Donnerstag, 21. November 2019

China ist das Risiko für die Weltwirtschaft - nicht Trump Der Elefant im chinesischen Porzellanladen

Donald Trump (im Bild mit Staatspräsident Xi Jinping) drohte China zuletzt damit, alle Importe aus dem Reich der Mitte mit Sonderzöllen zu belegen. China steht direkt für mehr als ein Drittel des Wachstums der Weltwirtschaft. Jede Schwächung der chinesischen Wirtschaft hätte damit Auswirkungen auf die Weltkonjunktur

2. Teil: Donald Trump - der Elefant im chinesischen Porzellanladen

Dass die Weltverschuldung auf einem neuen Höchststand ist, ist kein Zufall. Es ist politisch gewollt. Politiker und Notenbanken haben die Folgen einer durch zu hohe Schulden ausgelösten Krise mit noch mehr Schulden bekämpft. Ohne diese neuen Schulden und die Subventionierung bestehender Schuldner hätten wir eine neue große Depression erlebt. Es war also richtig, so zu handeln, wenn man es mit der Alternative vergleicht.

Das Problem dabei: es ist uns nicht gelungen, uns von der Schuldendroge zu lösen. Nur durch eine immer höhere Dosis bringen wir das System eine Runde weiter. China kommt hier eine besondere Bedeutung zu. Nicht nur hat das Land unmittelbar zu Beginn der Finanzkrise mit einem gigantischen, schuldenfinanzierten Konjunkturprogramm die eigene Wirtschaft stimuliert und so der gesamten Weltwirtschaft entscheidend geholfen. Seither lag in jedem Jahr das Wachstum der Schulden über dem Wachstum der Wirtschaft.

China steht direkt für mehr als ein Drittel des Wachstums der Weltwirtschaft. Nimmt man die indirekte Wirkung der chinesischen Nachfrage nach Rohstoffen, Maschinen und Konsumgütern hinzu, dürfte die Bedeutung des Landes noch größer sein. Jede Abschwächung in China hat deshalb erhebliche Auswirkungen auf die Welt.

In diesem Szenario schwachen Wachstums der Weltwirtschaft und ungelöster Schuldenprobleme erinnert das Verhalten Donald Trumps an den Elefanten im Porzellanladen. Nichts kann die Weltwirtschaft weniger gebrauchen, als einen ausgemachten Handelskrieg. Dennoch steuern wir ungebremst genau in ein solches Szenario. Dabei ist Trump mehr ein Symptom für die ungelöste Finanzkrise als die eigentliche Ursache für die bevorstehende Krise. Aus der Geschichte wissen wir, dass schwere Finanzkrisen immer zu Protektionismus und Nationalismus führen. Diesmal hat es nur etwas länger gedauert.

Stürzt Trump China in die Rezession?

Die chinesische Wirtschaft ist angesichts der hohen Verschuldung besonders anfällig für die Maßnahmen der US-Regierung. Ein guter Teil der neuen Schulden ist in unproduktive Bereiche geflossen oder hat zum Aufbau erheblicher Überkapazitäten in einigen Branchen beigetragen. Schon vor Monaten warnte der damalige Chef der chinesischen Notenbank vor einem "Minsky-Moment" für China, womit der Moment gemeint ist, an dem man merkt, dass die Schulden nicht mehr tragbar sind. Die politische Führung des Landes hat darauf reagiert. Seit dem letzten Volkskongress laufen die Bemühungen die Verschuldung des Landes in den Griff zu bekommen. Regionalregierungen und Unternehmen werden aufgefordert, Schulden abzubauen, das Schattenbankensystem, welches für einen Gutteil der Kreditschöpfung in den letzten Jahren stand, kommt unter vermehrten Druck.

Diese Maßnahmen zeigen bereits deutliche Wirkung. Nicht nur fällt die offiziell ausgewiesene Wachstumsrate der chinesischen Wirtschaft. Auch die Finanzmärkte des Landes reagieren. Die Börse in Shanghai hat mehr als 20 Prozent korrigiert und ist damals offiziell in einer Baisse. Dabei sind es nicht die exportorientierten Unternehmen, die unter Druck sind, sondern die Unternehmen, die vor allem auf die Binnenwirtschaft ausgerichtet sind. Der sich verschärfende Handelskrieg wird noch zusätzlich zu einer Belastung führen.

Deutschland selber schuld

Eine Abschwächung der Weltkonjunktur ausgehend von China ist damit mehr als nur eine theoretische Gefahr. Uns in Deutschland wird das überproportional hart treffen, sind wir doch mit einem Exportanteil von 46 Prozent so abhängig von der Welt wie noch nie. Kommt es dann noch zum harten Brexit, weil es die EU mit ihrem Streben, Großbritannien möglichst hart für den Ausstieg aus dem Club zu bestrafen übertreibt, ist eine Rezession hierzulande unvermeidlich.

In diese fragile Situation stößt nun Donald Trump mit seiner offenkundigen Absicht, die EU zu spalten und vor allem Deutschland für die jahrelangen Exportrekorde zu bestrafen. Strafzölle auf europäische Autos bieten sich da förmlich an. Die Massenhersteller aus Italien und Frankreich treffen diese ohnehin nicht, weil sie nicht in die USA liefern. Die deutschen Hersteller werden hingegen heftig getroffen.

Es dürfte der EU schwerfallen, passende Gegenmaßnahmen zu beschließen. Wie sollten denn die anderen Regierungen ihren Wählern erklären, dass sie eigenen Unternehmen die Exportmöglichkeiten nehmen, nur weil Deutschland von den Handelsmaßnahmen Donald Trumps getroffen ist? Vor allem wo auch in unseren europäischen Partnerländern die Kritik an der "merkantilistischen" Wirtschaftspolitik Deutschlands wächst.

Schuld an der Entwicklung tragen wir durchaus selbst. Alle Kritik an unserer einseitigen Exportorientierung zum Trotz haben wir nichts getan, die Überschüsse zu reduzieren. Dabei wäre dies, wie ich mehrfach und ausführlich an dieser Stelle erläutert habe, in unserem ureigenen Interesse. Statt immer mehr zu einem Gläubiger einer völlig überschuldeten Welt zu werden, sollten wir lieber unser eigenes Land auf Vordermann bringen. Ansatzpunkte gibt es genug: Investitionen in Bildung und Infrastruktur, digitale Offensive, Herstellung einer funktionierenden Bundeswehr ...

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