Montag, 30. März 2020

Was die Weltwirtschaft noch erwartet Corona-Krise - wir sind erst in Phase 2

Schutzvorkehrungen nötig: Das Coronavirus trifft nicht nur die Menschen, sondern auch die globale Wirtschaft hart

Am Donnerstag zog die EZB im Kampf gegen eine drohende Rezession eine weitere milliardenschwere Finanzspritze auf. Die Reaktion der Finanzmärkte war eindeutig: Zu wenig, zu zaghaft, ungenügend. Auf den freien Fall folgte am Freitag zumindest in den USA ein erster Erholungsversuch, denn auch US-Notenbank Fed und die US-Regierung stemmen sich nun mit milliardenschweren Hilfsprogrammen gegen die Krise. Doch ist das Schlimmste damit bereits überstanden?

Daniel Stelter

Anlass, um den Ereignissen der vergangenen Wochen auf den Grund zu gehen. Und das Ergebnis der Analyse fällt ernüchternd aus: Wir befinden uns erst in Phase 2 einer vierstufigen Krise. Auf die Corona-Epidemie und die daraus folgende aktuelle Finanzkrise folgt ein deflationärer Schock für die Realwirtschaft, und am Ende steht die Frage, ob unser Geld- und Wirtschaftssystem wirklich noch funktioniert.

Phase 1: die Epidemie, die keine Krise werden musste

Wir hatten zunächst einen Ausbruch des neuartigen Virus in China, die dortigen Behörden gingen mit einer für westliche Gesellschaften bislang undenkbaren Konsequenz gegen das Virus vor und scheinen damit Erfolg zu haben: Die Infektionen gehen inzwischen zurück. Natürlich ist das Virus auch in China nicht besiegt, es wird bleiben, die Bevölkerung durchseuchen und China Jahre begleiten. Die Behörden haben aber Zeit gewonnen. Wir wissen, dass es vor allem darum geht, die Anzahl der schwerkranken Menschen über einen möglichst langen Zeitraum zu strecken, will man nicht durch den Kollaps des Gesundheitssystems die Anzahl der Toten in die Höhe treiben.

In der westlichen Welt herrschte zu dieser Zeit bei den politischen Verantwortlichen Tiefenentspannung. China ist weit und was wissen wir schon, was da auf einem lokalen Geflügelmarkt entkommen ist? Karneval muss gefeiert werden und Fußballspiele müssen stattfinden.

Dann tauchte das Virus plötzlich in Italien auf. Auch hier waren die Vorurteile schnell formuliert. Die Italiener haben geschlafen, sind ohnehin sehr alt und das Gesundheitssystem ist nicht so gut wie bei uns.

Jetzt ist das Virus überall. Statt aus den Erfahrungen der anderen Länder zu lernen, streiten sich unsere Politiker über Schulschließungen und Helden wie der Berliner Bürgermeister schütteln weiter Hände und machen sich über das Virus lustig, was ja nur so tödlich sei, wie ein normales Grippevirus. Dass dies aber auf eine ungeimpfte und nicht immune Bevölkerung trifft und es vor allem die Schwächsten erreicht, schien dem Bürgermeister nicht so wichtig.

Donald Trumps katastrophales Krisenmanagement

Da tröstet es nicht wirklich, dass es in den USA schlimmer zugeht. Die westliche Welt ist gerade drauf und dran, sich bei der Bekämpfung einer Gesundheitskrise historischen Ausmaßes bis auf die Knochen zu blamieren. Trump hat den Expertenstab für Pandemien im Weißen Haus bereits kurz nach seinem Amtsantritt aufgelöst. Er hat auch jetzt die Risiken durch das Virus heruntergespielt. Testkits waren im teuersten Gesundheitssystem der Welt tagelang nicht verfügbar, die Dunkelziffer an Infektionen in den USA ist entsprechend hoch. Erst mit wochenlanger Verspätung ruft Trump den nationalen Notstand aus und dürfte für sein schlechtes Krisenmanagement noch die Quittung bekommen.

Denn wie es geht, zeigen die Nachbarländer Chinas. Taiwan, Vietnam, Hongkong und Singapur haben es mit konsequenten Maßnahmen gleich zu Beginn der Epidemie geschafft, die Erkrankungszahlen gering zu halten. Obwohl die Länder direkt an China angrenzen, liegen die Zahlen der Infizierten absolut und relativ zur Bevölkerung deutlich unter den Werten in Europa. Selbst Südkorea, besonders von der Epidemie getroffen - unter anderem aufgrund einer Massenhochzeit -, beweist, wie gut man eine Epidemie in den Griff bekommen kann. Die Todesrate liegt deutlich unter der in anderen Ländern.

Dieser Erfolg der Asiaten ist kein Zufall. Sie haben die Erfahrungen mit SARS gemacht und daraus Schlüsse gezogen. Unsere Politiker hingegen halten es nicht für nötig, von anderen zu lernen, sondern müssen uns unbedingt die Erfahrung auch gönnen. Damit kam es zur Phase 1: der Virus-Krise.

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