Mittwoch, 23. Oktober 2019

Brexit, Handelskrieg, Amazonas-Brände Warum Populismus extrem teuer ist

Waldbrand in Brasilien: Brasiliens Präsident Jair Bolsonaro hat erst Rodungen des Amazonas-Regenwalds das Wort geredet, um landwirtschaftliche Flächen zu gewinnen. Seit gelegte Waldbrände außer Kontrolle gerieten, behauptete er, andere hätten Schuld
Christian Niel Berlinck/ICMBio/dpa
Waldbrand in Brasilien: Brasiliens Präsident Jair Bolsonaro hat erst Rodungen des Amazonas-Regenwalds das Wort geredet, um landwirtschaftliche Flächen zu gewinnen. Seit gelegte Waldbrände außer Kontrolle gerieten, behauptete er, andere hätten Schuld

2. Teil: Welkende Landschaften bräuchten dringend Zuwanderer

Italien ist nach knapp anderthalb Jahren Fünf-Sterne-Lega-Regierung keinen Schritt weiter. Im Gegenteil. Nun versucht eine neue Koalition, ohne Matteo Salvinis rechte Lega-Truppe, das Land wieder flott zu bekommen, während Salivini aus der Opposition heraus dagegen Stimmung machen wird.

Brasiliens Präsident Jair Bolsonaro hat erst Rodungen des Amazonas-Regenwalds das Wort geredet, um landwirtschaftliche Flächen zu gewinnen. Seit gelegte Waldbrände außer Kontrolle gerieten, behauptete er, andere hätten Schuld: Öko-Aktivisten oder indigene Völker, die im Amazonas-Gebiet leben. Sie hätten die Feuer gelegt, um ihm zu schaden. Blame Game auf Brasilianisch.

Derweil schicken sich im benachbarten Argentinien die Peronisten an, bei den anstehenden Präsidentschaftswahlen abermals die Macht zu übernehmen. Dabei hat ihre linksnationalistische Ideologie dazu beitragen, eines der einst reichsten Länder der Erde zu ruinieren.

In Deutschland gibt es Populisten bislang nur in der Opposition. Aber nach diesem Sonntag könnte sich die Lage ändern: Die Landtagswahlen in Sachsen und Brandenburg könnten die AfD in der Landespolitik in Schlüsselrollen katapultieren. Ihr Anti-Zuwanderungs-Kurs schadet zwar dem Osten langfristig. Dort schrumpft die Einwohnerzahl schon jetzt bedrohlich. Welkende Landschaften bräuchten dringend Zuwanderer. Doch aktuell kann die AfD politisch von einer Stimmung profitieren, die sie selbst mit geschürt hat.

Heute das Blaue vom Himmel versprechen und morgen, wenn der Himmel genau deshalb einstürzt, irgendjemand anderen dafür verantwortlich machen - es ist immer das gleiche Muster.

Dabei können Populisten auch durchaus harmlos daherkommen. Silvio Berlusconi, einer der Urväter des modernen Euro-Populismus, schadete Italien in den Neunziger- und Nullerjahren vor allem durch Nichtstun: Statt notwendige - und kurzfristig unpopuläre - Reformen voranzutreiben, interpretierte er seine Rolle extravagant - als zotiger Entertainer. Italien leidet bis heute unter seinen Versäumnissen.

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