Sonntag, 22. September 2019

Trotz Handelskriegs mit USA IWF erhöht Wachstumsprognose für China - und sieht Dämpfer für den Rest der Welt

Wirtschafts-Supermacht China: Wachstum trotz Handelskriegs mit USA

Während sich die Konjunktur im Rest der Welt eintrübt, gibt es Anzeichen für eine Erholung in China. Die neuen Exportzahlen der zweitgrößten Volkswirtschaft lassen Experten staunen. Der IWF erhöht seine Prognose.

Trotz des Handelskrieges mit den USA sind die chinesischen Exporte im März wieder unerwartet stark gestiegen. Nach einem Einbruch im Februar legten die Ausfuhren in US-Dollar berechnet um 14,2 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat zu, berichtete der chinesische Zoll am Freitag in Peking. In chinesischen Yuan gerechnet gab es sogar eine Zuwachs von 21,3 Prozent. Die überraschend guten Handelszahlen deuten wie auch andere jüngste Wirtschaftsdaten auf eine leichte Erholung der zweitgrößten Volkswirtschaft hin.

"Insgesamt sieht es gut aus", sagte der Wirtschaftsprofessor Huang Weiping von der Volksuniversität in Peking. "Die Zuversicht ist zurück, und die Wirtschaft scheint stabil." Er führte die Entwicklung auf die Maßnahmen der Regierung wie die Ankurbelung der Investitionen zurück. Die Nachfrage in China sei wegen der Unsicherheiten durch den Handelskrieg mit den USA aber "noch nicht stark genug".

IWF erhöht Wachstumsprognose auf 6,3 Prozent

Der Internationale Währungsfonds (IWF) hatte diese Woche die Vorhersage für das Wachstum in China in diesem Jahr von 6,2 auf 6,3 Prozent hochgestuft, während sich die Aussichten für den Rest der Welt verdunkelten. Damit ist China derzeit einer der wenigen Hoffnungsträger für die Weltwirtschaft.

Weltweit wird dagegen wegen der Streitigkeiten der USA mit seinen Handelspartnern sowie wegen des Brexits nur noch mit 3,3 Prozent Wachstum gerechnet - nach 3,6 Prozent im Vorjahr.

Marktbeobachter führen Chinas überraschend starke Exporte im März auf das chinesische Neujahrsfest im Vormonat zurück. Da das Land während der Feiertage praktisch zum Stillstand kommt, verschiebt sich der Handel. Im Februar waren die Ausfuhren um 20,8 Prozent eingebrochen. Somit wäre die Erholung eher saisonal. Doch haben auch Signale der Entspannung im Handelsstreit zwischen China und den USA für Optimismus gesorgt, obwohl die Verhandlungen nur langsam vorankommen.

Importe in US-Dollar deutlich gesunken - geringere Nachfrage

Der Anstieg der Ausfuhren und der Rückgang der Einfuhren war im März weit stärker als von Marktbeobachtern erwartet. Im ersten Quartal erreichten Chinas Exporte damit insgesamt einen leichten Zuwachs um 1,4 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Die Importe fielen um 4,8 Prozent, so dass der Handelsüberschuss seit Jahresanfang sogar um 70,6 Prozent auf 76 Milliarden US-Dollar anstieg.

Allein im März verringerten sich die Importe in US-Dollar um 7,6 Prozent. Einer der Gründe ist die geringere Nachfrage durch das verlangsamte Wachstum in China, das 2018 nur noch 6,6 Prozent erreichte - so wenig wie seit fast drei Jahrzehnten nicht mehr. Nicht nur durch den Handelskrieg mit den USA, sondern auch durch den Abbau der hohen Schuldenlast hat sich der Abwärtsdruck auf die chinesische Wirtschaft seit vergangenem Jahr spürbar verstärkt.

Weitere Treffen im Handelsstreit zwischen China und USA

Wie eine Lösung im Handelsstreit mit den USA aussehen kann, dürfte sich in den nächsten Wochen entscheiden. Nach Treffen in der Vorwoche in Washington sind die Gespräche zwischen den Unterhändlern diese Woche per Telekonferenz fortgesetzt. Beide Seiten sprechen von Fortschritten, aber noch sind die Probleme nicht gelöst. Die USA wollen zudem sicherstellen, dass die Vereinbarungen auch umgesetzt werden und eine Nichteinhaltung bestraft werden kann. Dafür sollen Büros auf beiden Seiten eingerichtet werden.

Beide Länder haben sich im vergangenen Jahr gegenseitig mit Sonderzöllen überzogen. Inzwischen sind rund die Hälfte aller US-Einfuhren aus China mit zusätzlichen Zöllen belastet. Die USA fordern mehr Marktzugang in China, eine Verringerung des US-Handelsdefizits sowie einen besseren Schutz gegen Produktpiraterie und zwangsweisen Technologietransfer. Auch stoßen sich die USA an staatlicher Förderung chinesischer Firmen, was den Markt verzerrt.

US-Präsident Donald Trump und Chinas Staats- und Parteichef Xi Jinping hatten Anfang Dezember nach dem Gipfel der großen Wirtschaftsnationen (G20) in Buenos Aires einen 90-tägigen "Waffenstillstand" bis 1. März vereinbart. Ende Februar hat Trump die Frist auf unbestimmte Zeit verlängert, um den Gesprächen mehr Raum zu geben. Die USA drohen aber mit neuen Strafzöllen, wenn es keine Einigung gibt. Die Sonderzölle auf Importe aus China im Umfang von 200 Milliarden US-Dollar könnten dann von derzeit 10 auf 25 Prozent erhöht werden.

la/dpa

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