Montag, 18. November 2019

China ist das Risiko für die Weltwirtschaft - nicht Trump Der Elefant im chinesischen Porzellanladen

Donald Trump (im Bild mit Staatspräsident Xi Jinping) drohte China zuletzt damit, alle Importe aus dem Reich der Mitte mit Sonderzöllen zu belegen. China steht direkt für mehr als ein Drittel des Wachstums der Weltwirtschaft. Jede Schwächung der chinesischen Wirtschaft hätte damit Auswirkungen auf die Weltkonjunktur

3. Teil: Drei Märchen - oder, die Zeit der Selbsttäuschung endet

Jetzt bekommen wir die Quittung für diese naive Politik. Die drohende Rezession hierzulande wird uns jäh aus einigen weiteren Wunschvorstellungen reißen:

Märchen 1: Die Finanzkrise ist bewältigt

Schnell wird klar werden, dass wir keine Fortschritte bei der Bewältigung der Finanzkrise gemacht haben. Schulden werden wieder offensichtlich untragbar und eine Welle von Pleiten und Bankrotten ist zu erwarten. Natürlich werden die Notenbanken darauf mit einer nochmals aggressiveren Geldpolitik reagieren. Die sprichwörtlichen Helikopter werden startklar gemacht und die Zinsen noch weiter in den negativen Bereich getrieben. Ob diese Maßnahmen nochmals schaffen, uns eine Runde weiter zu bekommen ist offen. Bundesbankpräsident Jens Weidmann hat sich im Gespräch mit der Bundesregierung sehr besorgt gezeigt.

Märchen 2: Euro ist gerettet

Geht es der deutschen Wirtschaft schlecht, geht es der Eurozone schlecht. Die vom billigen Geld und dem massiven Aufkauf von Wertpapieren durch die EZB nur verdeckten Probleme der Währungsunion werden wieder offen zu Tage treten. Es rächt sich, dass die Politik die letzten Jahre nicht dazu genutzt hat, die Probleme der Eurozone zu lösen. Das hat vor allem damit zu tun, dass man sich nicht an die eigentlichen Ursachen herangetraut hat, namentlich die untragbar gewordenen Schulden und die unzureichende Wettbewerbsfähigkeit einiger Länder. Hier wird im Korsett einer Währungsunion zusammengezwängt, was nicht zusammenpasst. Die Diskussionen der letzten Monate mit Blick auf die französischen Reformideen entsprechen derweil der berühmten Neuausrichtung der Stühle auf der Titanic.

Märchen 3: Deutschland ist ein reiches Land

Auch das dritte Märchen wird ein Ende finden. Die Geschichte von Deutschland als reichem Land. Wir werden feststellen, dass

  • unsere Einkommen und die hohe Beschäftigung, tiefen Zinsen und schwachem Euro geschuldet sind.
  • unser Staat nicht gespart hat, sondern nur die Zinsersparnis und die Progressionsgewinne kassiert hat, ohne in die Zukunft zu investieren.
  • wir uns Lasten für Renten und Integration aufgeladen haben, die nur im Umfeld einer Hochkonjunktur temporär tragbar waren.
  • unsere Exporterfolge zu Forderungen an das Ausland geführt haben, auf denen wir erhebliche Verluste erleiden. Dabei denke ich auch, aber nicht nur, an die fast eine Billion Euro Forderungen, die die deutsche Bundesbank im Rahmen des Taget2-Systems an die Krisenländer der Eurozone hat.

So steuern wir auf ein Szenario zu, welches äußerst bedenklich stimmen muss. Am meisten Sorgen muss dabei die Tatsache bereiten, dass die Politik der letzten zehn Jahre die Krisenanfälligkeit der Weltwirtschaft deutlich erhöht hat. Blickt man in die Wirtschaftsgeschichte so muss man feststellen, dass große Krisen immer von zu vielen Schulden ausgelöst wurden. Wenn man also eine deflationäre Depression herbeiführen will, muss man genau das machen, was in den letzten Jahren gemacht wurde.

Daniel Stelter ist Mitglied der MeinungsMacher von manager-magazin.de. Trotzdem gibt sein Kommentar nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder.

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