Dienstag, 25. Februar 2020

China ändert seine Statistik über Coronavirus-Erkrankungen Immer mehr Absagen für den Mobile World Congress

Coroanvirus: China führt künftig infizierte Personen, die aber keine Symptome zeigen, nicht mehr in der Statistik der Ansteckungen auf

13.43 Uhr - Der US-Sportartikel-Hersteller Under Armour erwartet 2020 infolge des Coronavirus-Ausbruchs in China einen Umsatzrückgang im niedrigen einstelligen Prozentbereich. Analysten hatten mit einem Plus von 4,2 Prozent gerechnet. Im ersten Quartal wird der Umsatz Firmenangaben zufolge bereits um 50 bis 60 Millionen Dollar geschmälert. Wegen des mauen Ausblicks trennten sich die Anleger von dem Nike- und Adidas-Konkurrenten: Die Aktie gab vorbörslich um 14,6 Prozent nach. In den vergangenen Tagen hatten auch etliche Luxusfirmen wie LVMH, Burberry oder Estee Lauder Einbußen durch das Virus beklagt.

11.57 Uhr - Auf dem wegen des neuen Coronavirus unter Quarantäne stehenden Kreuzfahrtschiff in Japan herrscht auch nach gut einer Woche weiter Unklarheit über das Ausmaß der Infektionen an Bord. In der Regierung werde darüber diskutiert, ob alle an Bord verbliebenen 3600 Menschen, darunter zehn deutsche Staatsangehörige, auf den Erreger getestet werden sollen, berichtete die japanische Nachrichtenagentur Kyodo am Dienstag. Die "Diamond Princess" verließ unterdessen zunächst den Hafen von Yokohama, das Schiff wurde am Donnerstag zurückerwartet, wie der japanische Fernsehsender NHK meldete.

Die Zahl der positiv auf den Erreger getesteten Personen an Bord war zu Wochenbeginn auf mehr als 130 gestiegen. Die Betroffenen wurden in Krankenhäuser gebracht. Da die meisten auf dem Schiff Verbliebenen noch nicht getestet sind, könnte die tatsächliche Zahl höher liegen. Alle Menschen an Bord auf das Coronavirus zu testen, gestalte sich schwierig, da es im Land nur eine begrenzte Zahl an Testgeräten gebe, hieß es.

11.30 Uhr - Aus Sorge vor dem neuartigen Coronavirus kann in Asien ein aus Hongkong kommendes Kreuzfahrtschiff in Thailand nicht andocken - obwohl keine Fälle an Bord bekannt sind. Thailands Gesundheitsminister Anutin Charnvirakul erklärte am Dienstag auf Facebook, er habe untersagen lassen, dass das Schiff festmacht. Zuvor hatten dies schon Taiwan und Japan verweigert, wie die Reederei Holland America Line schilderte. Ursprünglich wollte das Schiff rund 120 südöstlich von Bangkok anlegen.

11.29 Uhr - Zwei aus Wuhan evakuierte Japaner sind an dem neuartigen Coronavirus erkrankt, obwohl ihre Tests zuvor negativ ausgefallen waren. Wie das japanische Gesundheitsministerium am Dienstag mitteilte, wurde einer von ihnen sogar zwei Mal getestet, ohne dass das Virus entdeckt wurde. Beide Männer waren Ende Januar aus Wuhan, dem Epizentrum des Ausbruchs, ausgeflogen worden.

WHO-Chef Tedros Adhanom Ghebreyesus

11.15 Uhr - Der Chef der Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat die Welt angesichts des in China grassierenden neuen Coronavirus zur Solidarität aufgerufen. "Es geht jetzt nicht um Publikationen, Patente und Profite", sagte Tedros Adhanom Ghebreyesus am Dienstag zum Auftakt eines Expertengipfels in Genf. "Jetzt geht es darum, den Ausbruch zu stoppen und Leben zu retten. Mit Ihrer Unterstützung können wir das hinbekommen."

11.00 Uhr - Wirtschaftsweisen Volker Wieland rechnet damit, dass die Coronavirus-Krise in China zusehends zur Belastungsprobe für die exportabhängige deutsche Autobranche wird. "Es wird eine bedeutende Verwerfung für die Autoindustrie in diesem Quartal geben", so Wieland.

