Mittwoch, 22. Mai 2019

Angela Merkels Rede in Davos "Bankenkrise steckt uns heute noch in den Knochen"

Angela Merkel sprach am Mittwoch beim Weltwirtschaftsforum m schweizerischen Davos

Weltklima, Brexit, Bankenkrise, Weltordnung - Angela Merkel hat beim Weltwirtschaftsforums in Davos kein großes Thema ausgelassen. Dabei richtete sie zugleich zwei Appelle an die versammelte Wirtschafts- und Politikelite.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat die Industrieländer aufgefordert, ihrer Verantwortung für das Weltklima gerecht zu werden. "Ich bin zutiefst überzeugt, dass die Klimaveränderung für uns, für die gesamte Welt, eine Riesenbedeutung hat", sagte sie am Mittwoch beim Jahrestreffen des Weltwirtschaftsforums in Davos. Die Industrieländer hätten die Fähigkeit und auch die Verantwortung, Technologien zu entwickeln, von denen andere dann profitieren könnten.

In Deutschland werde angesichts des geplanten Kohleausstiegs in den kommenden Jahrzehnten Erdgas eine größere Rolle spielen, erklärte die Kanzlerin. Das werde weiterhin aus Russland kommen, möglicherweise aber auch als Flüssiggas aus den USA und anderen Ländern. Die Infrastruktur werde in alle Richtungen ausgebaut. "Wenn wir aus der Kohle aussteigen, wenn wir aus der Kernenergie aussteigen, dann müssen wir den Menschen ehrlich sagen, werden wir mehr Erdgas brauchen", sagte Merkel.

Merkel setzt auf geregelten Brexit

Trotzt des Wirrwarrs in London setzt Merkel weiter auf einen geregelten Austritt Großbritanniens aus der EU. "Mein ganzes Sinnen und Trachten richtet sich darauf, dass in einer geregelten Form hinzubekommen, in der wir eine gute Partnerschaft haben können zum Wohle aller."

Bei innerer und äußerer Sicherheit sowie der Verteidigung sei man dringend auf eine Kooperation mit den Briten angewiesen. "Aber wir sind eben auch ein Handelsraum, und je näher und unkomplizierter unsere Beziehungen sind, umso besser", betonte Merkel. Das liege aber auch in der Hand Großbritanniens.

"Bankenkrise steckt uns heute noch in den Knochen"

Merkel forderte die versammelte Wirtschafts- und Politik-Elite in Davos zugleich auf, alles zu tun, um eine Wiederholung der Bankenkrise von vor mehr als zehn Jahren zu verhindern. Die Zinspolitik der großen Notenbanken zeige, "dass wir letztendlich immer noch an dieser Krise knabbern, dass wir immer noch nicht raus sind".

Durch die Bankenkrise habe man sich auch Raum für mögliche kommende Aufgaben genommen. Man müsse deshalb möglichst schnell wieder zur Normalisierung zurückkommen. "Wenn man ehrlich ist, steckt uns diese Krise heute noch in den Knochen", sagte Merkel. "Sie hat unglaublich viel Vertrauen gekostet in der Politik, aber auch im Bereich der Wirtschaft, insbesondere im Finanzsektor."

"Internationale Organisationen müssen sich verändern"

Schließlich sprach sich Merkel für eine Reform internationaler Organisationen aus. Denn die internationale Ordnung gerate durch die sich wandelnden Kräfteverhältnisse auf der Welt unter Druck. Länder wie China und Indien beeinflussten die Weltwirtschaft inzwischen viel stärker. Wenn ein bestehendes System aber zu langsam darauf reagiere, sei die Folge, dass sich andere Institutionen bildeten.

Merkel nannte als Beispiel die Bildung einer asiatischen Investitionsbank als Gegengewicht zur Weltbank. Sie sagte weiter: "Wenn China sich ein 16 plus 1-Format sucht, um mit Teilen der Europäischen Union zusammenzuarbeiten, dann ist das wie ich finde ein Warnschuss."

Bei einer Reform internationaler Organisationen müssten sich neue "Kräfteverhältnisse" in der Welt widerspiegeln. Reformen seien schwierig, aber notwendig. Merkel wies auf Änderungen hin beim Internationalen Währungsfonds sowie bei der Weltbank. Die CDU-Politikerin bekannte sich erneut zum Multilateralismus. Eine globale Architektur werde nur funktionieren, wenn Kompromissfähigkeit bestehe.

rei mit Nachrichtenagenturen

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