Ranking Das sind die 20 reichsten Länder der Welt

Die reichsten Länder der Welt stecken die Coronakrise besser weg als ärmere Staaten. Wie wird sich Russlands Invasion in die Ukraine auf das Ranking nach kaufkraftbereinigtem Bruttoinlandsprodukt pro Kopf auswirken? Das manager magazin hat die jüngsten Daten des IWF ausgewertet.
Geld hilft: Prinzessin Stephanie von Luxemburg (hier mit Bräutigam Guillame bei der Hochzeit 2012) repräsentiert einen äußerst wohlhabenden Kleinstaat mit rund 600.000 Einwohnern. Schwiegerpapa Henri besitzt laut "Forbes" ein Milliardenvermögen

Geld hilft: Prinzessin Stephanie von Luxemburg (hier mit Bräutigam Guillame bei der Hochzeit 2012) repräsentiert einen äußerst wohlhabenden Kleinstaat mit rund 600.000 Einwohnern. Schwiegerpapa Henri besitzt laut "Forbes" ein Milliardenvermögen

Foto: Didier Lebrun / Photonews via Getty Images

"Die globalen Wirtschaftsaussichten wurden stark zurückgeworfen – vor allen durch die russische Invasion in die Ukraine", erläuterte Pierre-Oliver Gounrinchas (54), Chefökonom und Direktor vom Research Department des Internationalen Währungsfonds (IWF) im April, als er die jüngsten Daten des World Economic Outlook vorstellte.

Die Wachstumserwartungen fielen von zuvor prognostizierten 6,1 Prozent auf 3,6 Prozent für 2022 und 2023. Der IWF rechnet in diesem Jahr für Europa und die USA mit einem Wirtschaftswachstum von 2,3 Prozent, für Ost- und Zentralasien von 3,7 und für Lateinamerika von 6,8 Prozent. Die Weltbank zeigt sich indes noch pessimistischer und prognostiziert sogar nur noch ein weltweites Wirtschaftswachstum von 2,9 Prozent.

Statt der noch zu Jahresbeginn erwarteten Erholung hat Putins Krieg gegen die Ukraine eine Krise ausgelöst, die ihre Wucht wohl noch weiter entfalten wird. "Wie seismische Wellen werden sich die Auswirkungen ausbreiten", fasste Gounrinchas die Entwicklung zusammen. Die Inflation dürfte weiter anziehen, der Krieg, die Sanktionen und die Lieferengpässe aufgrund der jüngsten coronabedingten Lockdowns in China tun ihr Übriges und tragen zu den großen Risiken für die wirtschaftliche Entwicklung bei. Gita Gopinath (50), stellvertretende Direktorin des IWF, warnte außerdem vor neuen Wirtschaftsblöcken, die die Wirtschaftsordnung fundamental ändern könnten.

Wie schon die Coronapandemie wird auch diese Krise die Länder der Welt unterschiedlich treffen und sich auf das Ranking der reichsten Länder auswirken. Stark gestiegene Roh- und Energiepreise sowie hohe Getreidepreise machen vor allem den Ländern zu schaffen, die von Importen abhängig sind und lassen in vielen Ländern die Inflation deutlich steigen. Exporteure von Öl und Gas können hingegen von den hohen Rohstoffpreisen profitieren.

"Die Gesamtproduktion der fortgeschrittenen Volkswirtschaften wird länger brauchen, um sich wieder auf das Niveau von vor der Pandemie einzupendeln", konstatiert Gounrinchas derweil. Die Unterschiede zwischen fortgeschrittenen und Schwellen- und Entwicklungsländern, die durch die Coronapandemie noch verstärkt wurden, werden weiter anhalten.

Aber welche Länder gehören eigentlich zu den fortgeschrittenen Volkswirtschaften? Sind es gleichzeitig auch die reichsten Länder der Welt? Welches Land hat das höchste Pro-Kopf-Einkommen und welches weist den höchsten Wohlstand aus? Wer diesen Fragen nachgeht, stellt schnell fest, dass es schwierig ist, eine einfache Antwort zu finden.

Die stärksten Volkswirtschaften

Als Kennzahl für die wirtschaftliche Entwicklung wird meist das Bruttoinlandsprodukt (BIP) herangezogen, also die Summe aller Einkünfte, die im Inland erwirtschaftet werden. Das BIP wird in fast allen Ländern erhoben, es eignet sich deshalb gut als Grundlage für Ländervergleiche.

"Aber das Bruttoinlandsprodukt allein ist selbstverständlich nicht ausreichend, um die Wohlfahrt von Ländern umfassend zu vergleichen", sagt Klaus-Jürgen Gern, Head of Global Economic Outlook am Institut für Weltwirtschaft (IfW) in Kiel. Es dominiere jedoch in der Diskussion, "da das BIP (fast) universell, wenn auch nicht in einheitlicher Qualität, verfügbar ist und mit vielen anderen wichtigen Wohlfahrtsindikatoren korreliere."

