Freitag, 29. Mai 2020

Lügen, Tänze, Schläfchen Diese Brexit-Momente werden bleiben

"Brexodus" der Brexit Party aus Brüssel
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"Brexodus" der Brexit Party aus Brüssel

Da Großbritannien an diesem Freitag nun wirklich, tatsächlich, endlich aus der Europäischen Union austritt, enden knapp vier Jahre, die nicht nur in der politischen Landschaft Europas Spuren hinterlassen haben. Auch im kollektiven Gedächtnis Großbritanniens und Europas haben sich Szenen aus der teilweise tumultös geführten Debatte eingebrannt.

John Bercows langgezogene "Ooooooorder"-Rufe, ein Bus voller Lügen, ein gestohlener Amtsstab und ein Nickerchen im Unterhaus - ein Rückblick auf vier Jahre Aufreger zwischen Westminster und Brüssel.

Brexit, Teil 1: Der lügende Bus

Der Brexit-Bus
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Der Brexit-Bus

Das Votum der Briten für den Brexit im Juni 2016 war eine große Überraschung, ein "schwarzer Schwan" für die Börsen. Beim Wettanbieter Ladbrokes konnte man seinen Einsatz an diesem Tag versechsfachen. In jedem Fall unvorbereitet traf das Ergebnis die Regierung von David Cameron, die das Referendum angesetzt hatte - im Glauben, die EU-Gegner damit zum Schweigen zu bringen. Selbst der damalige Londoner Bürgermeister Boris Johnson wog die Chancen beider Seiten ab, bevor er sich als Gesicht der "Leave"-Kampagne hergab.

Für ihn ging die riskante Wette auf. Aber wie kam dieser Coup zustande? Auf ziemlich altmodische Weise. Die gedruckte Presse, weit überwiegend in der Hand von Brexit-Freunden, spielte eine große Rolle - aber auch klassischer Marktplatz-Wahlkampf. Zum Symbol wurde der rote Bus, vor dem Johnson seine Reden hielt: bedruckt mit dem Versprechen, 350 Millionen Pfund pro Woche könnten künftig an den Nationalen Gesundheitsdienst statt die EU geschickt werden.

Factchecking-Seiten ebenso wie das nationale Statistikamt erklärten die Aussage für falsch, selbst radikale Brexiteers (außer Johnson) distanzierten sich davon. Sie wirkte trotzdem - und machte Buswerbung zum neuen Trend. Greenpeace lackierte denselben Bus später um. Und im Wahlkampf im Dezember 2019 nutzte eine Fast-Food-Kette den Hype für ihr eigenes Marketing.

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