Ranking Das sind die 20 reichsten Länder der Welt

Die reichsten Länder der Welt stecken die Corona-Krise besser weg als ärmere Staaten. Dennoch hat die Pandemie das Ranking nach kaufkraftbereinigtem Bruttoinlandsprodukt pro Kopf nachhaltig verschoben. manager magazin hat die jüngsten Daten des IWFs ausgewertet.
Geld hilft: Prinzessin Stephanie von Luxemburg (hier mit Bräutigam Guillame bei der Hochzeit 2012) repräsentiert einen äußerst wohlhabenden Kleinstaat mit rund 600.000 Einwohnern. Schwiegerpapa Henri besitzt laut "Forbes" ein Milliardenvermögen

Geld hilft: Prinzessin Stephanie von Luxemburg (hier mit Bräutigam Guillame bei der Hochzeit 2012) repräsentiert einen äußerst wohlhabenden Kleinstaat mit rund 600.000 Einwohnern. Schwiegerpapa Henri besitzt laut "Forbes" ein Milliardenvermögen

Foto: Didier Lebrun / Photonews via Getty Images

Die Corona-Pandemie hat die Welt verändert. Um 3,1 Prozent ist die weltweite Wirtschaftsleitung im vergangenen Jahr geschrumpft, berichtete der Internationale Währungsfonds (IWF) im Oktober. "Ein historischer Rückgang", beschrieb IWF-Chefökonomin Gita Gopinath (49) schon im April. Dabei hat die Krise die vielen Länder der Erde unterschiedlich stark getroffen – mit deutlichen Auswirkungen. So zeigt der Blick auf die IWF-Schätzungen für 2020, dass sich das Ranking der wohlhabendsten Länder der Welt im Vergleich zum Vorjahr deutlich verändert hat (siehe Ranking unten).

Noch stärker wird sich der globale Wohlstand aber verschieben, wenn der Aufschwung voranschreitet. Zwar habe sich die Erholung wegen der stark ansteckenden Delta-Variante des Coronavirus leicht abgeschwächt, berichtete Gopinath im Oktober. Für 2021 erwartet der IWF nunmehr ein Wachstum für die Weltwirtschaft von 5,9 Prozent statt 6 Prozent. 2022 sollen es 4,9 Prozent sein.

"Die Lieferketten sind gestört und haben zu längeren Unterbrechungen geführt als zuvor erwartet", sagte die Chefvolkswirtin des IWFs, die zum Jahreswechsel ins Management des IWFs aufrückt. Das mache auch fortgeschrittenen Volkswirtschaften zu schaffen. Von Normalität könne noch keine Rede sein. Insgesamt ist jedoch davon auszugehen, dass die fortgeschrittene Volkswirtschaften sich schneller erholen als die meisten Schwellen- und Entwicklungsländer.

Aber welche Länder gehören eigentlich zu den fortgeschrittenen Volkswirtschaften? Sind es gleichzeitig auch die reichsten Länder der Welt? Welches Land hat das höchste Pro-Kopf-Einkommen und welches weist den höchsten Wohlstand aus? Wer diesen Fragen nachgeht, stellt schnell fest, dass es schwierig ist, eine einfache Antwort zu finden.

Die stärksten Volkswirtschaften

Als Kennzahl für die wirtschaftliche Entwicklung wird meist das Bruttoinlandsprodukt (BIP) herangezogen, also die Summe aller Einkünfte, die im Inland erwirtschaftet werden. Das BIP wird in fast allen Ländern erhoben, es eignet sich deshalb gut als Grundlage für Ländervergleiche.

"Aber das Bruttoinlandsprodukt allein ist selbstverständlich nicht ausreichend, um die Wohlfahrt von Ländern umfassend zu vergleichen", sagt Klaus-Jürgen Gern, Head of Global Economic Outlook am Institut für Weltwirtschaft (IfW) in Kiel. Es dominiere jedoch in der Diskussion, "da das BIP (fast) universell, wenn auch nicht in einheitlicher Qualität, verfügbar ist und mit vielen anderen wichtigen Wohlfahrtsindikatoren korreliere."