"Ich denke schon. Auf jeden Fall wird es beim Absatz in China einen Einbruch geben - wenn auch nur temporär." Wieland hält es für möglich, dass es nach Abklingen der Krise einen positiven "Rückpralleffekt" im nächsten und übernächsten Quartal geben wird.

10.13 Uhr - Der Autozulieferer Webasto öffnet am Mittwoch nach zwei Wochen seine Firmenzentrale in Stockdorf bei München wieder. Der Hersteller von Cabriodächern und Standheizungen hatte den Standort mit rund 1000 Mitarbeitern geschlossen, nachdem sich ein Mitarbeiter mit dem Coronavirus infiziert hatte. Insgesamt haben sich acht Webasto-Beschäftigte und vier Familienmitglieder angesteckt. Rund 180 waren getestet worden. "Es sieht so aus, als hätten wir durch unser schnelles und entschiedenes Handeln nach dem ersten positiven Test die Infektionskette im Unternehmen unterbrochen", sagt Vorstandschef Holger Engelmann. Geschäftsreisen nach China blieben aber bis Ende Februar verboten.

08.26 Uhr - Chinas Präsident Xi Jinping warnt Insidern zufolge vor den wirtschaftlichen Folgen durch die Bekämpfung des neuartigen Coronavirus. Einige der Maßnahmen gegen die Ausbreitung der gefährlichen Lungenkrankheit schadeten der Konjunktur, sagte Xi laut Teilnehmerkreisen bei einem Treffen des ständigen Ausschusses des Politbüros Anfang vergangener Woche. Er drang demnach darauf, von "restriktiveren Maßnahmen" abzusehen.

Dem Nationalen Institut für Finanzen und Entwicklung zufolge könnte der Ausbruch des Coronovirus das chinesische Wirtschaftswachstum in diesem Jahr um bis zu einen Prozentpunkt dämpfen. "Kurzfristig können die Auswirkungen der Epidemie auf die Wirtschaftstätigkeit nicht ignoriert werden - vor allem, da Dienstleister und kleine Unternehmen mit knappen Kapitalzuflüssen einem größeren Druck ausgesetzt sind", sagte der stellvertretende Institutschef Zeng Gang.

Pause für medizinisches Personal in Hongkong

08.25 Uhr - China ändert seine Statistik über die Coronavirus-Erkrankungen: So werden nachweislich mit dem neuen Coronavirus infizierte Personen, die aber keine Symptome zeigen, nicht mehr in seiner Statistik der Ansteckungen aufgeführt. Das ging am Dienstag aus neuen Bestimmungen zur Vorbeugung und Kontrolle der nationalen Gesundheitskommission in Peking hervor, die schon am vergangenen Freitag erlassen wurden. Erst wenn Krankheitssymptome aufträten, werde die Person als "infiziert" geführt, heißt es darin. Wie viele Infektionen damit gar nicht erst erfasst werden, ist unklar, ebenso ob damit der leichte Rückgang der Neuinfizierten zu erklären ist. Generell dürfte die Dunkelziffer nicht registrierter Fälle immens sein. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hatte in ihren täglichen Pressekonferenzen zum Virus zuletzt betont, dass rund 80 Prozent der Infektionen einen milden Verlauf nähmen.

Ein Grund, warum die Statistik geändert wurde, wurde nicht genannt. Seit Ende vergangener Woche wächst der täglich verkündete Anstieg der neu nachgewiesenen Ansteckungen mit der Lungenkrankheit nicht mehr so stark wie zuvor. In welchem Ausmaß die neue Art, die Zahlen zu erfassen und zu berichten, dahinter steckt, war zunächst unklar.

Die neue Definition widerspricht den Vorgaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO), die als Infizierten jemanden betrachtet, bei dem eine 2019-nCoV-Infektion durch ein Labor bestätigt wurde - "ungeachtet klinischer Zeichen oder Symptome".

06.20 Uhr - Der japanische Mobilfunkanbieter NTT Docomo, Sony und der kalifornische Chipriese Intel ziehen ihre Teilnahme am Mobile World Congress (MWC) in Barcelona wegen des Coronavirus-Ausbruchs zurück. Auch Amazon, die südkoreanische LG Electronics, der schwedische Anlagenbauer Ericsson und der US-Chiphersteller Nvidia haben bereits abgesagt. In 2019 zählte die größte Messe der Telekommunikationsbranche mehr als 100.000 Besucher und mehr als 2.400 Aussteller.

