Wolfgang Hirn

Rivalität der Internetkonzerne China oder USA - Wer dominiert das Internet?

Facebook-Gründer Mark Zuckerberg, Alibaba-Chef Jack Ma: In China bekommen große US-Internetkonzerne kein Bein an den Boden, umgekehrt expandiert Alibaba in den USA und Europa

Facebook-Gründer Mark Zuckerberg, Alibaba-Chef Jack Ma: In China bekommen große US-Internetkonzerne kein Bein an den Boden, umgekehrt expandiert Alibaba in den USA und Europa

Foto: REUTERS

Eigentlich hat Uber in China alles richtig gemacht. Der amerikanische Mitfahr-Konzern hat sich mit der Internetfirma Baidu einen starken Partner genommen, Chef Travis Kalanick hat China zur Chefsache erklärt, er hat ein lokales Management installiert, die Manager haben gute Beziehungen zu den Behörden aufgebaut, sie haben sich den chinesischen Begebenheiten angepasst.

Und trotzdem sind die Amerikaner in China gescheitert und mussten sich dem Konkurrenten Didi Chuxing, hinter dem vor allem die beiden finanzkräftigen Internetkonzerne Alibaba und Tencent steckten, geschlagen geben.

Wolfgang Hirn
Foto: Christian O. Bruch

Wolfgang Hirn ist Reporter beim manager magazin. Er reist seit 1986 regelmäßig nach China. Er schreibt seitdem über die Entwicklung des Landes. Er ist Autor des Bestsellers "Herausforderung China" . Sein aktuelles Buch hat den Titel "Der nächste Kalte Krieg - China gegen den Westen"  (erschienen bei S. Fischer).

Immerhin finanziell hat sich die Schlappe für Uber gelohnt, denn unterm Strich haben die Amerikaner fünf Milliarden Dollar verdient (sieben Milliarden ist der Anteil am siegreichen Konkurrenten Didi wert, zwei Milliarden hat Uber in sein China-Abenteuer investiert).

Uber ist ein weiterer Beweis: Keiner der großen amerikanischen Internetkonzerne war bislang in China erfolgreich. Gut, Facebook und Google sind nicht erlaubt, auch wenn die Chefs der beiden Firmen noch so häufig in Beijing auftauchen und dort kotauen. Ebay scheiterte kläglich in einer Mischung aus Arroganz und Ignoranz. Ebenso Yahoo, das aber immerhin durch seine frühzeitige Beteiligung an Alibaba Milliarden kassiert hat. Und auch Amazon dümpelt vor sich hin, ist hinter Alibabas Tmall und JD.com mit einem Mini-Marktanteil im E-Commerce von vier Prozent weit abgeschlagen.

Kaiser Kuo, der derzeit in den USA lebende Guru der chinesischen Internetszene, sagt deshalb ganz aktuell im Online-Magazin ChinaFile: "Ich bezweifle, ob ich noch erleben werde, dass eine große amerikanische Internetfirma in China über eine chinesische dominieren wird."

Die Zweifel sind berechtigt. Die Claims sind vergeben und meist von den beiden starken Platzhirschen wie Alibaba und Tencent besetzt. Und viele chinesische Internetfirmen sind den amerikanischen Konzerne auch technologisch voraus. Beispiel Tencent: Dessen Messenger WeChat ist dem WhatsApp von Facebook deutlich überlegen.

Wir im Westen haben lange, zu lange Zeit verächtlich auf die angeblichen chinesischen Clons herabgeblickt. Aber inzwischen sind die Kopien häufig besser als die Originale, weil sie sich konstant weiterentwickelt haben und weil sie in China auch ein sehr internet-affines und experimentierfreudiges Publikum haben.

Alibaba-Chef Jack Ma schwebt eine ganz große Nummer vor

Die spannende Frage ist nun: Werden die in China gereiften Kopien irgendwann die Originale auf deren westlichen Märkten attackieren? Kaiser Kuo ist kritisch: "Ich bezweifle stark, dass eine chinesische Internetfirma signifikante Anteile auf irgendeinem westlichen Markt erreichen wird." Ich teile diese Skepsis nicht. Die pragmatischen Chinesen sind besser im Anpassen als die häufig überheblichen Amerikaner. Jetzt schon haben die großen Internetkonzerne Chinas Internationalisierungsstrategien, wobei sie auf diesem Wege vorsichtig Schritt für Schritt vorgehen.

Didi Chuxing, dessen Kriegskasse aufgrund der frühzeitigen Uber-Kapitulation ziemlich voll ist, investiert derzeit vor allem in Südostasien. Tencents Messenger WeChat gibt es immerhin schon in 20 Ländern, darunter auch Deutschland, wenn auch nicht mit dem vollen Angebot an Applikationen. Und Alibaba ist sicher der internationalste chinesische Internetkonzern mit vor Kurzem eröffneten europäischen Büros in London, Paris, Mailand und München - neben den bereits bestehenden in den USA und Indien.

Alibaba-Chef Jack Ma schwebt denn auch bereits eine ganz große Nummer vor. Er will eine globale E-Commerce-Plattform für kleinere und mittlere Unternehmen schaffen, sozusagen eine private WTO. Eine unternehmensinterne Arbeitsgruppe hat er schon eingesetzt. Jetzt will er das Megaprojekt mit wichtigen Regierungschefs besprechen. Der nächste G-20-Gipfel findet dazu passend Anfang September in Hangzhou statt, Heimatstadt und Konzernsitz von Alibaba.