Mittwoch, 19. Februar 2020

Chinas Autopolitik ist gescheitert VW, Daimler, BMW müssen nun Chinas Beamte fürchten

Design-Studio von Daimler in China: Chinas Autopolitik ist gescheitert, die einheimischen Joint-Venture Partner der westlichen Autobauer hinken noch immer hinterher. Den Ärger darüber dürften VW, Daimler und BMW bald zu spüren bekommen

Der Kronzeuge ist prominent. Er heißt Li Shufu und ist Gründer sowie Chef der chinesischen Autofirma Geely, die vor ein paar Jahren Volvo gekauft hat. Geely ist ein privates Unternehmen, Li ein reicher Unternehmer (geschätztes Vermögen: 2,8 Milliarden Dollar). Deshalb traut er sich seine Meinung zu sagen. Und diese ist für Chinas staatliche Wirtschaftslenker unbequem. Chinas Autopolitik mit dem Joint-Venture-Zwang für ausländische Firmen - sagte Li Shufu - hätten nicht die erwünschten Erfolge gebracht.

Der Selfmade-Mann Li hat Recht. Um es noch klarer zu sagen: Chinas Autopolitik ist gescheitert.

Dabei startete sie zu Beginn der Dengschen Reformpolitik Ende der 70er Jahre mit großen Hoffnungen, Frühzeitig wurde die Autobranche als Schlüsselindustrie für Chinas Wirtschaft ausgeguckt. Seit Jahrzehnten zwängt die chinesische Regierung ausländische Autofirmen in Joint Ventures. Maximal 50 Prozent dürfen sie an an dem Gemeinschaftsunternehmen halten.

Chinas Wirtschaftsbürokraten erhofften sich, dass dadurch gezwungenermaßen viel Know How ins Land fließen werde und irgendwann die chinesischen ihre westlichen Partnern nicht mehr brauchen würden, weil sie selbst gute Autos bauen können.

VW paktiert mit FAW und SAIC, BMW mit Brilliance, Daimler mit BAIC

Wolfgang Hirn
Weil die Autobauer aus aller Welt mit großen Augen auf das erst am Anfang der Motorisierung stehende China schielten, ließen sie sich auf Beijngs Bedingungen ein. Und alle, alle kamen.Volkswagen Börsen-Chart zeigen war - neben Chrysler - der erste westliche Autokonzern, der Mitte der 80er Jahre ein Joint-Venture mit SAIC startete. Heute hat jedes Autounternehmen aus Europa, Japan und den USA mindestens ein Gemeinschaftsunternehmen vor Ort, meist mit staatlichen Unternehmen.

Daimler paktiert mit BAIC, Volkswagen/Audi mit FAW und SAIC, BMW Börsen-Chart zeigen mit der privaten Brilliance-Gruppe. Über Jahrzehnte hinweg verdienten sich die chinesischen Joint-Venture-Partner dumm und dämlich, weil der Markt boomte.

Chinas Staatsunternehmen sind "verwöhnte Kinder"

Doch wo sind die vielen Milliarden gelandet? Zum Teil in der Staatskasse, zum Teil in den Taschen korrupter Bürokraten. Gerade erst wurde ein ranghoher FAW-Manager wegen Korruption verhaftet.

Der permanente Geldsegen durch die erfolgreichen Joint-Venture hat die Staatsunternehmen satt und träge gemacht. "Verwöhnte Kinder" seien sie, spottet Kritiker Li Shufu. Nur halbherzig investierten sie in Forschung und Entwicklung. Und sie haben wenig Design-Kompetenz erworben. Ein Auto besteht aben mehr als nur aus vier Räden, zwei Achsen, einem Motor und einer Karroserie. So ist es bislang keinem der chinesischen Autokonzerne gelungen, ein auf dem Weltmarkt wettbewerbsfähiges Auto zu bauen.

Und selbst auf dem heimischen Markt fahren sie im Rückwärtsgang: Der Marktanteil lokaler Marken fiel von 46 Prozent im Jahr 2010 auf 38 Prozent im vergangenen Jahr.

Chinas Autohersteller sind frustriert - und rufen die Bürokraten zu Hilfe

Die westlichen Unternehmen - insbesondere die dominierenden deutschen Autobauer der Oberklasse - könnten sich nun mangels ernsthafter Konkurrenz schadenfreudig zurücklehnen. Doch Vorsicht! Frustriert über die ausbleibenden Erfolge der heimischen Hersteller und die weiter zunehmende Dominanz von Volkswagen & Co. haben Beijings Bürokraten gerade in den vergangenen Monaten immer wieder neue, subtile Formen der Behinderung von ausländischen Autofirmen gefunden und angewandt. Dies reicht von neuen Gesetzen im Autohandel bis zu Kartellverfahren und dem Anprangern von vermeintlichen Mängeln der westlichen Hersteller im chinesischen Staatsfernsehen.

Die Konkurrenz müssen Audi Börsen-Chart zeigen, BMW, Daimler Börsen-Chart zeigen und Volkswagen nicht fürchten, aber die allmächtigen Beamten und Bürokraten. Sie haben noch eine Rechnung offen.

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