Weltwirtschaftsforum in Davos - nach Boykottdrohung Russische Oligarchen dürfen doch kommen

Weltwirtschaftsforum in Davos: Ende Januar treffen sich die Vertreter aus den G20-Ländern

Weltwirtschaftsforum in Davos: Ende Januar treffen sich die Vertreter aus den G20-Ländern

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Es sind nur noch einige Wochen, dann versammeln sich am 22. Januar 2019 beim Weltwirtschaftsforum (WEF) in Davos wieder führende Wirtschaftsexperten, Politiker, Intellektuelle und Journalisten aus aller Welt. "Wir freuen uns, dass Russland auch eine hochrangige Regierungsdelegation nach Davos entsenden wird", sagte WEF-Geschäftsführer Alois Zwinggi nun am Sonntag. "Um den drängenden globalen Herausforderungen zu begegnen, brauchen wir auf der Jahrestagung alle relevanten Parteien", fügt er hinzu.

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Weltwirtschaftsforum in Davos: Streit um drei russische Oligarchen

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Dass Zwinggi die russische Teilnahme so sehr hervorhebt, hat einen Grund: Im Vorfeld hatte Russland damit gedroht, die Veranstaltung komplett zu boykottieren. Hintergrund war, dass die Organisatoren die drei russischen Geschäftsmänner Oleg Deripaska (50), Viktor Vekselberg und Andrei Kostin von dem Treffen ausschließen wollten, da diese von US-Sanktionen betroffen seien, heißt es in der "Financial Times" (FT).

Doch nun wieder alles zurück. "Davos verneigt sich vor Russland", titelt die "FT" ihren Bericht vom Wochenende. "Nach Gesprächen mit allen relevanten Parteien und sorgfältiger Berücksichtigung der internationalen rechtlichen Rahmenbedingungen und der starken Unterstützung der Schweizer Regierung können wir Geschäfts- und Politikführer aus allen G20-Ländern beherbergen", betont Zwinggi in der Zeitung.

Ob die drei zuvor ausgeschlossenen Geschäftsmänner an dem Treffen tatsächlich teilnehmen oder andere Vertreter Russlands in Davos auftreten, steht laut FT derzeit noch nicht fest. Wie sich mittlerweile herausstellte, sind die Auflagen auch hoch. So dürfen die drei Unternehmenschefs nicht mit amerikanischen Bürgern reden oder Geschäfte machen, noch sich in ein Hotel oder Flug einbuchen, in dem ein Amerikaner anwesend ist, schreibt die "Neue Züricher Zeitung" unter Berufung auf das russische Portal "The Bell". Auch dürfen sie nicht an Diskussionen und Vorträgen teilnehmen, an denen Amerikaner mitwirken, sowie keine Infrastruktur von US-Unternehmen wie Cloud-Dienste und Server nutzen.

Russlands Präsident Vladimir Putin hatte noch vor wenigen Tagen verlautbart, jede Person habe als freier Mensch, das Recht selber zu entscheiden, ob sie teilnehmen werde oder nicht. Am Montag hieß es, der Kreml freue sich über die Einladung für die beiden Milliardäre Derispaska und Vekslberg sowie für den Bank-Chef Kostin. Laut FT werde Russland jedoch erst in den kommenden Wochen über Vertreter und Größe der Delegation entscheiden. Putin selbst ist nach 2009 nicht mehr auf der Konferenz gesehen worden. Sprecher der drei Magnaten waren für einen Kommentar der Zeitung zufolge nicht zu erreichen.


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Die drei russischen Geschäftsmänner gehörten bislang seit Jahren zu den prominenten Vertretern Russlands in Davos. Die schillernden Partys von Deripaska während des WEFs gelten als legendär. Hier stießen Politiker und Manager aus aller Welt gerne mit Champagner an. Der Milliardär ist Gründer und Eigentümer von einer der größten russischen Industriegruppen, der Basic Element, gleichzeitig Präsident der En+ Gruppe und Gründer und Miteigentümer des russischen Rusal-Konzerns, des zweitgrößten Aluminiumherstellers der Welt. Zuletzt wollte er jedoch seine Beteiligung an Rusal unter 50 Prozent senken. Auch litten die Geschäfte seiner Unternehmen unter den Sanktionen merklich.

Die drei Geschäftsmänner sind neben neun weiteren russischen Geschäftsleuten von den USA im April auf die Sanktionsliste gekommen, nach der kein US-Bürger mit ihnen Geschäfte machen darf. Der Grund für die Sanktionen war der Giftanschlag auf den Doppelagenten Sergej Skripal in Großbritannien.

aktualisiert am 18.12.2019