Montag, 30. März 2020

Was die Weltwirtschaft noch erwartet Corona-Krise - wir sind erst in Phase 2

Schutzvorkehrungen nötig: Das Coronavirus trifft nicht nur die Menschen, sondern auch die globale Wirtschaft hart

4. Teil: Phase 4: Die Systemfrage wird offensichtlich

Es gärt schon seit Langem in den Gesellschaften des Westens. Spätestens seit der Finanzkrise ist klar, dass das Geldsystem durch die Fehlanreize der Notenbanken und durchaus im Interesse der Politiker immer mehr aus dem Ruder gelaufen ist. Im Kern lassen sich folgende Probleme diagnostizieren:

  • immer größerer Anteil des Finanzsektors an der Wirtschaftsleistung
  • zunehmende Zombifizierung der Realwirtschaft
  • abnehmende Produktivitätsfortschritte
  • stagnierende Realeinkommen
  • zunehmende Ungleichheit der Vermögensverteilung

Die Antworten zur Lösung dieser Probleme sind politisch nicht einfach: Geht es doch um eine Abkehr von der Droge des billigen Geldes, echte Reformen zur Steigerung der Produktivität und eine Reduktion der viel zu hohen Verschuldung. In Europa kommt das Konstrukt des Euro hinzu, dass statt zu einer Konvergenz zu einer zunehmenden Divergenz der Wirtschaften führt.

Die zweite Finanzkrise innerhalb von zehn Jahren und die demnächst offen wieder aufbrechende Eurokrise nach weniger als acht Jahren führen den Bürgern vor Augen, dass die Politik ihre Arbeit nicht macht. Die unzureichende Reaktion auf die Epidemie, also das Versagen, die Gesundheit der Bürger zu verteidigen, kommt hinzu und wird das Vertrauen in die politischen Eliten zusätzlich schwächen. Polarisierung und Radikalisierung werden zunehmen. Derweil beweisen die aufstrebenden Nationen Asiens, wie man es macht: gelenkte Wirtschaft, starker Staat, stabile Finanzsysteme.

Die Systemfrage liegt auf dem Tisch und der Westen macht keine gute Figur.

Ausblick: Phasen 1 bis 3 werden uns in diesem Jahr begleiten. Hoffen wir, dass es gelingt, sie so kurz und schmerzfrei wie (noch) möglich zu gestalten. Phase 4 gewinnt an Schwung und präsentiert uns allen die Rechnung für das Leugnen und Verschleppen grundlegender Probleme in den letzten Jahrzehnten. Ein "Weiter-so" wird es nicht geben.

Daniel Stelter ist Mitglied der MeinungsMacher von manager-magazin.de. Trotzdem gibt sein Kommentar nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder.

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