Gelockerte Corona-Beschränkungen Chinas Exporte legen deutlich zu

Nach den gelockerten Corona-Beschränkungen hat China im Juni knapp 18 Prozent mehr exportiert. Die künftige Entwicklung bleibt aber schwer kalkulierbar, die Infektionen in der Volksrepublik steigen wieder.
Strikte Corona-Maßnahmen in China: Ein Polizeimann hält Wache vor einem abgeriegelten Wohnblock bei Shanghai, die Infektionen stiegen zuletzt wieder

Strikte Corona-Maßnahmen in China: Ein Polizeimann hält Wache vor einem abgeriegelten Wohnblock bei Shanghai, die Infektionen stiegen zuletzt wieder

Foto: HECTOR RETAMAL / AFP

Die gelockerten Corona-Maßnahmen in China haben Wirkung: Die Exporte des Landes haben im Juni deutlich zugelegt. Wie die Pekinger Zollverwaltung am Mittwoch mitteilte, stiegen die Ausfuhren der zweitgrößten Volkswirtschaft im Vorjahresvergleich um 17,9 Prozent. Das ist der größte Zuwachs seit fünf Monaten. Die Importe legten jedoch nur bescheiden um ein Prozent zu. Das Wachstum des Außenhandels sei "deutlich angestiegen" sagte Li Kuiwen, Sprecher der Zollbehörde. Insbesondere Unternehmen im Yangtze-Delta rund um Shanghai hätten wegen einer entspannteren Pandemie-Lage eine "rasche Erholung" erlebt und so besonders stark zum Anstieg des Außenhandels beigetragen.

"Die Außenhandelszahlen liefern ein durchwachsenes Bild. Zwar erholen sich die Exporte angesichts wieder besser funktionierender Logistik weiter. Allerdings deutet das nun wieder sehr niedrige Importwachstum auf eine schwächelnde Konjunktur hin", kommentierte Jens Hildebrandt, Geschäftsführendes Vorstandsmitglied der Deutsche Handelskammer in China (AHK), die Daten der Zollverwaltung. Die Pandemiebekämpfung der chinesischen Regierung sorge für vergleichsweise hohe Arbeitslosenzahlen und schwaches Konsumentenvertrauen.

Behörden verhängen weiter drastische Beschränkungen

China verfolgt seit dem Beginn der Pandemie eine strikte "Null-Corona-Politik", die zum Ziel hat, jeden Ausbruch im Keim zu ersticken. Anders als praktisch der gesamte Rest der Welt, ist die Regierung in Peking nicht gewillt, "mit dem Virus zu leben". Zahlreiche Millionenstädte in China hatten besonders im Frühling harte Corona-Maßnahmen verhängt, um die Verbreitung der Omikron-Variante zu verhindern.

Shanghai, die wichtigste Wirtschaftsmetropole Chinas, musste im April und Mai zwei Monate in einem harten Lockdown verbringen, wovon die Wirtschaft schwer getroffen wurde. Auch der Hafen der Millionen-Metropole, der wichtigste Umschlagplatz im Handel mit China, funktionierte nur eingeschränkt.

Trotz der positiven Entwicklung des Außenhandels sprachen Wirtschaftsvertreter weiterhin von einer nur schwer kalkulierbaren Lage. So gingen die Behörden noch immer mit zu drastischen Mitteln gegen jeden Corona-Ausbruch vor.

Infektionen steigen wieder

Tatsächlich können nur wenige Infektionen dazu führen, dass ganze Stadtteile abgeriegelt werden, wie vergangene Woche auch wieder in der zentralchinesischen Metropole Xi'an. Auch in Peking, Shanghai und in der südchinesischen Metropole Shenzhen, den drei bedeutendsten Wirtschaftszentren, werden immer wieder Infektionen gefunden, die dann erneut zu Einschränkungen führen.

Als Anzeichen einer möglichen Entspannung seiner strikten Politik hatte China vor zwei Wochen die Quarantänevorschriften bei der Einreise ins Land spürbar gelockert. So müssen Reisende nach ihrer Ankunft künftig noch sieben Tage in zentraler Hotel-Quarantäne verbringen. Im Anschluss erfolgt eine dreitägige "Gesundheitsüberwachung" in der eigenen Wohnung. Zuvor waren in der Regel 14 Tage Quarantäne und weitere sieben Tage Heim-Isolation nach der Einreise erforderlich.

dri/dpa-afxp
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.