Massenhafter Corona-Ausbruch Peking lehnt kostenlosen Covid-Impfstoff aus EU ab

Seit Peking die Null-Covid-Politik beendet hat, tobt in China eine neue Corona-Welle. Das Problem: Nicht einmal die Hälfte der Bevölkerung ist ausreichend geimpft. Die EU will mit ihren hohen Lagerbeständen an mRNA-Impfstoffen helfen, doch Peking winkt ab.
Covid-Ausbruch: Ein überfülltes Krankenhaus mit Covid-Infizierten in China Anfang Januar

Covid-Ausbruch: Ein überfülltes Krankenhaus mit Covid-Infizierten in China Anfang Januar

Foto: JADE GAO / AFP

Die Europäische Union (EU) hat nach den massenhaften Erkrankungen mit dem Coronavirus in China der Führung in Peking angeboten, Covid-19-Impfstoffe kostenlos zur Verfügung zu stellen. In China tobt eine neue Corona-Welle, seit das Land Ende 2022 die strikte Null-Covid-Politik abrupt aufgehoben hat.

Wie die Financial Times  berichtet, hat die EU-Gesundheitskommissarin Stella Kyriakides (66) das Angebot in den vergangenen Tagen vor dem Treffen der EU-Gesundheitsministerien am Dienstag ausgesprochen. Dies berichteten Beamte der Europäischen Kommission, die anonym bleiben wollten.

"Kommissarin Kyriakides hat sich an ihre chinesischen Amtskollegen gewandt, um ihnen Solidarität und Unterstützung anzubieten. Dazu zählt sowohl Fachwissen im Bereich der öffentlichen Gesundheit als auch an Varianten-angepasste EU-Impfstoffspenden", sagte ein Beamter dem Bericht zufolge.

Chinas Außenministerium erklärte am Dienstag, dass das Land keine europäischen Impfstoffe benötige. Dabei verwies es auch auf die "verstärkte klinische Wirksamkeit" seiner "reichlichen" einheimischen Impfstoffe. Die Ausbreitung des Virus sei unter Kontrolle.

Nur 40 Prozent dreifach geimpft in China

Zur Bekämpfung des Coronavirus nutzt China nur die im eigenen Land hergestellten Impfstoffe von Sinovac und Sinopharm. Impfstoffe mit mRNA-Technologie, wie sie im Westen verwendet werden, setzt das Land nur sehr begrenzt ein. Die Bundesregierung hatte vor Weihnachten die Erlaubnis erhalten, Deutsche in China mit dem Wirkstoff von Biontech impfen zu lassen und ließ umgehend erste Dosen nach Peking ausfliegen.

Laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) war die Durchimpfungsrate in China im Dezember unzureichend. Nur 40 Prozent der über 80-Jährigen sind dreimal geimpft. Um schwere Erkrankungen bei gefährdeten Personen zu verhindern, sind drei Impfungen mit den chinesischen Impfstoffen nötig. Zwei Impfungen würden über 60-Jährigen nur die Hälfte an Schutz bieten, erklärte Mike Ryan, Leiter der WHO-Abteilung für Gesundheitsnotfälle. "Das ist einfach kein ausreichender Schutz für eine Bevölkerung, die so groß ist wie die in China. Bei so vielen Menschen, die gefährdetet sind, müssen wir uns wirklich auf die Impfung konzentrieren."

Hohe Überschüsse an Impfstoffen in der EU

Zum Vergleich: In der EU sind 83 Prozent der erwachsenen Bevölkerung vollständig geimpft. Inzwischen wurden mehr als 1,7 Milliarden Dosen verabreicht. Die EU hat Verträge mit acht verschiedenen Impfstoffentwicklern vereinbart – insgesamt werden bis zu 4,2 Milliarden Dosen geliefert. Aufgrund dieser langfristigen Verträge im großen Stil verfügen die EU-Mitgliedstaaten inzwischen über überschüssige Bestände. Die könnten nach China verschifft werden, so die EU-Beamten.

Zuletzt hatten sich einige Mitgliedstaaten beschwert, Geld für Impfstoffe auszugeben, die wegen des Überschusses zerstört werden. Die EU plant daher die Verträge in den kommenden Wochen anzupassen.

Länder verhängen Testpflicht für Einreisende aus China

Zahlreiche Länder, auch aus der EU, haben aus Angst vor möglichen neuen Virusvarianten für Einreisende aus der Volksrepublik bereits Pflichttests eingeführt. Peking wehrte sich gegen die strikten Einreisebestimmungen und drohte mit "Gegenmaßnahmen". Die neuen Test-Regeln seien "diskriminierend" und entbehrten "einer wissenschaftlichen Grundlage".

Nach Einschätzung der EU-Gesundheitsbehörde ECDC hat die massive Corona-Welle in China voraussichtlich keine Auswirkungen auf die epidemiologische Situation in Europa. "Die Varianten, die in China zirkulieren, zirkulieren auch schon in der EU, und stellen als solche keine Herausforderung für die Immunantwort von Bürgern der Europäischen Union und des Europäischen Wirtschaftsraums (EWR) dar", hieß es in einer Mitteilung am Dienstag. Weitere Gründen seien die relativ hohe Immunität und Impfquote unter Bürgern der EU und des EWR.

dri mit Nachrichtenagenturen
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