Schon beim ersten Blick auf die Länder mit dem größten BIP fällt ein wesentliches Problem auf: die unterschiedliche Größe der Länder. Um verschieden große Länder besser vergleichen zu können, wird das BIP oft pro Kopf verwendet.

Vergleicht man beide Zahlen, versteht man, warum der IWF volkswirtschaftliche Schwergewichte gemessen am Bruttoinlandsprodukt wie China und Indien zu den Schwellenländern zählt und (noch) nicht zum Kreis der führenden Volkswirtschaften, dem Deutschland, Italien, Frankreich, Großbritannien, Japan, Kanada und die USA angehören – die G7-Länder.

Kaufkraft berücksichtigen

Doch die führenden Volkswirtschaften sind mitnichten die wohlhabendsten Länder. Bei der Suche nach den reichsten Ländern der Welt ist "die Berücksichtigung der Kaufkraft wichtig", sagt Tom Krebs, Professor für Volkswirtschaft, Makroökonomik und Wirtschaftspolitik an der Universität Mannheim.

Krebs erläutert das am Vergleich von USA und Deutschland: An den Finanzmärkten habe man zum Beispiel im vergangenen Jahr für einen Euro durchschnittlich nur 1,14 US-Dollar erhalten, aber die Kaufkraft eines Euros in Deutschland entsprach laut OECD der Kaufkraft von 1,34 Dollar in den USA. Heißt konkret: In beiden Ländern hätte man mit dem gleichen Geldwert unterschiedlich viele Waren- und Dienstleistungen kaufen können.

Die Lösung: das BIP auf Basis von Kaufkraftparitäten. Dabei werden auch unterschiedliche Lohn- oder Mietniveaus berücksichtigt. "In Entwicklungsländern sind sie in der Regel deutlich niedriger, sodass ein Dollar in diesen Ländern insgesamt deutlich mehr Güter kaufen kann als in den USA", sagt der Kieler Volkswirt Gern.

Weltbank, OECD und IWF sammeln entsprechende Daten, der IWF stellt für seine Mitgliedstaaten – derzeit 190 Länder – im Zuge des zweimal im Jahr aktualisierten "World Economic Outlook" auch das kaufbereinigte BIP pro Kopf zur Verfügung.

Das kaufkraftbereinigte BIP wird häufig verwendet, um wirtschaftlichen Reichtum oder absolute Armut international vergleichbarer zu machen. Doch auch dabei bleibt ein Problem: Es beruht aber auf einer Annahme. Ein hohes kaufbereinigtes BIP pro Kopf spricht eher für einen reichen und wohlhabenderen Staat.

Top 10 der reichsten Länder der Welt

Das kleine Großherzogtum in Mitteleuropa hält die Spitzenposition der reichsten Länder weltweit. Das langjährige erstplatzierte Macau hat sich zwar wieder in die Top Ten geschoben, aber die Coronapandemie macht Macau weiterhin zu schaffen. Damit ist Luxemburg nicht nur weiterhin das reichste Land nach kaufkraftbereinigtem BIP pro Kopf in Europa, sondern der gesamten Welt.

Allerdings zählt Luxemburg auch nur 655.500 Einwohner (Stand Juni 2022). Der Schwerpunkt der Volkswirtschaft liegt im Finanzsektor und seinen Dienstleistungen. Das BIP pro Kopf kaufkraftbereinigt lag 2021 bei 136.701,396 internationalen Dollar (2017), für 2022 prognostiziert der IWF einen leichten Rückgang auf 135.045,821 internationale Dollar (2017).

Von den Auswirkungen der Pandemie hat sich das kleine Land inzwischen erholt, jedoch kann sich Luxemburg von der allgemeinen Situation nicht abkoppeln. Der IWF geht von einer durchschnittlichen Inflation von 5,7 Prozent im Jahr 2022 aus, die vor allem von den hohen Energiepreisen getrieben ist. Das reale Bruttoinlandsprodukt soll laut Prognose nur um 1,8 Prozent wachsen.

Im Index für die menschliche Entwicklung (HDI) , den die Uno alle zwei Jahre veröffentlicht, liegt Luxemburg zusammen mit Südkorea auf Platz 23, vor Spanien (25) und hinter Slowenien (22). Die Lebenserwartung in Luxemburg liegt laut HDI bei 82,3 Jahren. Die durchschnittlich erwartete Zeit für die Ausbildung inklusive Schule wird mit 14,3 Jahren angegeben.

Reichtum = Wohlstand für alle?

Das Land mit dem größten BIP pro Person muss allerdings nicht unbedingt das Land mit dem größten gesellschaftlichen Wohlstand sein, denn das BIP sagt nichts über die Verteilung des Wohlstands in einem Land aus. In einem Land mit sehr hohem BIP kann die Lebensqualität vieler Menschen dennoch gering sein.

