Montag, 30. März 2020

Weltgrößter Staatsfonds büßt viel Geld ein Norwegen-Fonds verliert 100 Milliarden Euro in Corona-Krise

Ölplattform in Norwegen: Aus dem Öl- und Gasgeschäft speisen sich die Einnahmen des norwegischen Staatsfonds

Die Corona-Krise kommt dem weltgrößten Staatfonds teuer zu stehen. Der norwegische Vermögensverwalter verlor wegen der Kursturbulenzen an den Aktienmärkten in diesem Jahr bisher 1,33 Billionen Norwegische Kronen (115 Milliarden Euro), wie der Staatsfonds mitteilte. In Dollar gerechnet haben die Beteiligungen jetzt einen Wert von 930 Milliarden, nachdem es Ende 2019 noch mehr als eine Billion Dollar waren.

Das Aktienportfolio büßte in diesem Jahr bislang 22,8 Prozent seines Wertes ein. Das gesamte Investitionsportfolio - zu dem beispielsweise auch Immobilien und Anleihen gehören - verlor 16,2 Prozent. Damit wurde der im vergangenen Jahr erzielte Wertzuwachs von rund 20 Prozent fast vollständig vernichtet. Trotz des Rückschlags soll weiterhin in Aktien investiert werden: Der Anteil soll sogar von aktuell 65 auf 70 Prozent hochgefahren werden.

Gesteuert wird der bei der Zentralbank angegliederte Vermögensverwalter ab September vom Hedgefonds-Manager Nicolai Tangen, der derzeit Chef von AKO Capital ist. "Das ist nicht nur ein Traumjob, das ist mein Jugendtraumjob", sagte Tangen. Der Norweger kann auf eine illustre Karriere zurückblicken: Vor der Gründung von AKO studierte er Finanzen an der Wharton School sowie Kunstgeschichte und Psychologie in London; in den 80er Jahren arbeitete er für den norwegischen Geheimdienst und wurde dort unter anderem in Befragungstechniken ausgebildet.

Der scheidende Vorstandsvorsitzende Yngve Slyngstad hatte bereits im vergangenen Oktober angekündigt, sein Amt nach dem Sommer nach zwölf Jahren aufzugeben. Während seiner Amtszeit stieg der Wert des Fonds dank der boomenden Aktienmärkte und der soliden Einnahmen aus der norwegischen Öl- und Gasindustrie stark.

Der Fonds, der sich aus den Einnahmen aus der Öl- und Gasgeschäft speist, ist etwa dreimal so viel wert wie das jährliche Bruttoinlandsprodukt Norwegens. Seine Erträge sichern den umfangreichen Wohlfahrtsstaat ab.

Der Fonds hält Beteiligungen an mehr als 9000 Unternehmen weltweit. Er besitzt 1,5 Prozent aller globalen börsennotierten Aktien. Die Beteiligungen an Apple und Microsoft trugen 2019 am meisten zur Rendite des Fonds bei, gefolgt von Nestle. Nokia, Pfizer und Swedbank entwickelten sich hingegen am schlechtesten.

wed/rtr

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