Dienstag, 25. Februar 2020

Trotz Corona-Virus China kehrt langsam zur Normalität zurück

Überwachungsdrohne in China: Obwohl inzwischen mehr als 40.000 Menschen am Coronavirus erkrankt sind, kehren viele Menschen heute in ihre Büros und Fabriken zurück

Nach dem Ausbruch des neuartigen Coronavirus kehrt China nur langsam zur Normalität zurück. Menschen machten sich am Montag wieder auf den Weg zur Arbeit in den Büros und Fabriken des Landes, nachdem die Regierung einige Restriktionen lockerte. Bislang sind 27 Ausländer unter den Virus-Erkrankten in China. Zwei - ein Amerikaner und ein Japaner - sind nach Angaben des Außenministeriums gestorben.

Insgesamt fielen dem Virus in China bislang mehr als 900 Menschen zum Opfer, die Zahl der Krankheitsfälle liegt bei 40.171. Alleine am Sonntag wurden 97 Todesfälle gemeldet - so viele wie noch nie an einem Tag seit Ausbruch des Virus im Dezember. Der Erreger hat sich inzwischen auf mindestens 27 Länder und Regionen ausgebreitet, wo sich mehr als 330 Menschen ansteckten.

Die britische Regierung erklärte das Virus am Montag zu einer "ernsten und unmittelbaren Gefahr" für die öffentliche Gesundheit. Die chinesische Provinz Hubei und die Stadt Wuhan, die als Ursprung des Erregers gilt, stufte sie als "Infektionsgebiet" ein. Durch die Neubewertung der Lage erhält die Regierung zusätzliche Befugnisse zur Eindämmung des Virus. In Großbritannien wurden bislang vier Fälle von Coronavirus gemeldet. Britische Staatsangehörige, die aus Wuhan zurückgeflogen wurden, werden für 14 Tage unter Quarantäne gestellt.

Ein Expertenteam unter der Leitung der Weltgesundheitsorganisation (WHO) befand sich am Montag auf dem Weg nach Peking, um die Lage zu beurteilen. Der Wissenschaftler Wu Fan von der Fudan Universität in Schanghai erklärte, es gebe Hoffnung, dass die Ausbreitung des Virus bald einen Wendepunkt erreichen könnte. "Die Lage stabilisiert sich", sagte er mit Blick auf Shanghai, wo es 300 Krankheitsfälle und einen Toten gab.

Öffentliches Leben bleibt extrem eingeschränkt

In China ist durch die Epidemie das öffentliche Leben extrem eingeschränkt. Fabriken und Schulen wurden geschlossen, Fluggesellschaften strichen ihre Flüge in das Land. Auch in der Volksrepublik gibt es Verkehrseinschränkungen wegen der Virus-Krise. Die Behörden forderten die Unternehmen auf, bis zu zehn zusätzliche Tage auf die Neujahrsfeiertage aufzuschlagen, die Ende Januar endeten. Am Montag blieben zahlreiche Unternehmen noch geschlossen und viele Menschen arbeiteten von daheim. In einer der sonst vollsten U-Bahnlinien in Peking waren die Züge weitgehend leer. Nur einige Menschen machten sich mit Mundschutz auf dem Weg zur Arbeit, andere nahmen das Fahrrad.

Tesla, Daimler und Ford hatten angekündigt, die Produktion in ihren Fabriken am Montag wieder aufzunehmen. Der Unterhaltungselektronikkonzern Samsung plant, die Produktion in seiner TV-Fabrik im chinesischen Tianjin am 17. Februar hochzufahren. Der Betrieb in einem Haushaltsgerätewerk in China sollte am Montag wieder starten. Auch der taiwanesische Apple-Zulieferer Foxconn darf einem Insider zufolge die Produktion in China teilweise wieder aufnehmen.

Die chinesische Zentralbank hat unterdessen eine Reihe von Schritten zur Unterstützung der Wirtschaft eingeleitet und zusätzliche Milliarden in den Markt gepumpt. Laut Insidern wird die Notenbank wohl am 20. Februar den Leitzins kappen und binnen Wochen auch die Reserveanforderungen für die Banken weiter lockern. Damit soll mehr Geld für die Kreditvergabe losgeeist werden.

la/reuters

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