Schon beim ersten Blick auf die Länder mit dem größten BIP fällt ein wesentliches Problem auf: die unterschiedliche Größe der Länder. Um verschieden große Länder besser vergleichen zu können, wird das BIP oft pro Kopf verwendet.

Vergleicht man beide Zahlen, versteht man, warum der IWF volkswirtschaftliche Schwergewichte gemessen am Bruttoinlandsprodukt wie China und Indien zu den Schwellenländern zählt und (noch) nicht zum Kreis der führenden Volkswirtschaften, dem Deutschland, Italien, Frankreich, Großbritannien, Japan, Kanada und die USA angehören – die G7-Länder.

Kaufkraft berücksichtigen

Doch die führenden Volkswirtschaften sind mitnichten die wohlhabendsten Länder. Bei der Suche nach den reichsten Ländern der Welt ist "die Berücksichtigung der Kaufkraft wichtig", sagt Tom Krebs, Professor für Volkswirtschaft, Makroökonomik und Wirtschaftspolitik an der Universität Mannheim.

Krebs erläutert das am Vergleich von USA und Deutschland: An den Finanzmärkten habe man zum Beispiel im vergangenen Jahr für einen Euro durchschnittlich nur 1,14 US-Dollar erhalten, aber die Kaufkraft eines Euros in Deutschland entsprach laut OECD der Kaufkraft von 1,34 Dollar in den USA. Heißt konkret: In beiden Ländern hätte man mit dem gleichen Geldwert unterschiedlich viele Waren- und Dienstleistungen kaufen können.

Die Lösung: das BIP auf Basis von Kaufkraftparitäten. Dabei werden auch unterschiedliche Lohn- oder Mietniveaus berücksichtigt. "In Entwicklungsländern sind sie in der Regel deutlich niedriger, sodass ein Dollar in diesen Ländern insgesamt deutlich mehr Güter kaufen kann als in den USA", sagt der Kieler Volkswirt Gern.

Weltbank, OECD und IWF sammeln entsprechende Daten, der IWF stellt für seine Mitgliedstaaten – derzeit 190 Länder – im Zuge des zweimal im Jahr aktualisierten "World Economic Outlook" auch das kaufbereinigte BIP pro Kopf zur Verfügung.

Das kleine Großherzogtum in Mitteleuropa hat sich an die Spitzenposition der reichsten Länder weltweit geschoben. Das langjährige erstplatzierte Macau ist aus den Top Ten gerutscht. Damit ist Luxemburg nicht nur das reichste Land nach kaufbereinigtem BIP pro Kopf in Europa, sondern der gesamten Welt.

Luxemburg zählt nur 639.117 Einwohner (Stand April 2021). Der Schwerpunkt der Volkswirtschaft liegt im Finanzsektor mit seinen Dienstleistungen. Das BIP pro Kopf kaufkraftbereinigt liegt 2020 bei 111.857,69 internationalen Dollar (2017).

Die Pandemie hinterlässt in dem kleinen Land natürlich auch Spuren. Doch das Ausmaß ist deutlich geringer als in Macau, das von Rang eins im Jahr 2019 auf Position 18 im Jahr 2020 fällt. Das Großherzogtum dürfte, wenn es nach den Prognosen geht, seine Position zunächst festigen. Der IWF rechnet damit, dass sich das kaufkraftbereinigte BIP pro Kopf bereits im Laufe des Jahres 2021 deutlich erholt. Das Wirtschaftswachstum wird auf ein Plus von 5,5 Prozent taxiert.

