Dienstag, 20. August 2019

Camerons Offshore-Beteiligung Glaubwürdigkeit verspielt

Fahrlässige Salamitaktik: David Cameron

Hatte David Cameron von der Briefkasten-Firma seines Vaters profitiert? Das sei eine private Angelegenheit und er habe nichts zu verbergen, hatte Großbritanniens Premier noch zu Wochenbeginn auf diese Frage erklärt. Nun räumt der britische Regierungschef ein, doch in Offshore-Geschäfte involviert gewesen zu sein.

Erst abwiegeln und dann klein beigeben - das mag eine menschlich verständliche Reaktion sein. Strategisch und politisch war das im Fall von Cameron aber äußerst fahrlässig, wenn nicht gar dumm.

Hunderte Journalisten berichten und recherchieren weltweit zu den Panama Papers, Datensätze rund um den Globus kursieren und jeden Tag werden neue Namen bekannt. Da konnte Cameron nicht ernsthaft geglaubt haben, dass auch sein Fall nicht bekannt wird.

Wie hoch Bürger eines Landes das Thema Steuergerechtigkeit hängen und wie sensibel sie darauf reagieren, wenn ihre politischen Eliten selbige mit Füßen treten, hatte in dieser Woche Islands Regierungschef Sigmundur David Gunnlaugsson erfahren müssen. Der Mann hat seine Glaubwürdigkeit verloren und ist politisch erledigt.

Das könnte jetzt auch Cameron drohen.

Es mag sein, dass die Briten weniger empört reagieren - schließlich findet sich doch ein Großteil der Briefkastenfirmen weltweit auf britischen Steuerparadiesen wie den britischen Jungferninseln oder den Cayman Islands. Und es mag auch zutreffen, dass Cameron seine Anteile an der Briefkastenfirma vor seinem Amtsantritt verkauft und auch die Steuern ordnungsgemäß abgeführt hat.

Wenn dem tatsächlich so ist, warum aber legte der Premier dann nicht gleich die Fakten auf den Tisch? Vielleicht liegt es daran, dass Cameron - auch im Sinne des Finanzplatzes London - doch nicht so viel an Transparenz liegt, wie Business Insider behauptet.

So jedenfalls hat Cameron, der gern verbale Seitenhiebe auf steuervermeidende Großkonzerne loslässt, seine Glaubwürdigkeit verspielt. Das ist auch in anderer Hinsicht dramatisch: Die Briten werden sich jetzt erst recht sehr schwer damit tun, dem letzten, vielleicht wichtigsten britischen Befürworter eines gemeinschaftlichen Europas zu folgen. Im Juni stimmen die Briten über einen Verbleib Großbritanniens in der EU ab. Sagen sie "No", trägt auch Cameron erheblich Schuld daran.

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