Dienstag, 2. Juni 2020

Corona-Massentest in Elf-Millionen-Metropole Wuhan testet mehr als 200.000 Menschen an einem Tag

Corona-Teststation in Wuhan am Freitag

Die chinesische Millionenmetropole Wuhan fährt die Coronavirus-Tests hoch. Am Samstag seien 222.675 Einwohner überprüft worden, teilen die örtlichen Gesundheitsbehörden mit. Am Freitag waren es 113.609, am Donnerstag 72.791. Über die drei Tage wurden 28 Infizierte gefunden, von denen keiner Symptome der Krankheit Covid-19 zeigt.

Weil am vergangenen Wochenende wieder ein lokaler Infektionscluster auftrat, hat die Stadtverwaltung die gesamte Bevölkerung aufgerufen, sich auf Covid-19 testen zu lassen. In der Elf-Millionen-Einwohner-Stadt hatte die Pandemie vor Monaten ihren Ursprung. Am 8. April wurde die radikale Ausgangssperre nach zehn Wochen aufgehoben. Viele Treffpunkte wie Kinos oder Speisesäle blieben aber geschlossen.

Der neue Massentest dürfte weltweit mit Abstand der größte Versuch sein, die Infizierten systematisch zu finden. In Wuhan veröffentlicht die Stadt erst seit 21. Februar Zahlen über die durchgeführten Corona-Tests. China insgesamt macht als eines von wenigen Ländern keine offiziellen Angaben.

Laut einer Übersicht der Statistik-Website Worldometers führen die USA mit 11,1 Millionen Corona-Tests die Rangliste an, was ungefähr der Bevölkerung Wuhans entspricht, aber nur ein Dreißigstel der US-Bevölkerung ausmacht - wobei die Amerikaner uneinheitlich sowohl getestete Personen als auch durchgeführte Tests zählen, also etliche Menschen mindestens doppelt in der Statistik auftauchen dürften. In Deutschland wurden bislang gut 3,1 Millionen Corona-Tests durchgeführt.

Einem Bericht der Nachrichtenagentur Reuters zufolge äußerten manche Anwohner in Wuhan am Samstag die Sorge, die Tests könnten selbst zu einem Infektionsherd werden. In den sozialen Medien sei die Sicherheit ein großes Thema. Viele der Befragten jedoch erklärten, sie unterstützten die Kampagne.

Für die Aktion wurden provisorische Testzentren auf den Straßen errichtet, an denen sich lange Schlangen bildeten. Laut Reuters wurden die aufgeklebten Abstandszeichen ebenso oft beachtet wie nicht. An manchen Orten machten die freiwilligen Helfer, die patrouillierten und Desinfektionsmittel versprühten, gar keine Anstalten, die Wartenden voneinander zu trennen - oder die Schlangen wurden so lang, dass an deren Ende keine Helfer und keine Markierungen mehr zu finden waren.

ak/reuters

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