Samstag, 24. August 2019

Eskalation des Handelsstreits - weitere Stufen möglich China packt die Währungswaffe aus und könnte bald US-Bonds verkaufen

Mehr als 7 Yuan pro US-Dollar: Die Yuan-Abwertung ist nicht Pekings einzige Waffe im Handelskrieg. Der größte Gläubiger der USA könnte bald auch US-Anleihen verkaufen
Kin Cheung/DPA
Mehr als 7 Yuan pro US-Dollar: Die Yuan-Abwertung ist nicht Pekings einzige Waffe im Handelskrieg. Der größte Gläubiger der USA könnte bald auch US-Anleihen verkaufen

Offiziell weist China den Vorwurf der Währungsmanipulation entrüstet zurück: Zentralbankchef Yi Gang erklärte, China werde sich nicht an einem "Abwertungs-Wettlauf" beteiligen und auch nicht den Wechselkurs benutzen, um auf "externe Störungen wie Handelsstreitigkeiten" zu reagieren. Vielmehr sorge die Zentralbank auch weiterhin für einen "stabilen und ausgeglichenen Wechselkurs".

Analysten dagegen sagen, der tiefste Stand des Yuan seit elf Jahren sei sehr wohl das Ergebnis einer aktiven Interventionspolitik. US-Präsident Donald Trump hatte Peking daraufhin Währungsmanipulation vorgeworfen. Der Fall des Yuan sei Folge der jüngsten Zollankündigungen von US-Präsident Donald Trump, sagt etwa Bo Zhuang, Chefökonom bei der Unternehmensberatung TS Lombard. Mit dem derzeitigen Wechselkurs sei "klar, dass China jetzt bereit ist, eine weitere Schwächung seiner Währung hinzunehmen".

Trump hatte vergangene Woche überraschend Strafzölle auf weitere chinesische Importe schon ab September angekündigt. Damit sind praktisch alle Waren aus der Volksrepublik, die in die USA gehen, mit Strafzöllen belegt. Ihr Wert jährlich: rund 660 Milliarden Dollar.

Analyst: Yuan könnte bis auf 7,25 Yuan pro Dollar abwerten

Die chinesische Währung wird strikt von der Zentralbank reguliert, sie legt jeden Tag einen neuen Wechselkurs zum Dollar fest. Die Schwankung ist dabei auf zwei Prozent nach oben oder nach unten begrenzt. Analyst Bo hält es für möglich, dass der Yuan im Laufe des August weiter sinkt, auf 7,25 Yuan pro Dollar. Im kommenden Jahr könne der Kurs sogar die Marke 7,50 Yuan reißen, sagt er - wenn die USA zurückschlagen und alle Strafzölle auf 25 Prozent anheben.

Öl-Importe: Ein allzu schwacher Yuan ist nicht im Interesse Chinas

Doch selbst ein schwacher Yuan kann die Folgen des Handelskriegs nicht komplett ausgleichen, sagt Analyst Tao Wang von der Großbank UBS. Und ein zu schwacher Yuan kann auch die heimische Wirtschaft schwächen - Importe werden dann deutlich teurer für China, etwa das in Dollar abgerechnete wichtige Erdöl. Die Kapitalflucht, die Peking seit 2015 verschärft bekämpft, dürfte damit zudem wieder zunehmen. Stephen Innes von Vanguard Markets ist daher überzeugt: Die Zentralbank werde den Yuan nicht zu schwach werden lassen, denn das hätte "schwerwiegende und destabilisierende Folgen für die chinesische Wirtschaft".

Um die ist es sowieso nicht glänzend bestellt. Im zweiten Quartal legte das Bruttoinlandsprodukt offiziellen Angaben zufolge nur um 6,2 Prozent zu - der niedrigste Wert seit fast drei Jahrzehnten. Für das Gesamtjahr hat die Regierung ein Wirtschaftswachstum zwischen 6,0 und 6,5 Prozent im Vergleich zu 2018 veranschlagt. Schon im vergangenen Jahr hatte China sein BIP nur um 6,6 Prozent gesteigert, auch das der niedrigste Wert seit 28 Jahren.

Auch ein Verkauf von US-Anleihen ist möglich - China größter Gläubiger der USA

In diesem Jahr darf zudem nichts dazwischenkommen: Im Oktober begeht China den 70. Jahrestag der Gründung der Volksrepublik.

Experte Marc Sobel, lange Zeit Beamter im US-Finanzministerium, sagt daher, China werde wohl eine zu starke Abwertung des Yuan vermeiden - könnte die USA aber mit dem Verkauf von US-Staatsanleihen unter Druck setzen. Ihr Wert in chinesischen Händen wird auf über eine Billion Dollar geschätzt: Peking ist der größte Gläubiger der USA.

"Die meisten Leute haben nicht gedacht, dass China die Währungswaffe einsetzt, aber sie haben es getan", sagt Stephen Roach von der Universität Yale. "Wahrscheinlich erwägen sie auch andere Möglichkeiten, und die Option Staatsanleihen sollte man nicht ausschließen."

Rodrigo Catril jedenfalls, Analyst der National Australia Bank, rechnet mit dem Schlimmsten: "Ein Handelsabkommen zwischen China und den USA ist nach den jüngsten Ereignissen unwahrscheinlich. Es scheint vernünftig anzunehmen, dass die Spannungen eher noch zunehmen werden."

la/afp

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