Mittwoch, 23. Oktober 2019

Brexit, Handelskrieg, Amazonas-Brände Warum Populismus extrem teuer ist

Waldbrand in Brasilien: Brasiliens Präsident Jair Bolsonaro hat erst Rodungen des Amazonas-Regenwalds das Wort geredet, um landwirtschaftliche Flächen zu gewinnen. Seit gelegte Waldbrände außer Kontrolle gerieten, behauptete er, andere hätten Schuld
Christian Niel Berlinck/ICMBio/dpa
Waldbrand in Brasilien: Brasiliens Präsident Jair Bolsonaro hat erst Rodungen des Amazonas-Regenwalds das Wort geredet, um landwirtschaftliche Flächen zu gewinnen. Seit gelegte Waldbrände außer Kontrolle gerieten, behauptete er, andere hätten Schuld

3. Teil: Seriöse Politik ist langweilig - das ist ein Problem

Politik, gerade Wirtschafts- und Finanzpolitik, lässt sich verstehen als Ringen zwischen kurzer und langer Frist. Was kurzfristig vorteilhaft sein kann, verursacht langfristig Kosten - und umgekehrt.

Strukturreformen sind heute womöglich schmerzhaft, aber helfen in den Folgejahren. Wer heute mehr Geld ausgibt, als er einnimmt, kann damit Wähler beglücken, aber in Zukunft drücken höhere Schulden. Niedrige Zinsen können einen Boom entfachen, der in einen Crash mündet. Rascher auf erneuerbare Energien umzusteigen, verursacht Kosten in der Gegenwart, aber niedrigere Kosten und besseres Klima in der Zukunft.

Seriöse Politik bedeutet, Kompromisse zu finden zwischen kurzer und langer Frist, zwischen aktuellen Ansprüchen und nachhaltiger Stabilität, zwischen dem Wünschenswerten und dem Notwendigen - zwischen Kosten und Erträgen, die zeitlich auseinanderfallen.

Die Debatten über solche Kompromisse sind typischerweise komplex, zeitaufwändig und schwer verständlich. Langweilig! Populisten hingegen haben die besseren Storys. Sie sind simpel, aufregend und leicht verständlich.

Exaltierte Führerfiguren wie Johnson, Trump oder Salvini faszinieren die Öffentlichkeit: die einen, weil sie all der Irrsinn aufregt, die anderen, weil sich selbst gern so irre benehmen würden.

Keine Frage, im schnellen, lauten Nachrichtengeschäft haben Populisten einen Wettbewerbsvorteil gegenüber ernsthaft bemühte Sachpolitikern. Das ist einer Gründe für die Populismus-Welle, die den Westen erfasst hat. Aber je länger sie rollt, desto mehr zeigen sich die Schäden, die sie anrichtet. Schlimm genug. Aber sie offenbaren nun ihre deutlich sichtbar ihre programmatischen Unzulänglichkeiten.

Und darin steckt, immerhin, ein Stück Hoffnung.

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