Unabhängiger Index signalisiert Schrumpfung Chinas Industrie fällt stark zurück

Kein Wachstum mehr: Nach jüngsten Daten vom Samstag ist Chinas Industrie im Juli zum Stillstand gekommen

Kein Wachstum mehr: Nach jüngsten Daten vom Samstag ist Chinas Industrie im Juli zum Stillstand gekommen

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Massenweise gesenkte China-Prognosen: Für diese Großkonzerne wird es in China richtig eng

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Um die chinesische Industrie ist es schlechter bestellt als gedacht. Das hat sich bereits am Wochenende mit dem offiziellen Einkaufsmanagerindex für den Monat Juli angedeutet: Mit einem Wert von genau 50 markiert das Stimmungsbarometer in den Chef-Etagen der Unternehmen Stagnation. Die Nachfrage im In- und Ausland sei zurückgegangen, hieß es.

Der nun am Montagmorgen von nichtstaatlichen Stellen veröffentliche Caixin/Markit-Einkaufsmanagerindex zeigt nach endgültigen Daten, dass mit 47,8 Punkten die chinesische Industrie im Juli sogar so stark geschrumpft ist wie seit zwei Jahren nicht mehr. Nur ein Wert über 50 signalisiert Wachstum.

Schon länger beschleicht Außenstehende der Verdacht, dass die chinesische Regierung Wirtschaftsdaten besser darstellt als sie tatsächlich sind. Denn die chinesische Konjunktur flaut nach Jahren des rasanten Wachstums ab. Peking stemmt sich mit Konjunkturprogrammen dagegen. Allerdings werfen stark einbrechende Aktienmärkte das Land dabei immer wieder zurück: Das Vertrauen im In- und Ausland in die Wachstumskräfte der weltweit zweitgrößten Volkswirtschaft schwindet zusehends.

Peking hat zuletzt immer wieder versucht, den Aktienmarkt mit milliardenschweren Stützungskäufen, Handelsstopps und anderen Eingriffen zu stabilisieren - bislang vergeblich. Vor gut einer Woche, am Montag, 27 Juli, erlebten die Festlandsbörsen in China den größten Kursrutsch seit 2007. Der Index CSI300 der größten Unternehmen in Shanghai und Shenzhen verlor 8,6 Prozent. Der Shanghai Composite Index brach um 8,6 Prozent ein.

Peking stemmt sich vergebens gegen Kurseinbrüche

Nicht zuletzt dieser Kurseinbruch resultierte aus der Angst der Anleger, das Regime in Peking könnte seine Bemühungen zur Stützung der Aktienmärkte zurückfahren - eben in der Erkenntnis, dass der Abwärtssog trotz staatlicher Intervention nicht aufzuhalten ist. Dafür spricht auch die Monatsbilanz des Shanghai-Composite: Im Juli brach der Index um 14,6 Prozent ein und verbuchte damit den höchsten Monatsverlust seit gut sechs Jahren.

Neben der sich abzeichnenden Konjunkturschwäche in China drückt die erwartete Zinswende in den USA auf die lange Zeit überhitzten Kurse. Erhöht die US-Notenbank nun vermutlich im Spätsommer/Herbst die Zinsen, erscheinen Investments im Dollar-Raum attraktiver, was die Kapitalabflüsse von Chinas Börsen dann beschleunigen dürfte. Der Herdentrieb in dieser Abwärtsbewegung ist dabei nicht zu unterschätzen und könnte in einer Art self-fulfilling prophecy münden.

Dabei gibt es durchaus auch berechtigte Zweifel an künftigen Konjunkturstärke Chinas. Dass die Nachfrage dort abkühlt, bekommt nicht zuletzt ein deutscher Autobauer wie Volkswagen zu spüren. Im schlimmsten Fall rechnet Volkswagen mit einer Milliarde Euro weniger Gewinnbeitrag aus China in diesem Jahr. Für Volkswagen ist das Reich der Mitte längst zum größten und wichtigsten Absatzmarkt geworden.

Sollte der weltweit zweitgrößten Volkswirtschaft gar eine Rezession drohen, dürften aber noch viel mehr Unternehmen Probleme bekommen und dies Wellen auf dem ganzen Globus schlagen. Noch mag MM Warburg-Experte Carsten Klude nicht daran glauben. Aber klar ist: Dem Handelsauftakt an diesem Montag sehen die Anleger mit einem mulmigen Gefühl entgegen.

mit Material von reuters
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