Hurun-Vermögensranking Wasserflaschen-König ist reichster Chinese

Nie lebten in dem kommunistischen Staat mehr Milliardäre: 1185. Der reichste ist der Unternehmer Zhong Shanshan, während das Privatvermögen der ehemals strahlenden Immobilienfürsten und Tech-Granden leidet.
Reicher als irgendwer in Deutschland: Der Unternehmer Zhong Shanshan (Aufnahme von 2013)

Reicher als irgendwer in Deutschland: Der Unternehmer Zhong Shanshan (Aufnahme von 2013)

Foto: STR / AFP

Ähnlich wie in Europa und den USA sind im vergangenen Jahr auch die Superreichen in China deutlich reicher geworden. Das Vermögen der reichsten Menschen in dem kommunistischen Staat ist um 24 Prozent gestiegen. Insgesamt leben laut dem am Mittwoch vorgestellten Hurun China Report  heute 1185 Frauen und Männer in dem Land, deren Vermögen umgerechnet mehr als eine Milliarde Dollar beträgt – mehr als je zuvor. Zum Vergleich: In den USA leben rund 700 Milliardäre. In Deutschland gibt es laut der aktuellen Reichstenliste des manager magazins  213 Milliardäre.

Reichster Chinese mit einem Vermögen von mehr als 60 Milliarden Dollar ist der Wasserflaschen-König Zhong Shanshan (67). Der Selfmade-Unternehmer, der als Kind einst die Schule abgebrochen und sich unter anderem als Bauarbeiter und Verkäufer von später verbotenen Potenzmitteln versucht hat, baute seit den 90er Jahren ein Getränkeimperium auf. Seine günstige Wassermarke Nongfu Spring dominiert in China den Markt. Zuletzt machte er mit seiner Pharmafirma Wantai Schlagzeilen, die einen Corona-Impfstoff als Nasenspray entwickeln will. Der Marktwert dieser beiden börsennotierten Firmen seiner Holding YST ist im vergangenen Jahr um 10 beziehungsweise 40 Prozent gestiegen – und machte Zhong Shanshan zu einem der reichsten Männer der Welt.

Der Unternehmer löst damit den Alibaba-Gründer Jack Ma (57) ab, der in den vergangenen drei Jahren den Titel als reichster Chinese innehatte – bevor der Tech-Visionär in Ungnade des Regimes gefallen war. Sein Vermögen ist im vergangenen Jahr um 36 Prozent auf 22,6 Milliarden US-Dollar geschrumpft. Auf Rang zwei der Liste steht jetzt der Gründer der Videoplattform Tiktok, Zhang Yiming (38), mit 52,8 Milliarden Dollar. Ihm folgt der Chef des Autobatterie-Herstellers CATL, Zeng Yuqun (53), der sein Vermögen auf 47,4 Milliarden US-Dollar verdreifachen konnte – auch dank der Aufträge der deutschen Autohersteller . Der Chef des Internetriesen Tencent, Pony Ma (50), rutschte auf Platz vier; sein Vermögen schrumpfte um ein Fünftel.

Wie in Deutschland oder den USA spiegeln die Vermögenszuwächse der reichsten Chinesen vor allem die Kursentwicklung an den Börsen. Zwar haben sich Chinas Börsen relativ moderat entwickelt, während Europas Aktienmärkte und die Wall Street immer neue Rekordstände erreichen. Einzelne Branchen haben aber deutlich zugelegt.

Gleichwohl zeigen die ökonomischen Erschütterungen der vergangenen Monate auch in der seit 1999 erhobenen Liste deutliche Spuren: Etliche der Tech-Granden wie Jack Ma oder Pony Ma sind in Folge der rigorosen staatlichen Eingriffe abgestürzt. Und erstmals ist unter den Top Ten auch kein einziger Immobilienunternehmer mehr. Den spektakulärsten Absturz legte dabei der Gründer des Skandalunternehmens Evergrande hin: Nachdem Xu Jiayin (63) noch 2017 der reichste Chinese war und 2020 immerhin noch auf Rang 5 geführt wurde, steht er mit 11,3 Milliarden US-Dollar Privatvermögen aktuell nur noch auf Platz 70.

Insgesamt listet der Hurun Report 2918 Individuen auf, die mehr als zwei Milliarden Yuan besitzen (umgerechnet rund 270 Millionen Euro). Im Kern ist das immer noch die Gründergeneration. Ihr Gesamtvermögen beträgt umgerechnet gigantische 4,5 Billionen Euro. Der Anteil der Frauen unter den reichsten Chinesen hat sich auf 26 Prozent erhöht.

Fun Fact zum Schluss: Zum zehnten Mal in Folge haben Chinesen, die im Jahr des Hasen geboren worden sind, am meisten Wohlstand angehäuft. Gefolgt von den Drachen und Schlangen; die Ratten unter den Reichsten hatten die geringsten Vermögenszuwächse. In der chinesischen Astrologie wechseln die Tierkreiszeichen im Zwölfjahresrhythmus. Aktuell ist nach diesem System ein Jahr des Büffels.

lhy
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