Im Index für die menschliche Entwicklung (HDI) , den die Uno einmal im Jahr veröffentlicht, liegt Luxemburg zusammen mit Südkorea auf Platz 23, vor Spanien (25) und hinter Slowenien (22). Die Lebenserwartung in Luxemburg liegt laut HDI bei 82,3 Jahren. Die durchschnittlich erwartete Zeit für die Ausbildung inklusive Schule wird mit 14,3 Jahren angegeben.

Das kaufkraftbereinigte BIP wird häufig verwendet, um wirtschaftlichen Reichtum oder absolute Armut international vergleichbarer zu machen. Doch auch dabei bleibt ein Problem: Es beruht aber auf einer Annahme. Ein hohes kaufbereinigtes BIP pro Kopf spricht eher für einen reichen und wohlhabenderen Staat.

Reichtum = Wohlstand für alle?

Das Land mit dem größten BIP pro Person muss allerdings nicht unbedingt das Land mit dem größten gesellschaftlichen Wohlstand sein, denn das BIP sagt nichts über die Verteilung des Wohlstands in einem Land aus. In einem Land mit sehr hohem BIP kann die Lebensqualität vieler Menschen dennoch gering sein.

Darüber hinaus erfasse das BIP auch keine Umwelt- und Klimaschäden des Wirtschaftens, sagt der Mannheimer Volkswirt Krebs. "Solche Schäden senken die Lebensqualität und können die Lebensgrundlage zukünftiger Generationen zerstören." Auch können staatliche Interventionen nicht entsprechend berücksichtigt werden.

Das kleine Luxemburg gilt als reichstes Land der Welt, wenn man das Einkommen der Bevölkerung bemisst.

Das kleine Luxemburg gilt als reichstes Land der Welt, wenn man das Einkommen der Bevölkerung bemisst.

Foto: PAUL AMES/ AP

Entsprechend tauchen im Ranking der 20 reichsten Länder der Welt nach kaufkraftbereinigtem BIP pro Kopf neben den weit entwickelten Volkswirtschaften auch kleinere Länder auf – insbesondere auf den vorderen Plätzen. Zum einen verdanken sie ihre Spitzenpositionen Finanzdienstleistungen, zum anderen verfügen einzelne kleine reiche Länder mit entsprechend kleiner Bevölkerung teilweise über besondere Bodenschätze. Der Reichtum beruhe dann auf der Ausbeutung insbesondere von Öl, Diamanten oder seltene Materialien, manche Länder wiesen zudem autoritäre oder patriarchalische Strukturen auf, schreibt Franz Josef Radermacher, Professor für Informatik  an der Universität Ulm  mit einem Schwerpunkt auf Globalisierung.

Corona-Pandemie verschiebt Ranking

Die spannendste Frage ist, wie sich das Ranking unter Corona-Bedingungen verändert hat und wie schnell sich die einzelnen Länder wieder vom Corona-Schock erholen. Tatsächlich hat sich das Ranking auf Basis der Zahlen vom World Economic Outlook des IWF von 2019 auf 2020 verändert. Die Zahlen vom Oktober bestätigten die Verschiebungen ausgehend von den Daten im April grundsätzlich – mit einigen Korrekturen.

Die Kaufkraft unterscheidet sich von Land zu Land

Die Kaufkraft unterscheidet sich von Land zu Land

Foto: Roland Weihrauch/ picture-alliance/ dpa

Der langjährige Spitzenreiter Macau hat bis auf Weiteres seine Topposition verloren und rutscht, nachdem es laut der April-Daten bereits vom ersten Platz drastisch abgerutscht war, von Platz 14 auf Platz 18. Wesentlich stabiler zeigt sich das langjährig zweitplatzierte Luxemburg, das nun zum zweiten Mal seine Topposition auf dem ersten Platz behaupten kann. Verschiebungen ergaben sich jedoch bei den Plätzen drei und vier: Katar steigt um einen Rang auf, während Irland um einen Platz zurückfällt. Deutschland rangiert auf Platz 19.

Der Artikel wurde mit den Daten vom World Economic Outlook von Oktober 2021 aktualisiert.

akn