Hypothekenzins gesenkt China stemmt sich mit Rekordzinsschritt gegen Corona-Krise

Die wochenlangen Corona-Lockdowns belasten die chinesische Wirtschaft stärker als erwartet. Nun steuert die chinesische Zentralbank mit einem überraschend kräftigen Zinsschritt dagegen.
Menschenleere Straßen in Shanghai: Peking will den Lockdown in Chinas größter Stadt voraussichtlich im Juni beenden

Menschenleere Straßen in Shanghai: Peking will den Lockdown in Chinas größter Stadt voraussichtlich im Juni beenden

Foto: ALEX PLAVEVSKI / EPA

China will mit der Senkung eines wichtigen Zinssatzes für langfristige Kredite die aktuelle Abschwächung der Konjunktur mildern. Die Fünfjahres-Prime-Rate, eine Referenzgröße für Immobiliendarlehen, wurde von 4,6 auf 4,45 Prozent gesenkt, wie die chinesische Zentralbank am Freitag mitteilte. Das ist nach Angaben der britischen Zeitung "Financial Times"  der kräftigste Zinsschritt in China seit Beginn der Aufzeichnungen. Volkswirte hatten mit einer Senkung gerechnet, allerdings in geringerem Umfang.

Die Börsen Asiens legten auf die Nachricht hin zu. Auch in Deutschland reagierte der Aktienmarkt mit Gewinnen. Mit der Zinssenkung soll die Nachfrage nach Darlehen angekurbelt werden, da wochenlange Corona-Lockdowns und eine Krise des Immobiliensektors auf die Stimmung bei Verbrauchern und Unternehmen drückt.

Die Beschränkungen durch die Null-Covid-Strategie Chinas bremsen die zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt viel stärker als erwartet. Die Industrieproduktion fiel im April überraschend im Vergleich zum Vorjahresmonat, wie Mitte Mai bekannt wurde. Auch die Einzelhandelsumsätze waren zuletzt deutlicher als vorhergesagt eingebrochen.

Erst im März hatte Chinas Regierung mit "rund 5,5 Prozent" das niedrigste Wachstumsziel für die Wirtschaft des Landes seit drei Jahrzehnten vorgegeben. Ob dieses erreicht werden kann, wird allerdings immer unsicherer. Die Vorgabe war zu Beginn schon optimistisch.

"Auch wenn dies sicherlich nicht ausreichen wird, um den Gegenwind beim Wachstum im zweiten Quartal umzukehren, so ist die Senkung doch ein Schritt in die richtige Richtung", sagte Carlos Casanova, Ökonom bei der Union Bancaire Privee in Hongkong. Der Schritt deute darauf hin, "dass sie sich Sorgen über die Anhäufung von Risiken im Wohnungssektor machen." Wahrscheinlich werde es in den nächsten Monaten weitere Zinssenkungen geben, sagte Zhiwei Zhang, Chefökonom bei Pinpoint Asset Management. "Ich erwarte auch mehr politische Maßnahmen in den Bereichen Fiskal-, Eigentums- und Plattformökonomie."

mg/dpa-afx, Reuters