Samstag, 25. Januar 2020

Handelsdefizit 2019 gesunken, bleibt aber hoch China macht USA milliardenschwere Zugeständnisse

Grund zur Freude? Die USA und China wollen im Handelskonflikt das Kriegsbeil begraben. China macht offenbar milliardenschwere Zugeständnisse, doch Skeptiker sehen auch mit dem neuen Handelsabkommen den Konflikt noch nicht endgültig beendet.

China will im Zuge der Einigung im Handelsstreit mit den USA einem Insider zufolge deutlich mehr amerikanische Autos und Flugzeuge sowie Agrar- und Energieerzeugnisse kaufen. Die Volksrepublik habe zugesagt, binnen zwei Jahren zusätzliche Industriegüter aus den USA im Volumen von fast 80 Milliarden Dollar abzunehmen, sagte eine Person, die mit dem Handelsabkommen vertraut ist, das am Mittwoch unterzeichnet werden soll.

Hinzu kämen im selben Zeitraum zusätzliche Energielieferungen im Wert von mehr als 50 Milliarden Dollar und US-Dienstleistungen von etwa 35 Milliarden Dollar. Außerdem sei vorgesehen, dass China den Kauf von US-Agrargütern innerhalb von zwei Jahren um etwa 32 Milliarden Dollar steigere.

Zwei weitere Personen, die ebenfalls mit dem Abkommen vertraut sind, bestätigten die grobe Aufschlüsselung, ohne selbst konkrete Zahlen zu nennen. Einer der Insider sagte, bei den vorgesehenen Zukäufen im Industriebereich handle es sich insbesondere um Autos, Autoteile, Flugzeuge, Landwirtschaftsmaschinen, medizinische Geräte und Halbleiter.

Die USA und China liefern sich seit gut eineinhalb Jahren einen Handelsstreit, der auch die Weltwirtschaft belastet. Im Dezember erzielten sie schließlich eine erste Teileinigung, die nun von US-Präsident Donald Trump und Chinas Vize-Ministerpräsident Liu He im Weißen Haus in Washington bei einer feierlichen Zeremonie besiegelt werden soll. Die USA sagten unter anderem zu, einige ihrer angehobenen Zölle auf chinesische Waren zu reduzieren. Außerdem stufen sie China nicht mehr als Währungsmanipulator ein, wie das US-Finanzministerium am Montag mitteilte.

Chinas Exporte wachsen wieder

Trotz des Handelsstreits endete das Jahr 2019 für China versöhnlich: Chinas Ausfuhren wuchsen im Dezember um 7,6 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum und damit erstmals seit fünf Monaten. Der deutliche Anstieg kommt überraschend:

Von Reuters befragte Ökonomen waren nur von plus 3,2 Prozent ausgegangen. Im Gesamtjahr 2019 legten die Exporte allerdings nur um 0,5 Prozent zu, wie die von der Zollbehörde in Peking am Dienstag veröffentlichte Statistik zeigt. Das geht vor allem auf das schwache US-Geschäft zurück. 2018 waren die chinesischen Ausfuhren noch um fast 10 Prozent gewachsen. Die Importe wuchsen im Dezember auch wegen höherer Preise auf Rohstoffe sowie mehr Einfuhren von Sojabohnen und Schweinefleisch aus den USA sogar um 16,3 Prozent, während sie 2019 insgesamt um 2,8 Prozent schrumpften.


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Die beiden weltgrößten Volkswirtschaften haben sich gegenseitig mit Strafzöllen überzogen, was den Warenaustausch enorm bremste und auch auf die Weltkonjunktur ausstrahlt. Inzwischen gibt es erste Entspannungssignale. Am Mittwoch eben soll ein erstes Handelsabkommen unterschrieben werden.

"Abkommen wird Trumps Handelskrieg nicht beenden"

Experten trauen dem Frieden aber nicht so recht. "Das wird Trumps Handelskriege nicht beenden", prophezeite die MUFG Bank in einer Analyse. "Die effektive Zollsenkung aus dem ersten Abkommen ist ziemlich gering, so dass ein Aufschwung der Exporte wohl nicht besonders groß sein dürfte", erklärten die Ökonomen der Bank ING. "Unter dem Strich sind Chinas Handelsbedingungen immer noch relativ schlecht und die Zölle viel höher als vor 18 Monaten. Wir sollten keine Wunder erwarten." Die Experten von Oxford Economics erwarten, dass der Handel zwischen den USA und China jahrelang schwach bleiben könnte.

Handelsdefizit mit den USA bleibt groß

Trump stört sich am enormen Defizit im Handel mit China, auch wenn dieses im vergangenen Jahr etwas schrumpfte: Die chinesischen Exporte in die Vereinigten Staaten übertrafen die Importe von dort um rund 296 Milliarden Dollar, ergaben Berechnungen der Nachrichtenagentur Reuters. 2018 waren es noch mehr als 323 Milliarden Dollar. Der Zollbehörde in Peking zufolge schrumpften die Ausfuhren in die USA um fast 15 Prozent, die Importe von dort aber sogar um knapp 21 Prozent.

rei/dpa/Reuters

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