Darüber hinaus erfasse das BIP auch keine Umwelt- und Klimaschäden des Wirtschaftens, sagt der Mannheimer Volkswirt Krebs. "Solche Schäden senken die Lebensqualität und können die Lebensgrundlage zukünftiger Generationen zerstören." Auch können staatliche Interventionen nicht entsprechend berücksichtigt werden.

Spitzenreiter: Das kleine Luxemburg gilt als reichstes Land der Welt, wenn man das Einkommen der Bevölkerung bemisst.

Spitzenreiter: Das kleine Luxemburg gilt als reichstes Land der Welt, wenn man das Einkommen der Bevölkerung bemisst.

Foto: PAUL AMES/ AP

Entsprechend tauchen im Ranking der 20 reichsten Länder der Welt nach kaufkraftbereinigtem BIP pro Kopf neben den weit entwickelten Volkswirtschaften auch kleinere Länder auf – insbesondere auf den vorderen Plätzen. Zum einen verdanken sie ihre Spitzenpositionen Finanzdienstleistungen, zum anderen verfügen einzelne kleine reiche Länder mit entsprechend kleiner Bevölkerung teilweise über besondere Bodenschätze. Der Reichtum beruhe dann auf der Ausbeutung insbesondere von Öl, Diamanten oder seltenen Materialien, manche Länder wiesen zudem autoritäre oder patriarchalische Strukturen auf, schreibt Franz Josef Radermacher, Professor für Informatik  an der Universität Ulm  mit einem Schwerpunkt auf Globalisierung.

Top 11-20 der reichsten Länder der Welt

Lange Zeit war die Industrieproduktion ein wichtiger Bestandteil der Wirtschaft in Hongkong. Mit der Öffnung Chinas wanderten jedoch viele Industriebetriebe auf das Festland und Hongkong entwickelte sich zu einem internationalen Finanzzentrum. Die Stadt war einst britische Kronkolonie – bis sie 1997 an China übergeben wurde und den Status einer Sonderverwaltungszone Chinas erhielt. Gut 7,4 Millionen Menschen leben in Hongkong.

Seitdem Hongkong wieder an China gefallen ist, wurde das Prinzip, nachdem das demokratisch-marktwirtschaftliche neben dem autoritären, sozialistischen System noch für 50 Jahre nach der Übergabe an China bestehen sollte, schnell aufgeweicht. China setzte systemtreue Regierungschefs ein und die Demokratiebewegung wird durch neue Gesetze weitgehend unterdrückt.

Die Coronapandemie traf auch Hongkong und schickte die Bewohner mehrmals in den Lockdown – wie beispielsweise noch im Juni 2022. Das kaufkraftbereinigte BIP pro Kopf nahm von 2020 auf 2021 trotz Pandemie deutlich zu – dem WEO zufolge von 56.326,487 auf 60.123,872 internationale Dollar (2017). Für dieses Jahr wird allerdings nur mit einer leichten Steigerung auf 60.339,060 internationale Dollar gerechnet. Die Wirtschaft legt der IWF-Prognose zufolge mit 0,5 Prozent im Jahr 2022 kaum zu. Die Inflation soll bei 1,9 Prozent liegen.

Beim HDI-Index rangiert Hongkong auf Platz 4. Die Lebenserwartung liegt bei 84,9 Jahren. Die Zeit in Ausbildung wird mit 16,9 Jahren angegeben.

Corona-Pandemie verschiebt Ranking

War zunächst spannend, wie sehr die Coronapandemie das Ranking verändert und wie schnell sich die einzelnen Länder vom Coronaschock erholen, steht nun die große Frage im Raum, wie sehr der Ukrainekrieg mit all seinen Folgen den einzelnen Ländern zusetzt. Hohe Energiekosten, Inflation, Fluchtbewegung, Getreidekrise und Zinswende haben das Potenzial, das Ranking erneut durcheinanderzuwirbeln. Wer sind die Gewinner und Verlierer?

Die aktuellen Zahlen zeigen bislang, dass der langjährige Spitzenreiter Macau bis auf Weiteres nicht auf seine einstige Topposition aufsteigt, aber zumindest wieder in die Top Ten zurückgekehrt ist. Dagegen präsentiert sich das kleine Großherzogtum Luxemburg stabil auf dem ersten Platz, Irland und Katar haben die Plätze getauscht und Deutschland ist von Platz 19 auf Rang 20 gerutscht. Wieder dabei im Ranking ist Andorra, das zwischenzeitlich aus den Top 20 rausgefallen war. Ausgeschieden ist dafür Bahrain.

Der Artikel wurde mit den Daten vom World Economic Outlook  von April 2022 aktualisiert.

akn