Arbeitslosigkeit auf Zweijahreshoch Chinas Wachstum kühlt sich ab

Das Bruttoinlandsprodukt in China ist im ersten Quartal noch um 4,8 Prozent gewachsen. Doch Indikatoren wie der Einzelhandelsumsatz, die Arbeitslosigkeit und die Immobilienverkäufe deuten auf einen Einbruch der Wirtschaft hin.
Null-Covid-Strategie in China: Ökonomen befürchten einen Einbruch der Wirtschaftsleistung um 2 Prozent, sollte der Lockdown in Shanghai den ganzen April über andauern

Null-Covid-Strategie in China: Ökonomen befürchten einen Einbruch der Wirtschaftsleistung um 2 Prozent, sollte der Lockdown in Shanghai den ganzen April über andauern

Foto: ALEX PLAVEVSKI / EPA

Trotz eines überraschend starken Wachstums im ersten Quartal zeigt die chinesische Wirtschaft wegen der jüngsten Corona-Welle und des Ukraine-Krieges deutliche Schwächeanzeichen. Zwar legte das Bruttoinlandsprodukt von Januar bis März um 4,8 Prozent zum Vorjahreszeitraum zu, wie das Statistikamt am Montag in Peking mitteilte. Damit wurde sowohl die Ökonomen-Prognose von 4,4 Prozent als auch das Plus vom vierten Quartal 2021 von 4,0 Prozent übertroffen.

Allerdings fiel der Einzelhandelsumsatz im März mit 3,5 Prozent doppelt so stark wie erwartet, während die Arbeitslosigkeit im selben Monat mit 5,8 Prozent so hoch ausfiel wie seit fast zwei Jahren nicht mehr. Die Hausverkäufe brachen im März sogar um mehr als ein Viertel ein. Das war der größte Rückgang seit dem Beginn der Corona-Pandemie Anfang 2020, was auch auf die Krise um den hoch verschuldeten Immobilienkonzern Evergrande zurückgeht.

An den Aktienmärkten sorgten die schwachen März-Daten für Druck: Der Leitindex CSI300 verlor 0,6 Prozent. Experten sagen der nach den USA zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt eine schwierige Zeit voraus, da die Regierung an ihrer strikten Null-Covid-Politik festhält und bei Corona-Ausbrüchen immer wieder Millionen-Metropolen wie aktuell Shanghai in einen Lockdown schickt.

"Die Abriegelung von Großstädten wie Shanghai ist sehr kostspielig", sagte der Chefökonom des Vermögensverwalters Pinpoint Asset Management, Zhiwei Zhang. "Diese Kosten werden in den kommenden Monaten noch deutlicher sichtbar werden." Sollte der Lockdown in der mit 26 Millionen Einwohnern bevölkerungsreichsten Stadt Shanghai den ganzen April über andauern, dürfte das deren Wirtschaftsleistung um 6 Prozent drücken, warnte die ING-Chefvolkswirtin für den Großraum China, Iris Pang. Das wiederum dürfte das Bruttoinlandsprodukt ganz Chinas um 2 Prozent schmälern. "Wir müssen unsere Wachstumsprognosen möglicherweise weiter revidieren, wenn die fiskalische Unterstützung nicht rechtzeitig kommt", sagte Pang.

Zentralbank verringert Mindestreservesatz

Die Zentralbank hat wegen des zunehmenden Gegenwinds bereits ihre Geldpolitik gelockert. Am Freitag senkte sie erstmals in diesem Jahr den Reservesatz. Sie verringerte den Betrag, den Banken als Mindestreserve halten müssen, um 530 Milliarden Yuan (rund 77 Milliarden Euro). Je geringer dieser Satz ist, umso mehr Kredite können die Geldinstitute vergeben. "Wir werden alle Anstrengungen unternehmen, um die wirtschaftlichen Grundlagen zu stabilisieren", sagte der Sprecher des Statistikamtes, Fu Linghui, auf einer Pressekonferenz.

Die Regierung in Peking hat bereits eine stärkere finanzielle Unterstützung für die Realwirtschaft signalisiert, insbesondere für die von der Corona-Pandemie betroffenen Branchen und Kleinunternehmen. Für sie sollen die Finanzierungskosten gesenkt werden. Auch der Konsum soll angeschoben werden. So sollen die Gemeinden keine neuen Beschränkungen für den Kauf von Fahrzeugen mehr erlauben. Exporteure können zudem mit stärkeren Steuerermäßigungen rechnen.

Die chinesische Regierung hält bislang ungeachtet des Kriegs in der Ukraine – der Europa als wichtigsten chinesischen Absatzmarkt wirtschaftlich hart trifft – an ihrem Wachstumsziel fest. Das Bruttoinlandsprodukt soll demnach in diesem Jahr um rund 5,5 Prozent wachsen. Im vergangenen Jahr hatte es noch zu einem Plus von 8,1 Prozent gereicht, da der Exportweltmeister von der Erholung der globalen Konjunktur von der Corona-Rezession profitiert hatte.

mg/Reuters