06.15 Uhr - Zwei chinesische "Bürgerjournalisten", die über den Ausbruch des Coronavirus und die überfüllten Krankenhäusern in Wuhan im Internet berichtet haben, sind von der chinesischen Polizei festgesetzt worden. Wie die internationale Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch am Dienstag unter Hinweis auf Familie und Freunde berichtete, hätten Polizisten den Anwalt Chen Qiushi und den Blogger Fang Bin "unter dem Vorwand der Quarantäne abgeholt".

Seither seien beide nicht mehr über ihr Handy erreichbar, was in Isolation normalerweise möglich sein müsste. Keiner von beiden habe Symptome einer Infektion gehabt. "Wer in normaler Quarantäne steckt, kann telefonieren", sagte die in New York ansässige Forscherin Wang Yaqiu von Human Rights Watch. "Beide haben die Zustände in Wuhan untersucht und unverblümt darüber gesprochen."

Die Videos von Fang Bin, der auch Leichensäcke gefilmt und auf Youtube hochgeladen hatte, waren um die Welt gegangen. Auch Chen Qiushi hatte in den überforderten Krankenhäusern der schwer betroffenen Stadt Wuhan gefilmt. "Es gibt nicht genug Gesichtsmasken, nicht genug Schutzanzüge, nicht genug Material und was noch wichtiger ist, nicht genug Tests", schilderte Chen Qiushi in einem Video.

05.55 Uhr - Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) richtet am Dienstag und Mittwoch einen Expertengipfel zum Coronavirus aus. Die WHO erhofft sich so einen schnellen und fundierten Austausch der bisherigen Erkenntnisse zu der mysteriösen Lungenkrankheit. WHO-Generaldirektor Tedros Adhanom Ghebreyesus erklärte vorab, dass bei der Konferenz die Wissenschaft im Fokus stehen soll. Eine Politisierung der Veranstaltung lehnte er ab. "Lassen Sie uns auf diesen allgemeinen Feind der Menschheit konzentrieren", sagte Tedros am Montag in Genf.

Die weltweit führenden Fachleute wollen sich in den zwei Tagen unter anderem mit Therapien, der möglichen Quelle des Virus und seiner Übertragbarkeit befassen. Auch mögliche Impfungen sollen thematisiert werden.

05.43 Uhr - Die Börse in China und Hongkong startet am Dienstag mit einem Aufschwung. Zum einen fahren die Fabriken in China wieder langsam ihre Produktion hoch, zum anderen hat sich die Zahl der Neuinfektionen in China verlangsamt, doch könnte letzteres mit einer Änderung der Statistik einhergehen.

Nach Angaben der Gesundheitsbehörden sind bislang 1016 Menschen an dem Conoravirus gestorben. Das sind 108 mehr als am Vortag, darunter allein 103 aus der besonders stark betroffenen chinesischen Provinz Hubei rund um die Millionenstadt Wuhan. Die Zahl der festgestellten Infektionen stieg um 2478 auf 42.638. Am Montag waren es noch über 3000 Neuinfektionen.

05.05 Uhr - Der Apartment-Vermittler Airbnb hat Vermietungen in der chinesischen Hauptstadt Peking aufgrund des Coronavirus vorübergehend gestoppt. Bis Ende Februar könnten dort keine Unterkünfte gebucht werden, teilte das US-Unternehmen am Montag mit. Bereits bestehende Reservierungen werden storniert.

Airbnb reagiere mit dem Schritt auf den "neuartigen Coronavirus-Ausbruch" und folge den Vorgaben der regionalen Behörden. Alle von Stornierungen betroffenen Kunden sollen entschädigt werden. Zudem werde sorgsam an Lösungen gearbeitet, um die Gastgeber zu unterstützen, versprach die Buchungsplattform in der Mitteilung.

