Mittwoch, 8. April 2020

Großteil der Betriebe betroffen Italien schließt "nicht lebenswichtige" Firmen

Die Regierung Italiens hat die Schließung "nicht lebensnotwendiger" Unternehmen angeordnet. Die Produktion von Mundschutzmasken wie hier in einem Werk der Miroglio-Gruppe dürfte sicher weitergehen.
Foto: Marco Alpozzi/LaPresse/dpa
Die Regierung Italiens hat die Schließung "nicht lebensnotwendiger" Unternehmen angeordnet. Die Produktion von Mundschutzmasken wie hier in einem Werk der Miroglio-Gruppe dürfte sicher weitergehen.

Angesichts der ungebrochen rasanten Ausbreitung des Coronavirus fährt Italien seine Wirtschaft immer weiter herunter und macht bis für zwei Wochen alle nicht versorgungsrelevanten Fabriken und Unternehmen dicht. Bis auf die Betriebe, die für die Aufrechterhaltung der Lieferkette des Landes unerlässlich seien, müssten alle Unternehmen bis zum 3. April ihre Produktion stoppen und schließen, kündigte Ministerpräsident Giuseppe Conte am Samstagabend an.

Supermärkte, Apotheken, Post-Dienste und Banken sollen weiterhin geöffnet bleiben. Auch wichtige öffentliche Dienstleistungen würden gewährleistet. "Es ist die schwerste Krise in unserer Nachkriegszeit", betonte Conte. Erst am Freitag hatte Italien die Ausgangsbeschränkungen verschärft.

"Wir verlangsamen den Produktionsmotor des Landes, aber wir halten ihn nicht an", sagte Conte in einer Videoübertragung auf seiner Facebook-Seite. Es wird erwartet, dass die Regierung am Sonntag eine Notverordnung veröffentlichen wird. Zuvor hatte der Zivilschutz knapp 793 neue Todesfälle gemeldet. Das ist der bislang größte Anstieg an einem Tag in Italien. Insgesamt starben in Italien bislang 4825 Menschen an der Atemwegserkrankung Covid-19. Es ist damit inzwischen das Land mit den meisten registrierten Todesfällen weltweit. Die Zahl der Infektionen stieg um 14 Prozent auf 53.578, die Zahl der Patienten auf Intensivstationen um rund 200 auf 2857.


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Bundesaußenminister Heiko Maas (SPD) versicherte angesichts der dramatischen Lage in Italien via Twitter: "Wir stehen an der Seite unserer italienischen Freundinnen und Freunde". Dies zeige Deutschland "auch mit medizinischer Schutzausrüstung, die wir vorgestern übergeben konnten".

Auch Russland sagte Italien Hilfe zu. Wie der Kreml mitteilte, sicherte Staatschef Wladimir Putin in einem Telefonat mit dem italienischen Regierungschef Conte zu, Italien Schutzausrüstung, mobile Desinfektionssysteme und medizinische Ausrüstung zur Verfügung zu stellen. Außerdem schicke Russland "Spezialisten als praktische Hilfe in die am stärksten betroffenen Gebiete" Italiens.

Spanien steht das Schlimmste noch bevor

Auch in Spanien verschärfte sich die Lage weiter. Die Zahl der Todesopfer stieg dem Gesundheitsministerium zufolge um 324 auf 1326, die Zahl der Infektionsfälle knapp 20.000 auf fast 25.000. Seinem Land stehe das Schlimmste noch bevor, warnte Ministerpräsident Pedro Sanchez am Samstagabend. "Wir haben noch nicht die Folgen der stärksten und schädlichsten Welle zu spüren bekommen, die unsere materiellen und moralischen Fähigkeiten bis an die Grenze testen wird, ebenso wie unsere Haltung als Gesellschaft". Spanien habe seit dem Bürgerkrieg von 1936 bis 1939, in dem rund eine halbe Million Menschen starben, keine so dramatische Situation mehr erlebt.

Die Sterblichkeitsrate in Spanien liegt nach den aktuellen Daten bei etwa fünf Prozent, wie Maria Jose Sierra vom Gesundheitsnotfallkomitee erläuterte. Sie deutete allerdings an, dass die tatsächliche Rate niedriger sei dürfte, da die Tests meist an Menschen im Krankenhaus durchgeführt worden seien und die Dunkelziffer bei den Infektionen deutlich größer sein könnte.

In Großbritannien schlug der britische Premierminister Boris Johnson Alarm. Wenn nicht alles unternommen werde, um das Virus einzudämmen, könne auch das britische Gesundheitssystem ähnlich wie das in Italien bald überlastet werden, sagte er unter anderem dem "Sunday Telegraph". Großbritannien sei nur "zwei bis drei Wochen" hinter Italien zurück. Die Zahl der Todesfälle auf der Insel stieg am Samstag um 56 auf 233.

Hoffnungsschimmer in Südkorea

Hoffnungsschimmer kamen erneut aus Asien. In Südkorea hielt der Abwärtstrend bei den Neuinfektionen an. Am Sonntag seien 98 neue Fälle gemeldet worden, teilen die Gesundheitsbehörden mit. Ende Februar waren es noch 909. China meldete 46 Neuinfektionen. Davon seien alle bis auf eine aus dem Ausland eingeschleppt worden, erklärten die Behörden. Dabei handelt es sich vor allem um chinesische Heimkehrer. Daneben sei in der südlichen Metropole Guangzhou erstmals eine Infektion registriert worden, die über eine Ansteckung von einer eingereisten Person erfolgt sei.

Die Corona-Pandemie war im Dezember in China ausgebrochen und breitete sich seitdem auf mehr als 160 Länder aus. Italien ist in Europa das am stärksten betroffene Land, bereits am Donnerstag überholte es China bei der Zahl der Todesopfer.

China meldete nach drei Tagen ohne neue Corona-Infektionen am Sonntag einen neuen Fall innerhalb des Landes. Zudem seien 45 weitere Infektionsfälle verzeichnet worden, in denen sich die Betroffenen im Ausland angesteckt hätten, teilten die Behörden mit.

Weltweit starben durch die Coronavirus-Pandemie mittlerweile mehr als 12.000 Menschen, wie eine Zählung der Nachrichtenagentur AFP auf Grundlage von Behördenangaben ergab. 7199 der Todesopfer wurden aus Europa gemeldet und 3459 aus Asien. In Deutschland starben nach Angaben des Robert-Koch-Instituts (RKI) bislang 46 Menschen, die Johns-Hopkins-Universität in den USA gibt die Zahl der Toten hierzulande mit 84 an.

rei/AFP/Reuters

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