich größerer Macht des Dollars an, der ein Vielfaches an Exportchancen zunichte macht.

Ironischerweise droht die Trump-Rally genau den unfairen Vorteil Chinas zu befördern, vor dem Trump warnt - und ihm so den Anlass für einen Handelskrieg zu liefern. Die chinesische Führung hingegen ist seit Jahren davon abgerückt, den Yuan zu Dumping-Zwecken nach unten zu manipulieren und stützt ihn dagegen verzweifelt. Der starke Dollar macht alle Bemühungen zunichte, den langwierigen Umbau von der verlängerten Werkbank des Westens zur Konsumnation anzugehen.

Als Alternative macht das Wort von einem "Trump-Tower-Abkommen" die Runde, in Anlehnung an das Plaza-Abkommen von 1985, als sich die damals führenden westlichen Wirtschaftsmächte einigten, Reagans Dollar-Rally zu beenden. Doch heute haben Europa und Japan kaum Interesse daran, etwas gegen ihre Weichwährungen zu unternehmen. Sie können etwas importierte Inflation bestens gebrauchen. Und glaubt man Hyun Song Shin, ist das noch die harmloseste Negativ-Folge der Dollar-Stärke ...

Der Dollar als neuer Gradmesser für die Angst der Banken

Banken in Angst: Billionen stehen in Dollar-Krediten im Feuer

Banken in Angst: Billionen stehen in Dollar-Krediten im Feuer

Foto: Getty Images

Der Baseler Forscher sieht im Dollar das derzeit beste "Barometer für Verschuldung und Kapazität zur Aufnahme von Risiken" des internationalen Kapitalmarkts. Gerade europäische Banken hätten in den vergangenen Jahren vor allem an asiatische Unternehmen gewaltige Mengen an Dollar-Krediten geliehen. Laut BIZ-Daten ist der Bestand von Nichtbanken in Drittländern auf annähernd zehn Billionen Dollar angestiegen - mit hohem Risiko, dass diese Kredite jetzt faulen.

Der mit dem Wechselkurs steigende Wert ihrer Schulden zerstört die Bilanzen der Schuldner vor allem in Schwellenländern, weil auf der Aktivseite Vermögenswerte in schwachen Landeswährungen gegenüberstehen. Und nicht nur die direkt Betroffenen werden zum Sparen gezwungen, es gibt auch Kaskadeneffekte über die örtlichen Kreditmärkte.

Nicht zuletzt - das ist die schlechte Nachricht vor allem für Europa - neigen die hiesigen Banken wieder stärker dazu, ihr Geld zusammenzuhalten anstatt es in Umlauf zu bringen. Ein starker Dollar ist in Hyun Song Shins Rechnung gleichzusetzen mit Risikoscheu.

Der starke Dollar bremst die Globalisierung schon jetzt

Brüchige Lieferketten: Die Globalisierung braucht hohen Kapitaleinsatz an jeder Station

Brüchige Lieferketten: Die Globalisierung braucht hohen Kapitaleinsatz an jeder Station

Foto: REUTERS

Shin sieht darin eine schlüssige Erklärung, warum der Welthandel schon vor Beginn der Trump-Ära lahmt: Die globalen langen Lieferketten lohnen sich nicht mehr, weil an jeder Station eine große Menge Kapital benötigt wird, vorzugsweise in Dollar. Und das wird knapp.

In Ländern wie Brasilien oder der Türkei hat der Kapitalabfluss längst verheerende Ausmaße erreicht. Selbst China stemmte sich nur mit Mühe gegen eine plötzliche ungewollte Wachstumsschwäche, die auch die weltweiten Rohstoffmärkte und Öl exportierende Staaten wie Russland oder Saudi-Arabien mitriss.

Und das waren nur die Folgen eines ersten Dollar-Anstiegs, als die Fed in Washington begann, laut über eine allmähliche Zinswende nachzudenken. Jetzt wird es ernst.

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