Sorge um Erholung Chinas Wirtschaftsdaten enttäuschen

Der Aufwärtstrend schien gesetzt - jetzt lassen enttäuschende Daten zur Industrieproduktion und zum Einzelhandel in China Zweifel an der Erholung der Volkswirtschaft nach der Corona-Krise aufkommen.
Der Einzelhandel in China (Bild Archiv) nahm den siebten Monat in Folge weniger ein

Der Einzelhandel in China (Bild Archiv) nahm den siebten Monat in Folge weniger ein

Foto: Norbert Eisele - Hein / VISUM

Die Aufholjagd der chinesischen Wirtschaft nach der Corona-Krise hat gleich mehrere Dämpfer erhalten. Der Einzelhandel nahm im Juli den siebten Monat in Folge weniger ein, während die Industrie ihre Produktion nicht im erwarteten Umfang hochfuhr und zugleich weniger investiert wurde.

Die Umsätze im Einzelhandel sanken im Vergleich zum Vorjahresmonat um 1,1 Prozent, wie aus den am Freitag veröffentlichten amtlichen Daten hervorgeht. Von Reuters befragte Ökonomen hatten mit einem leichten Wachstum gerechnet. Die Chinesen hielten sich vor allem mit dem Kauf von Bekleidung, Kosmetika, Haushaltsgeräten und Möbeln zurück. Das konnte durch den Anstieg der Autoverkäufe um mehr als 12 Prozent nicht wettgemacht werden.

Die Industrieproduktion wuchs im Juli zwar um 4,8 Prozent, blieb damit aber hinter den Prognosen zurück. Zudem fielen die Investitionen in Maschinen, Fabriken und andere Anlagen von Januar bis Juli, und zwar um 1,6 Prozent. "Insgesamt dürfte dies auf eine nachlassende Dynamik in der wirtschaftlichen Erholung hindeuten", fasste Commerzbank-Volkswirt Hao Zhou die Daten zusammen.

"Diese ist bereits weit fortgeschritten, sodass das Nachholpotenzial weitgehend ausgeschöpft ist." Auch dürfte die hohe Arbeitslosigkeit die Kaufkraft mindern und den Konsum auf absehbare Zeit belasten.

Im weltweiten Vergleich verkörpert Chinas Aufschwung die stärkste Hoffnung auf eine Überwindung der Corona-Krise. Chinas Wirtschaft wuchs im zweiten Quartal um 11,5 Prozent im Vergleich zum ersten Quartal, als sie noch um 10 Prozent eingebrochen war.

China wurde als erstes Land von der Pandemie getroffen und begann bereits im Januar mit einem harten Lockdown. Nachdem die Seuche so weitgehend unter Kontrolle gebracht werden konnte, öffnete die Wirtschaft aber auch früher als die anderer Länder wieder. Deutlich machen sich auch die Stützungsmaßnahmen bemerkbar, die die Regierung wegen des Corona-Ausbruchs auf den Weg gebracht hatte. Belastend wirken hingegen die Handelsstreitigkeiten zwischen den USA und China.

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Einige Experten trauen der weltgrößten Volkswirtschaft im zweiten Halbjahr zumindest einen robusten Aufschwung zu. "Wir erwarten in den kommenden Monaten eine erneute Beschleunigung der Infrastruktur-Investitionen", sagte Analyst Martin Rasmussen von Capital Economics. "Dies dürfte zu einem weiteren Aufschwung in der Industrie und im Baugewerbe führen und dazu beitragen, die Flaute auf dem Arbeitsmarkt aufzufangen, den Konsum indirekt zu stützen und die wirtschaftliche Erholung auf Kurs zu halten."

rei/Reuters/dpa