Donnerstag, 2. April 2020

Coronavirus unterbricht Lieferketten Jeder fünfte deutsche Manager bangt um Produktion

Desinfektion eines Geschäftsraums in Qingdao: Lieferketten sind zum Teil unterbrochen, auch zahlreiche deutsche Unternehmen sind betroffen

Das Coronavirus droht die eng vernetzten globalen Lieferketten zu unterbrechen und damit auch die Konjunktur zu bremsen: Wie soll eine Supply Chain funktionieren, wenn Menschen Angst vor Ansteckung haben, die Logistik abgeschnitten wird und Entscheider sich nicht mehr sehen können? Sind die Ängste um mögliche Produktionsstopps und eine Abschwächung der Weltkonjunktur durch das Virus begründet oder aufgebauscht? Die Einkaufsberater der Kloepfel Group haben 243 Fach- und Führungskräfte der deutschen Industrie und des deutschen Handels im Rahmen einer Online Umfrage vom 3. bis 6. Februar befragt.

28 Prozent verzeichnen Lieferausfälle, 19 Prozent fürchten Stillstand

Das Ergebnis: Die Mehrheit (42 Prozent) ist bisher noch nicht von Lieferantenausfällen betroffen. 28 Prozent verzeichnen zwar Ausfälle von Lieferanten, können aber kurz- bis mittelfristig alternative Lieferanten aktivieren. 19 Prozent befürchten, dass Lieferengpässe ihre Produktion stilllegen. Unterdessen haben 9 Prozent Lieferengpässe, aber diese werden nach eigenen Angaben nicht zu einem Produktionsstillstand führen. Nur gut 2 Prozent der Teilnehmer ist in keiner Weise von Lieferantenausfällen betroffen.

41 Prozent müssen Projekte unter Mehrkosten verschieben

Auch hier berichtet die große Mehrheit der Befragten mit 42 Prozent, dass sie Projekte weiterhin wie geplant durchführen können. Allerdings müssen mit knapp 41 Prozent fast genauso viele Projekte verschieben, was sie laut Umfrage viel Geld kostet. 9 Prozent können Projektpläne nicht einhalten und befürchten, dass dies sogar deren Existenz gefährdet. Weitere 8 Prozent müssen zwar ein geplantes Projekt terminlich verschieben, jedoch sei dies problemlos.

Mehrheit der Befragten hat Verbindung zu China

81 Prozent der Befragten gab an, dass sie von wichtigen Lieferanten aus China beliefert werden. Rund jeder Dritte (35 Prozent) arbeite dort mit wichtigen Kunden zusammen. Ein Drittel (33 Prozent) produziert direkt in China. 4 Prozent haben keine Verbindung zum Riesenreich.

Maßnahmen von Regierungen oder Airlines notwendig

58 Prozent halten die Maßnahmen von Regierungen und Fluggesellschaften zum Schutz vor Ansteckung für sinnvoll. 42 Prozent hingegen finden die Maßnahmen teilweise sinnvoll und teilweise übertrieben. Alle Befragten sind aber grundsätzlich der Meinung, dass weiterhin Vorsorge getroffen werden muss. Niemand hielt die Mittel zur Bekämpfung des Coronavirus für unnötig.

Mit 63 Prozent gab die Mehrheit der befragten Manager und Fachkräfte an, dass sie froh sind, über die Medien aufgeklärt zu werden. Nur gut jeder Dritte (37 Prozent) der Befragten findet die aktuelle Berichterstattung überzogen.

mmo

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