Donnerstag, 5. Dezember 2019

Lehren aus dem China-Crash Weltwirtschaft am Wendepunkt - aber kein Grund zur Panik

2. Teil: Chinesen dürfen seit Jahresbeginn wieder 50.000 Dollar pro Kopf ins Ausland schaffen

Nun sind wir an einem Wendepunkt angekommen. China wächst langsamer - das wissen wir bereits länger. Doch seit Beginn des neuen Jahres fallen sowohl die dortigen Börsen als auch die Währung. Der schwache Yuan wird auch als Auslöser für die jüngste Verkaufswelle an den chinesischen Börsen gesehen. Vielleicht liegt das daran, dass ein chinesischer Bürger im Jahr maximal 50.000 US-Dollar ins Ausland schaffen darf, und dies nun mit Jahresbeginn wieder neu möglich ist.

Privatanleger sind aktuell die Hauptverkäufer an der Börse. Sie gehen mit Stop-Loss-Orders in den Markt und lösten somit immer wieder die nicht sehr zweckmäßigen Handelsstopps aus, die nun wieder abgeschafft wurden.

Der Wertverlust des Yuan dürfte auch andere asiatische Länder zu einer Währungsabwertung zwingen. Einige Marktbeobachter sprechen schon von einem Währungskrieg, durch den jedes Land - und nicht nur in Asien - seine Exportindustrie durch niedrigere Wechselkurse stimulieren will.

Aber warum erzittern weltweit alle Börsen, wenn die hauptsächlich von inländischen Anlegern dominierte Börse in China fällt? Weil die Situation neu ist.

Zinsen steigen, Wachstum schwächelt, Risiken steigen

Die Zinsen steigen - zumindest in den USA -, das Weltwirtschaftswachstum schwächelt, die Risiken steigen. Die wunderbare Welt des billigen Geldes, des unendlichen Wachstums und der damit verbundenen stetig steigenden Unternehmenserträge scheint allmählich zu Ende zu gehen.

Zudem ist die Lage in China für jeden institutionellen Anleger eine hochwillkommene Entschuldigung, Risiken im eigenen Portfolio zu reduzieren und Aktien zu verkaufen. Doch wie weit kann diese Korrektur gehen? Wenn Anlegergurus wie George Soros eine erneute Finanzkrise wie 2008 ausrufen, kann man dies nicht völlig ausschließen. Allerdings ging damals die Initialzündung von der Wall Street aus. Die "Ansteckungsgefahr" im Falle Chinas ist geringer.

Natürlich spüren wir alle die ökonomischen Krisen der Schwellenländer - allerdings auf sehr unterschiedliche Art. Die deutsche Börse zum Beispiel und insbesondere der Dax Börsen-Chart zeigen sind stark in China "investiert". Außerdem ist Deutschland einer der global liquidesten Aktienmärkte. Hier können Anleger schnell rein, aber auch wieder raus. Die deutlich höhere Volatilität im Vergleich zu den USA ist das Ergebnis.

Die Märkte haben anscheinend momentan das Vertrauen in die chinesische Wirtschaft verloren; das wird kurzfristig sicher weiterhin die Stimmung trüben. Langfristig aber sollte man China nicht abschreiben. Der eingeleitete Wandel von einer export-, investment- und produktionsgetriebenen Wirtschaft zu einer service-, konsum- und innovationsgetriebenen Wirtschaft wird seine Wirkung nicht verfehlen. Und wo findet man heute noch Volkswirtschaften, die noch immer Wachstumsraten von sechs Prozent aufweisen?


Klaus Martini ist Mitglied der MeinungsMacher von manager-magazin.de. Trotzdem gibt diese Kolumne nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion des manager magazins wider.

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