Corona-Jahr 2020 Chinas Wirtschaft wächst stärker als erwartet

Im Gegensatz zu den restlichen großen Volkswirtschaften ist Chinas Ökonomie im Corona-Jahr gewachsen - zwar so langsam wie seit 1976 nicht mehr, aber stärker als erwartet.
Container-Hafen Shanghai: China kam früher als andere Ökonomien aus dem Corona-Tal und versorgt während der Pandemie die Welt mit vielen gefragten Artikeln

Container-Hafen Shanghai: China kam früher als andere Ökonomien aus dem Corona-Tal und versorgt während der Pandemie die Welt mit vielen gefragten Artikeln

Foto: AFP

Trotz der Belastungen durch die Corona-Pandemie hat Chinas Wirtschaft im Jahr 2020 ein deutliches Wachstum geschafft. Wie das Pekinger Statistikamt am Montag mitteilte, wuchs die zweitgrößte Volkswirtschaft im abgelaufenen Jahr um 2,3 Prozent. Das Wachstum fiel damit größer aus, als viele Analysten erwartet hatten. China ist damit laut Prognosen die einzige große Volkswirtschaft, die 2020 nicht geschrumpft ist.

Zugleich ist es aber auch das geringste Wachstum seit dem Jahr 1976. 2019 hatte es noch zu einem Plus von rund 6 Prozent gereicht. Dennoch steht die Volksrepublik damit gut da, sind doch die anderen großen Volkswirtschaften nach Prognose internationaler Organisationen wie der OECD geschrumpft. Die deutsche Wirtschaft ist einer ersten Schätzung zufolge um 5,0 Prozent eingebrochen.

Da das bevölkerungsreichste Land der Erde das Coronavirus seit dem Sommer weitestgehend im Griff hat und nur vereinzelt Infektionen und kleinere Ausbrüche zählt, haben sich die wirtschaftlichen Aktivitäten wieder normalisiert. Die Stärke der Wirtschaft ließ sich zuletzt auch an den Außenhandelszahlen des Landes ablesen, mit denen es bereits seit Monaten bergauf geht. So waren die Exporte laut offiziellen Mitteilungen der vergangenen Woche allein im Dezember im Vorjahresvergleich um 18,1 Prozent gestiegen. Die Importe hatten um 6,5 Prozent zugelegt.

"Die chinesische Wirtschaftsentwicklung 2020 bot sicher einen der wenigen Lichtblicke in der Welt", sagte Max Zenglein vom China Institut Merics in Berlin. Deutsche Unternehmen habe der Aufschwung in China geholfen, um Einbrüche auf anderen Märkten zu kompensieren.

Chinas Wirtschaft reagierte schnell auf neue Nachfrage-Situation

Die starken Exportzahlen seien damit zu erklären, dass sich die chinesische Wirtschaft schnell auf die neue Nachfrage-Situation in anderen Staaten angepasst habe. So seien viel Elektronik für die Einrichtung von Homeoffice-Arbeitsplätzen als auch medizinische Schutzausrüstung aus China geliefert worden. Doch stellt der Exportweltmeister auch viele Güter her, die in der Corona-Pandemie weltweit gefragt sind - etwa Medizinausrüstung wie Masken.

Beobachter rechneten damit, dass China in diesem Jahr den Aufschwung fortsetzen wird. So ging der Internationale Währungsfonds (IWF) von einem Wachstum um 7,9 Prozent für 2021 aus. Neue Impulse werden durch den neuen Fünfjahresplan erwartet, der auf dem Volkskongress im März verabschiedet werden soll.

Der Plan setzt dort an, wo China in den vergangenen Jahren die größten Rückschläge hinnehmen musste. Der Handels- und Technologiekrieg der USA mit China hat die Abhängigkeit vom Ausland schmerzlich bewusst gemacht. Wie aus ersten Mitteilungen der Führungselite der Kommunistischen Partei zum neuen Plan hervorging, wird ein neuer Wirtschaftskurs eingeschlagen.

Binnenkonsum soll steigen, Unabhängigkeit von den USA wachsen

Heimische Nachfrage und eigene Innovation sollen noch stärker gefördert werden. China will sich damit unabhängiger von den USA und dem Rest der Welt machen.

Trotz der positiven Aussichten gibt es Warnungen vor weiterhin bestehenden Herausforderungen. Laut Experten Zenglein müsse auch in China die Corona-Lage weiter beobachtet werden. Zuletzt hatte es in der Provinz Hebei, die Peking umschließt, viele Infektionen gegeben. Zudem hätten die Behörden im Januar mehr als 28 Millionen Menschen unter häusliche Quarantäne gestellt, um die Ausbreitung der Krankheit einzudämmen. "Die steigenden, wenn auch regional begrenzten Coronafälle werden sich kurz vor dem bevorstehenden chinesischen Neujahrsfest zweifelsohne auf die Nachfrage auswirken", sagte Zenglein.

Insbesondere sei zu erwarten, dass der Dienstleistungssektor davon betroffen sein werde, wenn über die Feiertage auf Reisen und Restaurantbesuche verzichtet würde. Auch wenn die Situation nicht mit dem Vorjahr zu vergleichen sei, werde es auch 2021 kein unbeschwertes Neujahrsfest in China geben. Das chinesische Neujahr fällt in diesem Jahr laut dem traditionellen Mondkalender auf den 12. Februar.

rei/DPA, Reuters
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.