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Buchtipp Die Idee der "resilienten Gesellschaft"

Der Princeton-Professor und Ökonom Markus Brunnermeier weiß, wie Gesellschaften ihre Comeback-Fähigkeiten trainieren und stärken. Sein Zukunftsbuch erklärt die Herausforderungen allgemein verständlich.
aus manager magazin 11/2021
Trittfest: Der gebürtige Niederbayer Markus Brunnermeier ist seit 2006 Professor in Princeton

Trittfest: Der gebürtige Niederbayer Markus Brunnermeier ist seit 2006 Professor in Princeton

Foto: Christopher Lane / Contour by Getty Images

Wirtschaft und Klima ohne Krise" haben die Grünen im Wahlkampf versprochen. Nach dem Desastermarathon vom Weltfinanzcrash bis Corona ist der Ruf nach mehr Schutz und Stabilität allgegenwärtig.

Markus Brunnermeier (52), Princeton-Professor aus Deutschland, hat ein Krisenbuch geschrieben, das über diese Reflexe hinausweist. Der Finanzökonom begann gleich zu Beginn der Pandemie eine Onlineseminarreihe mit den besten Köpfen seiner Disziplin. Viel daraus ging in sein Buch ein.

Seine zentrale Idee ist aus der Psychologie gut bekannt: "Resilienz" ist die Fähigkeit, auch nach schweren Schlägen zurückzukommen. Eine resiliente Gesellschaft schafft es, nach heftigen Schocks wieder neu zu erstarken. Sie entwickelt sich naturgemäß vor allem in ihren Krisen.

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Brunnermeier, Markus K.

Die resiliente Gesellschaft: Wie wir künftige Krisen besser meistern können - Gewinner des Deutschen Wirtschaftsbuchpreises 2021.

Verlag: Aufbau
Seitenzahl: 336
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Die Politik muss also Comeback-Fähigkeiten stärken, statt jedes Risiko zu vermeiden oder durch immer dickere Schutzwälle abzuwehren. Brunnermeiers Leitbild ist das schwankende Schilf, nicht die Eiche – die im Orkan für immer zerbricht.

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Die beiden Schlüsselbegriffe Brunnermeiers werden in der Alltagssprache oft gleichgesetzt: Resilienz wie Robustheit basieren darauf, dass ein System Reserven hat, um bei Schocks gegenzuhalten. Brunnermeier betont aber den zentralen Unterschied: Robustheit bedeutet, dass die Puffer volle Stabilität garantieren. Resilienz heißt, dass die Schwankungen nur gedämpft und dann wieder ausbalanciert werden.

Robustheit ist statisch, die dafür benötigten Reserven können sehr groß, ja unbezahlbar sein. Resiliente Systeme können ihre Reserven umdisponieren und flexibel einsetzen. Sie sind gekennzeichnet durch ein "Volatilitätsparadox" (Brunnermeier): Ständige Schwankungen stärken ihre Kräfte, so wie ein Immunsystem durch Herausforderungen "trainiert" wird.

Von der Pandemie über die Makro- bis zur Klimapolitik dekliniert er das konkret durch. Einfache Urteile und risikolose Rezepte liefert er hier nicht. Aber den Kompass für die Post-Corona-Debatten: Unumkehrbare Teufelskreise und Kippeffekte müssen stets verhindert, Optionen offengehalten werden; perfekte Stabilität bleibt eine gefährliche Illusion.

Das ist ein Plädoyer gegen Angststarre und für einen mutigen, analytisch fundierten Umgang mit Risiken. Die nächste große Krise kommt garantiert. Die eigentliche Frage ist, in welchem Trainingszustand wir ihr begegnen.

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