Federal Reserve vor der Zinswende Die Inflationsangst der alten Männer

Von den 70er Jahren geprägt: Der bisher führende "Falke" im Fed-Rat, Richard Fisher

Von den 70er Jahren geprägt: Der bisher führende "Falke" im Fed-Rat, Richard Fisher

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Die Hälfte der US-Bürger ist jünger als 37,6 Jahre. Die mittlere Generation kann sich noch an den Dotcom-Crash (vor 15 Jahren) und die Anschläge vom 11. September (vor 14 Jahren) erinnern. Einen Großteil ihres Erwachsenenlebens aber hat sie unter Präsident Obama verbracht, geprägt ist sie von den Folgen der Lehman-Pleite (vor sieben Jahren).

Noch jünger sind die meisten Händler an der Wall Street, laut "Bloomberg"  unter Berufung auf die Gehaltsvergleichsseite Emolument im Durchschnitt 30 Jahre. Fast ein Drittel hat im gesamten Berufsleben nur mit dem aktuellen Leitzinsniveau von 0 bis 0,25 Prozent, mit einer Volkswirtschaft am Rand der Deflation zu tun gehabt.

Eine Zinswende nach oben (zuletzt 2004) hat das älteste Drittel der Trader aktiv erlebt. Sollte es bald wieder so weit sein, wäre es für das Gros derjenigen, die Wertpapiere handeln, das erste Mal - was die Frage aufwirft, wie die Märkte mit der neuen Erfahrung umgehen werden.

Die Entscheidungsträger an der Spitze der Notenbank Federal Reserve, die an diesem Donnerstag den Hebel umlegen könnten, sind eine andere Alterskohorte. Neil Irwin vom "New-York-Times"-Blog "The Upshot" hat auch deren mittleres Alter errechnet : 58 Jahre. Geldpolitisch geben die Baby Boomer, die geburtenstarken Jahrgänge zwischen 1946 und 1964, den Ton an. Und nach deren biografischer Erfahrung sind Nullzinsen eine Anomalie. Die Wende wäre für sie eine Rückkehr zur Normalität.

Irwin vergleicht die geldpolitische Haltung der Fed-Manager mit den Inflationsraten, die sie als junge Erwachsene erlebt haben.

Die 66-jährigen "Falken" haben hohe Inflationsraten noch erlebt

Am stärksten von den Ölkrisen der 70er Jahre und der Angst vor der Entwertung des Geldvermögens geprägt sind offenbar die 66-jährigen Richard Fisher und Charles Plosser. Beide warnen seit Jahren unermüdlich vor einer drohenden Inflation und fordern höhere Zinsen als Gegenmittel. Fisher begann auch noch in den 70er Jahren eine Wall-Street-Karriere im Handel mit Anleihen und Devisen.

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Die Fed-Flüsterer: Wer will die Zinserhöhung, wer warnt?

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Am anderen Ende des Spektrums steht Narayana Kocherlakota, mit 51 Jahren der Jüngste im Offenmarktausschuss der Fed - und der stärkste Vertreter der "Tauben", die entgegen den "Falken" wenig die Sorge um den Geldwert umtreibt und mehr die um den Arbeitsmarkt. In Kocherlakotas jungen Erwachsenenjahren betrug die durchschnittliche Inflationsrate 3,3 Prozent, während sie zu Fishers Zeit mit über 6 Prozent außer Kontrolle schien.

Der statistische Zusammenhang sei zwar nicht eindeutig, räumt Blogger Irwin ein, "aber da könnte etwas sein".

Die Einwände liegen nah: Fed-Präsidentin Janet Yellen (69) und ihr Stellvertreter Stanley Fischer (71) sind zwar alt, werden aber auch eher zu den Tauben gezählt. Höhere Zinsen mögen für sie normal erscheinen, aber nicht unbedingt als das Richtige, was die US-Wirtschaft mit Inflation immer noch nahe Null braucht.

Die Oberfalken Fisher und Plosser sind beide im März in den Ruhestand gegangen - wenn die lang ersehnte Zinswende kommt, dann ohne ihre Stimmen. Vielleicht aber liefert Irwins Index auch einen Hinweis, dass die Fed sich damit doch noch etwas Zeit lassen dürfte.


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