Hedgefonds-Heimat Connecticut mit Schuldenproblem Warum der reichste US-Staat vor einer Finanzkrise steht

Golfturnier in Connecticut

Golfturnier in Connecticut

Foto: AFP

Von außen gesehen, ist Connecticut wie geschaffen, um neidische und missgünstige Blicke anzuziehen. Der neuenglische Staat vor den Toren New Yorks ist die Nummer eins beim Pro-Kopf-Einkommen (71.033 Dollar).

An der Yale University in New Haven wird Amerikas Elite ausgebildet. In Greenwich residieren die meisten Hedgefonds-Milliardäre und andere Wall-Street-Granden. Und für Konservative, die Reichtum bewundern, bleibt auch ein Grund, Connecticut zu verabscheuen: weil der Staat durchweg Demokraten wählt, die dann auch noch die Steuern erhöhen.

"Connecticuts Experiment mit progressiven Steuern ist vor die Wand gefahren", höhnt das "Wall Street Journal" . Denn weil Firmen und Bürger abwandern, sei die Regierung jetzt so verzweifelt, Bleibeprämien auszuloben. Das Beispiel kommt gelegen, weil Kansas als konservativer Staat gerade mit dem gegenteiligen Experiment gescheitert ist, die Einkommensteuer abzuschaffen.

Tatsächlich bieten die Staatsfinanzen in Connecticut ein ganz anderes Bild als die weißen Villen zwischen Goldküste und Country Clubs, wie "The Atlantic" schreibt : Im laufenden Haushaltsjahr (für das noch kein Haushalt vom Staatsparlament beschlossen werden konnte) wird mit einem Defizit von 2,3 Milliarden Dollar oder 12 Prozent der Einnahmen gerechnet. Die Pensionen für Staatsdiener sind kaum gedeckt. Und die Hauptstadt Hartford stehe gar vor der Kommunalpleite.

Dem "Atlantic" zufolge liegt die Ursache jedoch außerhalb der Kontrolle der Staatspolitiker. Zum Teil leide Connecticut ausgerechnet unter der hohen Konzentration der Reichen. Ein Großteil der Einkommensteuereinnahmen sei von den Erträgen der Hedgefonds abhängig - und die liefen in den vergangenen Jahren nicht mehr so gut wie zuvor.

General Electric flieht aus dem "Leichenschauhaus" Connecticut

Ärmere Steuerzahler, die es in Connecticut durchaus auch gibt, wanderten wegen der hohen Lebenshaltungskosten (nicht nur Steuern) ab. Auch innerhalb der Staatsgrenzen spiegle sich die bundesweit wachsende Ungleichheit: Teile Connecticuts litten mit hohen Armutsquoten unter dem Niedergang der Industrie.

Wo hingegen die Finanzbranche für neue Jobs und Steuern gesorgt hatte, läuft schon wieder die nächste Welle der Abwanderung. Aktuell plant der Versicherungskonzern Aetna, seinen Hauptsitz von Hartford nach New York zu verlegen. Bereits im vergangenen Jahr zog die Zentrale von General Electric  nach mehr als 40 Jahren von Fairfield (Connecticut) nach Boston um. Das war wohl der härteste Schlag für die Staatsfinanzen.

Offiziell begründete GE den Schritt auch mit der Steuererhöhung in Connecticut. Allerdings liegt Boston im kaum billigeren Massachusetts, oft als Steuerstaat "Taxachusetts" geschmäht.

Dem "Wall Street Journal"  offenbarte GE-Finanzvorstand Jeffrey Bornstein, Boston habe gar nicht wegen des Geldes gelockt. Eher gehe es um "kulturelle Dynamik": "Ich kann aus meiner Tür treten und vier Startups besuchen. In Fairfield konnte ich nicht mal aus der Tür gehen und ein Sandwich kaufen." Das grüne Gartenidyll in Connecticut habe er als "Leichenschauhaus" empfunden.

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