Wolfgang Hirn

Der China-Manager Hat China einen Masterplan zur globalen Expansion?

China arbeitet unermüdlich am Masterplan der globalen Welteroberung

China arbeitet unermüdlich am Masterplan der globalen Welteroberung

Foto: REUTERS

Die Unternehmen haben seltsam altmodische Namen: Chinachem, China Minmetals, China State Construction Company. Sie stammen noch aus einer Zeit, in der China ein lupenrein kommunistischer Staat war. Viele von ihnen sind inzwischen so groß und mächtig, dass sie es unter die Fortune 500, der Champions League des globalen Kapitalismus, geschafft haben. Nicht weniger als 95 chinesische Unternehmen, fast alles Staatskonzerne, sind dort in der 2014er Liste vertreten.

Viele von ihnen sind so groß, weil sie einen gigantischen und stetig wachsenden Heimatmarkt bedienen. Doch das große China reicht ihnen nicht mehr, sie wollen im Ausland expandieren. Auch, weil es Chinas Führung will.

Wolfgang Hirn
Foto: Christian O. Bruch

Wolfgang Hirn ist Reporter beim manager magazin. Er reist seit 1986 regelmäßig nach China. Er schreibt seitdem über die Entwicklung des Landes. Er ist Autor des Bestsellers "Herausforderung China" . Sein aktuelles Buch hat den Titel "Der nächste Kalte Krieg - China gegen den Westen"  (erschienen bei S. Fischer).

Es gibt freilich keinen Masterplan der Welteroberung, der in irgendwelchen Schubladen oder Tresoren von Chinas Mächtigen schlummert. Es gibt aber den geballten Wunsch der Führung, dass ihre Konzerne globaler auftreten, denn eine Weltmacht braucht auch globale Konzerne.

Diesen Wunsch hat Regierungschef Li Keqiang auf dem jüngsten Volkskongress deutlich geäußert. Dort sagte er in seinem Arbeitsbericht, dass die Regierung daran arbeitet, den internationalen Marktanteil chinesicher Unternehmen zu erhöhen. Er wurde dann konkreter und nannte die Branchen, in denen Chinas Firmen im Ausland künftig aggressiver auftreten sollen: Auto, Bahn, Flugzeuge, Strom, Elektronik, Kommmunikation, Bau und Maschinenbau. Li versprach den expansionswilligen jegliche Unterstützung, bürokratische wie finanzielle, zum Beispiel durch günstige Kredite durch die Staatsbanken.

Außerdem will die Regierung die Staatskonzerne in Hinblick auf die Globalisierung noch schlagkräftiger machen, indem sie Fusionen zwischen ihnen anregt oder - besser ausgedrückt - kommandiert. Aus den derzeit noch 112 sollen in den nächsten Monaten und Jahren 40 bis 50 Giganten werden. Wobei fraglich ist, ob diese Megafusionen von schwerfälligen und zum Teil ineffizienten Konzernen deren Chancen auf dem Weltmarkt verbessern.

Egal: Chinas staatliche wie private Unternehmen werden also in den kommenden Jahren verstärkt im Ausland investieren, sei es auf der grünen Wiese oder durch Übernahmen. Dabei ist China jetzt schon mit 116 Milliarden Dollar hinter den USA und Japan der drittgrößte Auslandsinvestor. Die Berater von Ernst & Young prophezeien in ihrem aktuellen Report "Riding the Silk Road: China sees outbound investment boom" , dass Chinas Auslandsinvestitionen in den kommenden fünf Jahren mehr als zehn Prozent jährlich wachsen werden.

Dabei haben die Berater drei Trends ausgemacht. Erstens: Weniger Investitionen im Energie- und Rohstoffsektor, dafür mehr in Hightech- und Konsumgüterindustrien. Zweitens: Die Zielländer sind vermehrt in der Ersten und nicht mehr in der Dritten Welt. Drittens: Chinas private Unternehmen spielen eine immer größere Rolle bei den Auslandsinvestitionen.

Diesen letzten Trend bestätigt der amerikanische Experte Joel Backaler, Buchautor ("China goes West") und Betreiber einer interessanten Website über Chinas FDI . Er hat eine Liste von "10 Chinese Companies Going Global in 2015" erstellt. Dazu gehören die Elektronikfirmen Lenovo und Huawei, die Mischkonzerne Dalian Wanda und Fosun, der Apple-Konkurrent Xiaomi, der Kfz-Zulieferer Wanxiang sowie die Internet-Konzerne Alibaba , Tencent und Baidu. Nur einer auf der Liste ist staatlich: Der Shanghaier Lebensmittelkonzern Bright Food.

Chinas private Global Player haben einen großen Vorteil: Sie stoßen im Ausland auf weniger öffentlichen Widerstand als Staatskonzerne, denen man politische Abhängigkeit unterstellt. Denn nur als - vorerst hypothetisches - Beispiel: Wie groß wäre in Deutschland der mediale Aufschrei, wenn ein chinesisches Staatsunternehmen nach einem Dax-Konzern greifen würde?

Es könnte sein, dass wir eine solche Diskussion hierzulande bald führen werden.

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