04.03 Uhr - Singapur rechnet nach Angaben des Tourismusverbands in diesem Jahr infolge des neuen Coronavirus-Ausbruchs mit einem Rückgang der Besucherzahlen um 25 bis 30 Prozent. "Die Situation in diesem Jahr wird mindestens so ernst wie bei SARS sein, möglicherweise noch schlimmer", sage Keith Tan, Vorsitzender des Tourismusverbands in Singapur. Beim Ausbruch des schweren akuten Atemwegssyndroms im Jahr 2003 kamen in dem Stadtstaat mehr als 30 Menschen ums Leben. Tan ergänzt, dass der größte Teil des Besucherrückgangs bisher aus China aufgrund von Reisebeschränkungen stamme, aber dass auch Besucher aus anderen Ländern vermehrt Reisen nach Singapur zurückstellten oder annullierten. Die Ratingagentur Fitch schätzt, dass der Tourismussektor etwa 6 Prozent der Wirtschaft des wohlhabenden Insel- und Stadtstaates ausmacht.

03.52 Uhr - Vietnam bestätigt einen weiteren Fall des neuen Coronavirus. Wie das Gesundheitsministerium mitteilt, handelt es sich um ein drei Monate altes Baby, das sich bei seiner Großmutter infiziert habe. Damit erhöht sich die Gesamtzahl der Infizierten in Thailand auf 15, darunter 10 aus der nördlichen Provinz Vinh Phuc. Die Regierung in Vietnam sieht vor, 950 Bürger, die aus China einreisen, in Militäranlagen außerhalb Hanois unter Quarantäne zu stellen, weitere 900 sollen in verübergehenden Einrichtungen an der vietnamesisch-chinesischen Grenze untergebracht werden.

03.01 Uhr - Eine Person ist in San Diego (Kalifornien) am Coronavirus erkrankt. Das berichtet der lokale Fernsehsender 10News unter Berufung auf einer mit der Situation vertrauten Person. Die Person war an Bord des ersten US-Evakuierungsflugs aus Wuhan in Richtung Miramar.

02.26 Uhr - Der Parteichef der Gesundheitskommission in Hubei, Zhang Jin, und dessen Direktor, Liu Yingzi, sind nach Angaben des staatlichen Senders CCTV entlassen worden. Wang Hesheng - ein Mitglied des Komitees der Kommunistischen Partei in der Provinz Hubei und seit Jahren im öffentlichen Gesundheitssystem tätig- werde die Aufgaben übernehmen, berichtet CCTV.

02.17 Uhr - Mehr als 300 chinesische Unternehmen beantragen Kredite in Höhe von mindestens 8,2 Milliarden Dollar, um die wirtschaftlichen Auswirkungen des Coronavirus abzumildern, sagen zwei mit der Angelegenheit vertraute Bankmitarbeiter. Zu den potenziellen Kreditnehmern gehören unter anderem der Lebensmittellieferriese Meituan Dianping, der Smartphone-Hersteller Xiaomi, der Mitfahr-Anbieter Didi Chuxing Technology, das Gesichtserkennungs-Start-up Megvii und das Internet-Sicherheitsunternehmen Qihoo 360, erklären die Insider.

02.02 Uhr - Die Flugsicherheitsbehörde der Europäischen Union (EASA) sieht in ihrem jüngsten Bericht zu den Entwicklungen im Zusammenhang mit dem Coronavirus in China keinen Grund für eine operationelle Richtlinie. "Die Gewährleistung der Geschäftskontinuität auf allen Ebenen ist ein wesentlicher Bestandteil des Krisenmanagements. In diesem speziellen Fall steht die Kontinuität der gesundheitsbezogenen Tätigkeiten in direktem Zusammenhang mit der Kontinuität der Transportaktivitäten, da dies direkte Auswirkungen auf die Verfügbarkeit der erforderlichen Medikamente, Schutzausrüstungen und medizinischen Experten hat", erläutert die EASA ihre Entscheidung. Sie arbeite in diesem Fall eng mit der Weltgesundheitsorganisation zusammen.

01.27 Uhr - In China sind an dem Virus nach Angaben der Gesundheitsbehörden bislang 1016 Menschen gestorben. Das sind 108 mehr als am Vortag, darunter allein 103 aus der besonders stark betroffenen chinesischen Provinz Hubei rund um die Millionenstadt Wuhan. Die Zahl der festgestellten Infektionen stieg um 2478 auf 42.638.

akn mit dpa/rtr/ap/afp

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